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Corona: Viele Narren im Kreis Bernkastel-Wittlich sind in Warteposition

Trotz Corona : Viele Narren im Kreis Bernkastel-Wittlich sind in Warteposition

Einige Karnevalsvereine planen Ersatzveranstaltungen für ausfallende Kappensitzungen und Umzüge – als Sommerfastnacht, Rundtour oder virtuell.

Die fünfte Jahreszeit hat seit Mittwoch begonnen: Der 11.11. ist der Tag, an dem die Fastnachtsfreunde zum ersten Mal in der jeweiligen Session mit Narrenkappe und Verkleidung schunkeln und feiern. Es folgen Kappensitzungen und Umzüge. Doch in dieser Session ist wegen Corona alles anders. Stecken die Narren zurück oder lassen sie sich Lösungen einfallen? Wie haben uns umgehört:

In  Longkamp bereitet man sich auf eine Sommerfastnacht vor. Gemeinsam haben Vereine und Ortsgemeinde entschieden, die närrischen Tage auf das zweite Juli-Wochenende 2021 zu verlegen. An diesem Wochenende feiern die Longkamper auch ihre St.-Andreas- Kirmes. Durch diese Entscheidung soll es vor allem den Wagenbauern ermöglicht werden, entsprechend zu planen, sagt Ortsbürgermeister Horst Gorges.  „Wir hoffen, dass sich bis zu dem geplanten Termin für die Kappensitzung und den Fastnachtsumzug am zweiten Juli-Wochenende die gesundheitliche Lage bedingt durch die Corona-Pandemie wieder deutlich entschärft oder, noch besser: ganz erledigt hat“, sagt er. „Die Menschen wollen feiern, wenn es möglich ist.“

 

Im Longkamper Nachbarort Monzelfeld wollen die Welle Baie eine ganz andere Idee umsetzen. Hier will man die „mit Abstand bunteste Session der ganzen Region“ feiern, wie es in einem Aufruf an die Monzelfelder heißt. Dazu soll die Gassen Monzelfelds und der gesamten Region bis Aschermittwoch karnevalistisch dekoriert werden. „Seid kreativ, spitzt eure Stifte, überlegt euch Bastelideen, malt Fensterbilder, bastelt Karnevalsmotive und zeigt, dass der Karneval in diesem Jahr nicht ins Wasser fällt“, lautet der Aufruf an Kinder, Erwachsene und Narren aus befreundeten Vereinen. Bilder können an die Welle Baie gemailt werden, die diese dann auf ihrer Homepage veröffentlichen wollen.

 

In der Kreisstadt Wittlich haben sich vier Karnevalsvereine zusammengetan und einen neuen Verein mit dem Namen „Clown“ gegründet. Clown steht hier als Abkürzung für Cooperation Lachen: Ortsteile+Wittlich=Narren. „Der neue Verein soll eine rechtliche Basis bilden, um gemeinsame Veranstaltungen im kommenden Jahr organisieren zu können“, sagt Hermann Barzen, Vorsitzender des Vereins Schääl Saidt. Weitere Mitglieder sind die Karnevalsgemeinschaft Wengerohr, der Karnevalverein Burg­narren Neuerburg und die Wittlicher Narrenzunft Rot-Weiß. Vertreten ist der neue Verein virtuell mit der Internetseite www.clown-wittlich.de sowie Auftritten bei Facebook, Instagram und Youtube, wo das Maskottchen Conny am 11.11. seinen ersten Auftritt hatte.

Für die kommenden Sonntage sind für jeweils 18 Uhr neue Beiträge angekündigt. Die Vertreter der Wittlicher Karnevalsvereine hatten sich im Sommer bereits zusammengesetzt und Pläne ausgeheckt, wie die Narren der Kreisstadt der Corona-Pandemie trotzen können (wir berichteten). Im Rahmen einer Tingelshow wollen die vier Karnevalsvereine zwischen Dickem Donnerstag und Aschermittwoch durch alle fünf Stadtteile ziehen und eine Show zeigen, bestehend aus Tänzen, Sketchen und kurzen Vorträgen. Bei einer Sommerfastnacht vom 4. bis 6. Juni sollen die Menschen bei Kappensitzungen am Platz an der Lieser in Karnevalsstimmung gebracht werden.

 

In Morbach ist noch nichts für die kommende Session geplant. „Wir sind in Warteposition“, sagt Frank Retzler, Präsident der Dilldappen. Wenn sich die Corona-Situation entspannt, wollen die Morbacher Fastnachter Aktionen umsetzen. „Aber das müssen wir kurzfristig planen.“

 

Ähnlich sieht es aus bei den Kröver Reichsnarren, nachdem man sich Ende Oktober entschlossen hatte, alles abzusagen. Vorsitzender Sascha Hemm kann sich nicht vorstellen, etwas über die Karnevalszeit veranstalten zu können. Eine Sommerfastnacht könnte eine Option sein, sagt er.

 

 „Planen kann man nichts“, sagt Eric Achtermann vom Verein Huckebein aus Bernkastel-Kues. Eine Saalfastnacht sei unmöglich. Jedoch wolle man sich die Tür offenhalten für andere Veranstaltungen, möglicherweise in den Moselauen oder auf dem Karlsbader Platz. Wichtig für Achtermann ist, dass durch die erzwungene Pause das Brauchtum Fastnacht nicht in Vergessenheit gerät. „Wenn die Fastnacht aussetzt, kann es sein, dass die Jugend das Interesse verliert und abwandert“, sagt er.

 

In Dreis haben die Karnevalisten bereits die Jubiläumsfeier für vier mal elf Jahre, die für Juni 2020 geplant gewesen war, absagen müssen. Jetzt fallen auch der Rosenmontagszug und die Saalfastnacht aus, sagt Christoph Thieltges. „Wenn wir dürfen, stehen wir bereit“, gibt er den Dreiser Narren ein kleines Hoffnungszeichen. So überlegen die Dreiser Karnevalisten – abhängig von der Entwicklung der Pandemie – eine Außenveranstaltung am Fastnachtswochenende.