1. Region
  2. Mosel, Wittlich & Hunsrück

Coronavirus: Die Innenstädte von Wittlich und Bernkastel-Kues sind leer

Kostenpflichtiger Inhalt: Corona-Krise : Ein Blick nach Wittlich und Bernkastel-Kues: Willkommen in den Geisterstädten! (Fotos)

Nur wenige Unentwegte halten sich derzeit in den Innenstädten von Wittlich und Bernkastel-Kues auf. Volksfreund.de hat vor Ort mit Unternehmern gesprochen.

Gruselig, unheimlich, richtig tot: Wer in diesen Tagen in der Bernkastel-Kueser und Wittlicher Innenstadt mit einem der wenigen Passanten spricht, die dort unterwegs sind, der hört überall ähnliche Sätze.

Bernkastel-Kues „Es ist gespenstisch, wenn keine Läden aufhaben“, sagt ein Ehepaar aus Westfalen, das sich dem Coronavirus zum Trotz für einen Kurztrip in der Eifel aufhält und einen Tag vor ihrer Rückfahrt an die Mosel gefahren ist. Den empfohlenen Abstand von zwei Metern einzuhalten sei kein Problem. „Es ist ja keiner da.“ Das Ehepaar spürt die Angst der Menschen vor dem Unbekannten – „wie 1986 Tschernobyl“, sagen sie.

Schon der Anblick des ansonsten voll belegten Parkplatzes an der Mosel ist ungewohnt. Die derzeit wenigen dort geparkten Autos tragen Kennzeichen mit BKS und WIL. Dazwischen findet sich gelegentlich ein Fahrzeug mit TR. Andere Kennzeichen, die in der Touristenhochburg Bernkastel-Kues Besuchern zuzurechnen sind: Fehlanzeige.

In der bei schönem Wetter auch wochentags gut besuchten Innenstadt sind kaum Leute zu sehen. Haben die Bernkasteler ihre Stadt schon mal so gesehen? „Im Winter ja, im Frühjahr und Sommer nein. Die Atmosphäre ist schon speziell“, sagt eine vorbeigehende Einheimische. Auch die Restaurants, Eiscafés und Bäckereien haben zum größten Teil zu. Vor dem Gasthaus Burkard stehen am Donnerstag noch Tische und Stühle für etwaige Gäste. Am Freitag nicht mehr, sagt Inhaber Manfred Burkard. „Wir haben den letzten Tag auf. Morgen stelle ich für meine Mitarbeiter einen Antrag auf Kurzarbeit“, sagt er.

Ein Angebot, Mahlzeiten auszuliefern, sei wegen der Vorratshaltung problematisch. Die Zimmer seien bis Ostern komplett storniert. Dann müsse man weitersehen. Bernkastel gleiche derzeit einer Geisterstadt, sagt der Gastwirt. „Abends erst recht.“

Uwe Fass von der gleichnamigen Metzgerei steht in seinem Imbiss und brät Würste. Hat er dafür überhaupt Abnehmer? Mittags kommen einige Leute von der Verwaltung, sagt er. Doch gehen die Geschäfte zurück, auch in seiner Metzgerei. Lediglich gute Stammkunden kommen noch. „Solange Leute hier arbeiten, lasse ich auf“, sagt er. „Doch wenn eine Ausgangssperre kommt, ist Schluss.“

Nicht alle Einheimischen sind mit den Einschränkungen einverstanden. „Ich habe keine Angst. Ich finde die Maßnahmen übertrieben“, sagt ein Belgier, der in Bernkastel eine Zweitwohnung hat und mit seiner Frau durch die Stadt flaniert. „Wir gehen jetzt rund, bleiben aber sonst zu Hause. Es ist ja alles geschlossen.“

In Manderscheid sind die Straßen Mitte der Woche menschenleer, auf den Parkplätzen im Stadtinneren parken nur wenige Fahrzeuge, lediglich auf den Wegen rund um die Stadt gehen Menschen im Sonnenschein spazieren. Einige Touristen zieht es trotzdem in die Burgenstadt: So sind jeweils ältere Paare aus dem Saarland mit dem Motorrad, aus Osnabrück mit dem Wohnmobil oder aus Neuwied am Rhein mit dem Auto unterwegs, bestaunen und fotografieren unter anderem die Burgen.

In Wittlich zeigt sich in der City ein ähnliches Bild wie in Bernkastel-Kues. Nur ab und zu sind Passanten in der Neustraße und der Burgstraße zu sehen. Im Eiscafé am Pariser Platz sitzt ein Pärchen in der Sonne. Ansonsten: lauter leere Stühle. „Hier ist bei dem Wetter sonst alles voll“, sagt eine Angestellte. Nur wenige Kunden kommen und holen ein Eis auf die Hand. „Schlimm“, sagt sie. Ab Samstag ist es nach den neuesten Anordnungen des Landes ohnehin geschlossen.

„Die Stadt macht einen seltsamen Eindruck“, sagt eine Wittlicherin, die mit einer Bekannten unterwegs ist. Sie wollen die Sonne auf den Stufen am Lieserufer genießen, „mit zwei Meter Abstand“, betonen sie lachend.

„Hier ist tote Hose“, sagt ein Ehepaar aus dem Raum Bitburg und zeigt die Burgstraße hinunter. Was macht Leute von dort an einem solchen Tag in Wittlich? „Ich will zum Friseur“, sagt die Frau. „Ich will hoffen, dass er offen hat. Wenn nicht: Pech gehabt.“ Eine andere Passantin sagt, sie habe so etwas noch nicht erlebt. „Schlimm. Es kommt mir vor wie im Katastrophenfilm“, sagt sie. Sie hat etwas Dringendes erledigen müssen, geht jetzt aber so schnell wie möglich wieder nach Hause.

Inmitten der dunklen Läden in der Burgstraße, von denen einige vor ihren Fassaden die Rollgitter verschlossen haben, zeigen Schilder an, dass das Geschäft „Genüsse für die Sinne“ mit seinen Drogerieartikeln geöffnet hat. „So habe ich die Stadt noch nicht erlebt. Das ist teilweise gespenstisch“, sagt Inhaber Hans Gelz. Es kommen deutlich weniger Kunden als normal. Doch seien einige froh, dass es Geschäfte gibt, die offen haben. „Den Leuten fehlt etwas“, sagt er.

Was den Menschen offensichtlich fehlt, ist die Sonne, sagt Chrysanthi Ntafopoulou vom Café am Markt. Seit die Tische vor dem Café nicht mehr im Schatten sind, seien diese gut frequentiert. Diese hätten ausreichend Abstand. Im Café hat sie Tische entfernt, um diesen gewährleisten zu können. „Die Leute haben Angst“, stellt die Inhaberin seit wenigen Tagen einen Stimmungswechsel fest. Viele holten ihren Café to go mit Handschuhen ab.

Seltener Anblick: Die Altstadt in Bernkastel-Kues ist menschenleer. Foto: Christoph Strouvelle

„Die leere Stadt ist wie eine Geisterstadt. Traurig“, sagen zwei Damen, die vor dem Café gerade ein Eis genossen haben. Sie halten die verkündeten Maßnahmen für übertrieben. „Man muss ja nicht zusammensitzen“, sagen sie. In den gefüllten Innenraum eines Lokals würden sie nicht gehen, aber draußen, was soll da passieren, argumentieren sie. Haben die beiden keine Angst, dass sie sich mit dem Coronavirus anstecken könnten? „Es ist doch sowieso keiner da“, sagen sie.