1. Region
  2. Mosel, Wittlich & Hunsrück

Coronavirus: Kaum Kinder in der Notbetreuung

Schul- und Kitaschließungen : Kaum Kinder in der Notbetreuung

Nur wenige der dazu berechtigten Eltern nehmen das Angebot bislang in Anspruch. Doch das könnte sich schnell ändern. Da keine Schulbusse mehr fahren, ist allerdings die Beförderung der Kinder zu den Schulen und Kitas schwierig.

Wohin mit dem Kind? Seitdem im ganzen Land aufgrund der Coronavirus-Pandemie am Montag die Schulen und Kindertagesstätten geschlossen wurden (der TV berichtete), stellen sich viele Eltern diese Frage. Deshalb hat das Land an den Schulen und Kitas eine Notbetreuung eingerichtet.

Die Notbetreuung richtet sich vor allem an Berufsgruppen, deren Tätigkeiten zur Aufrechterhaltung der öffentlichen Sicherheit und Ordnung des Staates und der Grundversorgung der Bevölkerung notwendig sind. Außerdem an berufstätige Alleinerziehende, die keine andere Betreuungslösung haben und auch Eltern in Notsituationen.

Der TV hat sich im Landkreis Bernkastel-Wittlich mal umgehört, wie die Notbetreuung an den Schulen und Kitas im Kreis angelaufen ist und von den berechtigten Eltern angenommen wird.

In die Kita Salmtal, in der sich normalerweise täglich 100 Kinder tummeln,  kamen beispielsweise am Montag nur zwei Kinder. Am Dienstag war es gar nur eins. „Man merkt, dass die Eltern die Notbetreuung  wohlüberlegt in Anspruch nehmen“, sagt Kita-Leiter Bastian Fett. Trotz der marginalen Auslastung sei die Kita jedoch personell voll besetzt. „Jetzt findet man mal Zeit zur Dokumentation und viele Aufgaben, die im Alltag zu kurz kommen.“ Aber sollte tatsächlich der Notstand ausgerufen werden, meint Fett, dann werde jedes Kind kommen, deren Eltern gebraucht würden. „Kinder von Eltern mit systemrelevanten Berufen.“

Die Tatsache, dass neben den Schulen auch die Kitas geöffnet hätten, sagt Kurz, wohingegen viele andere öffentliche Einrichtungen und Geschäfte schließen, zeige immerhin, dass der Erzieherberuf systemrelevant sei. „Jetzt sieht die Gesellschaft mal, wie wichtig es ist, dass es unseren Berufsstand gibt“, sagt der Kita-Leiter.

In den Betreuungseinrichtungen der VG Wittlich-Land wurden seit Montag im Durchschnitt tagtäglich nur neun Kinder betreut.

„In den ersten Tagen fand kaum eine Notbetreuung statt“, erklärt auch Sebastian Klein von der Stadtverwaltung Wittlich, „da sich Eltern selbst organisieren konnten und sich zunächst Informationen einholen, unter welchen Voraussetzungen eine Notbetreuung für das jeweilige Kind möglich ist.“ Die Stadtverwaltung habe für die vier städtischen Kindertagesstätten nach den Vorgaben des Landes einen Kriterienkatalog aufgestellt, unter welchen Voraussetzungen Kinder in die Notfallgruppe aufgenommen werden können. Klein: „Die Aufnahme in die Notbetreuung soll auch absolut restriktiv gehandhabt werden.“

In den Kitas und Grundschulen der VG Bernkastel-Kues wurde die Notbetreuung auch nur mit Bedacht in Anspruch genommen. „Am Montag wurde nur in einer der vier gemeindlichen Kitas ein Kind betreut“, erklärt Leo Wächter, Bürgermeister der Verbandsgemeinde. In zwei der insgesamt dreizehn Grundschulen seien insgesamt drei Kinder betreut worden. Wächter: „Wir gehen aber davon aus, dass sich das innerhalb der nächsten Wochen ändern wird.“ Um so länger die Schließungen dauern würden, meint Wächter, um so größer werde der Druck für die Eltern, weil sie die Kinderbetreuung möglicherweise selbst nicht mehr hinbekommen könnten, weil sie arbeiten gehen müssten. Die Landesregierung müsse nun schauen, wie sich die Maßnahmen zur Eindämmung der Coronavirus-Pandemie auswirken. „Möglicherweise könnte man ja den Anspruch auf Kinderbetreuung auch auf weitere Berufsgruppen ausweiten, meint Wächter.

„Die Lehrkräfte, so hat es das Land angeordnet, müssen ja ihren Dienst verrichten.“ Fünf bis zehn Prozent der Kinder könnte man ja für die Notbetreuung zulassen“, meint der VG-Bürgermeister. Doch das zu regeln, sei ja Angelegenheit des Landes. Bloß in 16 der insgesamt 63 Schulen des Landkreises wurde bislang eine Notbetreuung in Anspruch genommen, erklärt Manuel Follmann, Pressesprecher der Kreisverwaltung.  Dabei wurden 37 Schüler in 19 Gruppen betreut. Follmann: „Das bewegt sich nach wie vor auf einem sehr geringen Niveau, wobei das nicht als Aufruf gewertet werden sollte, die Notbetreuung verstärkt in Anspruch zu nehmen.“ Denn die sozialen Kontakte sollen durch die Schul- und Kitaschließungen ja möglichst gering gehalten werden.

„Die Notbetreuung richtet sich hauptsächlich an bestimmte Berufsgruppen. Die Eltern aus dem Bereich Schule gehen verantwortungsbewusst damit um.“ Für die Kitas stehe eine erste Bilanz für das Kreisgebiet noch aus. Follmann: „Es bleibt abzuwarten, ob sich die Zahl der Notbetreuungen an den Schulen  weiterhin auf solch einem geringen Niveau bewegen wird. Die ersten Tage kann sich fast jeder bei der Kinderbetreuung behelfen, aber wenn es über Wochen geht, wird der Moment kommen, an dem es nicht mehr geht und man Unterstützung braucht.“

Busverkehr Im Linienverkehr wird normaler oder Ferienfahrplan gefahren. Welches Unternehmen welchen Fahrplan fährt, darüber informiert die Homepage des VRT. Aus den größeren Orten, erklärt die Kreisverwaltung, sei auch bei dem Ferienfahrplan die Erreichbarkeit aller Schulstandorte gewährleistet. Die normale Schüler- und Kitakinderbeförderung werde eingestellt und „nur bei Bedarf wieder eingerichtet.“ Wer also sein Kind zur Notbetreuung anmeldet, der muss es künftig, sofern kein Linienbus fährt, auch selbst dorthin bringen. Wer Schulkinder nicht mit dem Bus zur Notbetreuung bringen könne, weil der Ort im Ferienfahrplan nicht bedient werde, dem leiste der Landkreis eine Kostenerstattung in Höhe vergleichbarer ÖPNV-Kosten. Sollte der Beförderungsbedarf zur Notbetreuung steigen, werde der Kreis möglicherweise Busse einsetzen. Die Schulen und Kitas sind angewiesen, die Kreisverwaltung über den Bedarf zur Beförderung auf dem Laufenden zu halten.