Cusanus muss sparen

Die Akademie Kues ist der klammen Caritas-Träger-Gesellschaft Trier (CTT) finanziell ein Klotz am Bein. Stadt, Verbandsgemeinde und Cusanusstift pochen auf die Einhaltung abgeschlossener Verträge. Personelle Engpässe verschärfen das Problem.

Bernkastel-Kues. "Englisch für Fortgeschrittene", "Yoga des Gewahrseins", "heiteres Gehirnjogging": Kurse wie diese finden sich im aktuellen Programm der Akademie Kues. In den 90er Jahren als reine Seniorenakademie gestartet, sollen jetzt alle Generationen hier zusammenkommen (siehe Extra). Doch vor der Einrichtung türmt sich ein Berg von Problemen auf. Zum einen ein akutes: Leiterin Theresa Spies ist seit einigen Monaten erkrankt. Dass kein Ersatz geschaffen wird, deutet auf das zweite, grundlegende Problem hin: die Finanzierung.
Träger der Akademie Kues ist die CTT. Sie hat sich 1994 vertraglich verpflichtet, das Haus für 25 Jahre als Seniorenakademie im Sinne von Nikolaus von Kues zu führen. Alleine 61 000 Euro zahlt sie jährlich an Miete an die Bauträger GmbH um Stadt, Verbandsgemeinde (VG) und Cusanusstift. Plus Personal- und Betriebskosten ergibt sich ein sechsstelliger Betrag, erklärt Vera Bers, die als Geschäftsführerin bei der CTT bis vor kurzem noch in dieser Angelegenheit zuständig war, inzwischen aber für die Marienhausstiftung tätig ist.

Die Position des Trägers: Er kann sich die Einrichtung schlicht nicht leisten. Oder, wie Bers sagt: "Wir stehen mit dem Rücken zur Wand." Um dem angeschlagenen Betrieb wieder auf die Beine zu helfen, verzichten die CTT-Mitarbeiter auf 3,7 Prozent ihres Gehalts. Das jährliche Defizit der Akademie Kues sei da nicht mehr vermittelbar.
Ideen, wie das Haus auf dem Gelände des Nikolaus-Hospitals gewinnbringender betrieben werden könnte, gebe es - sie seien aber stets abgewiesen worden, da sie nicht im Sinne von Cusanus seien, so Bers. Die Vorgaben sind eng abgesteckt. Deshalb will die CTT schnellstmöglich aus dem Vertrag aussteigen. Verhandlungen mit der Stadt und der VG Bernkastel-Kues waren bislang ohne Erfolg.

Die Position der Kommunen: Stadtbürgermeister Wolfgang Port und Verbandsbürgermeister Ulf Hangert erklären, sie stehen hinter der Akademie Kues. Sie wollen und könnten die CTT aber nur aus dem Vertrag entlassen und selbst die Finanzierung in die Hand nehmen, wenn der Träger eine Art Ablösesumme zahlt. Über die Höhe gibt es bislang keine Einigung. Ist sie zu niedrig, könnte die Kommunalaufsicht ihr Veto einlegen, befürchtet Hangert. Er pocht daher bis auf weiteres auf die Einhaltung des Vertrags - ebenso wie das Cusanusstift. Derzeit seien weder die personelle noch die sachliche Ausstattung der Akademie zufriedenstellend.
2019 treten die Kommunen ohnehin an die Stelle der CTT, erklärt Bers. Denn da die Akademie auf Erbbaugrund gebaut worden sei, bestehe eine Betriebsführungspflicht für 99 Jahre, also bis 2093. Stadt und VG streben deshalb eine enge Kooperation mit der Volkshochschule und der Kueser Akademie für Geistesgeschichte an - mit gemeinsamem Personal und Programm. Das war vor mehreren Jahren bereits angedacht, scheiterte aber am Nein des Verwaltungsrats des Cusanusstifts.
Die Position des Vereins der Freunde und Förderer: Er beklagt, niemand trage derzeit die Verantwortung vor Ort. Aushilfskräfte hielten den Betrieb aufrecht. Tageweise sei die Akademie geschlossen. Dabei müsse jetzt das Programm für 2013 erarbeitet werden, sagt der Vereinsvorsitzende Klaus Berg aus Bernkastel-Wehlen. Die Akademie sei in der Region verankert. Es gebe immer mehr Alleinstehende; auch 20- bis 40-Jährige nutzten das Angebot, ebenso wie Menschen aus Wittlich, Traben-Trarbach und aus dem Hunsrück.
Nach dem Wissen von Vera Bers ist das Programm für das erste Halbjahr 2013 auf den Weg gebracht. Allerdings gebe es weniger Veranstaltungen, damit das Defizit nicht noch größer wird. Ihr Fazit: "Die Situation ist für alle Beteiligten unerträglich."
Meinung

Wer soll das bezahlen?
Ja, die Idee ist schön. Menschen finden zueinander, lernen, geben ihr Wissen weiter, tun etwas für ihre Gesundheit - und vor allem für ihre Seele. Eine alternde Gesellschaft braucht Orte der Gemeinschaft. Die Frage ist aber, wer sich eine Einrichtung wie die Akademie Kues leisten kann. Die Kommunen, die die Schulden vor sich herschieben, nicht. Die CTT auch nicht. Wie soll sie ihren Mitarbeitern erklären, dass sie auf Gehalt verzichten müssen, um an der Mosel Kurse in Floristik, Stricken oder Orientalischem Tanz anbieten zu können? Die Akademie Kues mit der Volkshochschule zusammenzulegen ist das Mindeste, was geschehen muss. Besser wäre es, die Einrichtung auf breitere Füße zu stellen und für weitere Nutzungen zu öffnen. Alle Beteiligten müssen der Realität ins Auge sehen anstatt auf Betriebsvereinbarungen zu pochen. u.quickert@volksfreund.deExtra

Älteren Menschen Perspektiven für die Zeit nach Beruf oder Familie aufzuzeigen: Mit diesem Ziel ist die "Seniorenakademie und Begegnungsstätte Kues" 1995 gestartet - ein Pilotprojekt im Land. Der etwa vier Millionen Mark teure Bau wurde über Land, Stadt, VG und die Bauträger GmbH finanziert. Das Programm dreht sich um Handarbeit, Sprachen, Kunst, Musik, Literatur, Bewegung und mehr. Zudem gibt es ein Senioren-Internet-Café und Exkursionen in das Umland. uq

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