Da röhrt der Hirsch und kommt nicht zur Kuh

Da röhrt der Hirsch und kommt nicht zur Kuh

WITTLICH. Fragt man Forst- und Jagdfachleute, ob eine Wildbrücke bei Greimerath sinnvoller gewesen wäre, als die Brücke beim Autobahnkreuz Wittlich, gibt es so viele Antworten wie Experten. Auf die TV-Berichte reagiert nun auch ein Gutachter aus dem Berliner Raum. Zudem melden sich erneut Kritiker des Zwei-Millionen-Euro-Projekts zu Wort.

Für eine Überraschung sorgte im jüngsten TV-Bericht zum Thema Wildbrücke der Landesbetrieb Straßen und Verkehr (LSV) Trier. "Es ist das erste Mal, dass mir zu Ohren kommt, dass die eine Wildbrücke bei Greimerath befürworten", sagt Hermann Bornmüller, pensionierter Forstamtsleiter aus Wittlich und großer Kritiker der Wildbrücke beim Autobahnkreuz. Zusammen mit Bernd Krewer, pensionierter Revierförster aus Kinderbeuern, machte der Fachmann lange, bevor die Wildbrücke beim Autobahnkreuz gebaut wurde, gegen das Projekt mobil. Die zwei Millionen Euro teure Brücke sei an dieser Stelle "reine Geldverschwendung, so nötig wie ein Supermarkt in der Sahara" wetterten die beiden.B 50 neu: Die Hoffnung der Naturfreunde

Was die zwei Naturfreunde umtrieb, war die Hoffnung, dass im Zuge der B 50 neu endlich die Chance für eine Wildbrücke bei Greimerath gekommen ist. Schließlich sind die Straßenbauer inzwischen per Gesetz dazu verpflichtet, einen Ausgleich für den Eingriff in die Natur zu schaffen. "Immerhin ist das Wittlicher Tal doch mehr besiedelt, als der Raum hier oben", sagt auch Walter Schuh, Ortsbürgermeister von Greimerath und Jagdaufseher. Entlang der Autobahn gäbe es einen richtigen Trampelpfad, da die Tiere immer noch ihren alten Weg suchen. Doch die heiß ersehnte Wildbrücke wurde nicht in Greimerath geplant, sondern zur größten Überraschung der Kritiker gleich beim Autobahnkreuz, eine weitere soll über die B 50 neu führen (siehe Grafik). Obwohl der Bund mit den beiden Brücken rund vier Millionen Euro in eine größere Durchlässigkeit der Waldgebiete investiert, ist die Lösung für Fachleute nicht vollends zufriedenstellend. Denn der bedeutende alte Fernwechsel, den weit wandernde Wildtiere seit Jahrhunderten benutzen (siehe Hintergrund), verläuft nun mal bei Greimerath. "Ich hätte zunächst eine Wildbrücke bei Greimerath gebaut, dann die beim Autobahnkreuz. Denn die ist zweifelsohne auch wichtig", sagt Kreisjagdmeister Günter Vanck auf die Frage, welchen Standort er denn sinnvoller findet.

Die Kritik von Bornmüller und Krewer - die Wildbrücke beim Autobahnkreuz führe die Tiere in ein Dreieck aus Autobahn, Bundesstraße und Bahnlinie oder direkt in besiedeltes Gebiet - war sicher überspitzt formuliert.

Kreisjagdmeister Vanck hält die Bahnlinie nicht für ein gänzlich unpassierbares Hindernis, weil sie nur direkt gegenüber der Wildbrücke in einer Trasse verläuft, einige hundert Meter weiter aber ebenerdig geführt wird und Zugverkehr für die Tiere berechenbarer als Autobahnverkehr ist.

Verdienst der überdeutlichen Kritik der Pensionäre ist es aber, eine Diskussion entfacht zu haben, in der die Notwendigkeit einer Wildbrücke bei Greimerath deutlich wird. Das Problem: Diese Autobahn wurde schon vor Jahrzehnten gebaut, als Ausgleichsmaßnahmen noch nicht vorgeschrieben waren (siehe Hintergrund). Hinzu kommt: Bezogen auf das Rotwild sind die Vorwürfe der Kritiker sogar haltbar.

"Für Rotwild ist die Brücke beim Autobahnkreuz sicher uninteressant, da dort kein Fernwechsel ist. Aber diese Brücke nutzt Fledermäusen, Wildkatzen, Dachsen und allen anderen bodengebundenen Tierarten", erklärt Matthias Hermann aus Parlow bei Berlin, der unter anderem für den LSV Trier als Gutachter tätig ist. Denn der Lebensraum dieser Tiere wird östlich der A 1 im Haardter Wald durch die B 50 neu so zerkleinert, dass Minimalareale unterschritten werden. Deshalb muss schon rein rechtlich der Ausgleich dahin, wo der Schaden entsteht - also beim Autobahnkreuz.

Derzeit arbeitet Gutachter Hermann an einer Studie im Auftrag des Naturschutzbunds (Nabu), in der die 100 nötigsten Wildbrücken in Deutschland zusammenstellt werden sollen. Mit seinen Arbeiten ist Hermann erst am Anfang. Fest steht aber bereits jetzt: Mit dabei ist in jedem Fall auch Greimerath. Was die beiden Wildbrücken-Standorte - Autobahnkreuz und Greimerath - angeht, hat Hermann eine eindeutige Meinung: "Beide sind wichtig. In Österreich ist es gelungen, mit Hilfe von EU-Geldern solche Brücken bei älteren Straßen nachzurüsten. Wir haben schließlich eine Verantwortung gegenüber unserer Schöpfung."