Da wäre ein filmreifes Gelände …

Da wäre ein filmreifes Gelände …

Die langjährigen Pläne, ein Kino mit Bowlingbahn nach Wittlich zu bringen, sind noch aktuell. Platz wäre auf dem Postgrundstück.

Wünsch' Dir was! In Wittlich gibt es im verflixten siebten Jahr nach dem Aus für das Kintim einen Wunsch, der nichts an Strahlkraft verloren hat: Ein Kino wollen die Säubrenner, ob jung, ob alt. Da sind sie sich einig.
Sie sind deswegen auf die Straße gegangen beim Karnevalsumzug. Und im Innenstadt-Entwickungskonzept dokumentiert seit 2011 ein roter Minuspunkt das Defizit. Es gibt kleine Trostpflaster: Das Kino-Open-Air im Wittlicher Stadtpark, das Kino im Casino und mittlerweile auch in der Autobahnkirche St. Paul. Und es gibt immer wieder Ideen, die aufhorchen lassen: So hatten Planer schon eine ausgereifte Vision für die Häuserzeile zwischen Stadtbücherei und Polizei in der Schlossstraße. Das Gesamtkonzept sah einen Neubau mit Kino, Theatersaal für 650 Personen nebst Bühne, Gastronomie, Gewerbe, Tiefgarage, Wohnungen vor. "Schloss-Theater" war der Arbeitstitel, realisiert ist nichts davon. Das Ganze scheiterte schon beim notwendigen Immobilienankauf.
Dazu gab es Hoffnungen auf die Flächen im Vitelliuspark. Ein Kino mit Bowlingbahn war Thema in der Wittlicher Gerüchteküche. Und nun köchelt genau diese Kombination wieder hoch, an anderer Stelle, die rein von der Umgebung her womöglich noch besser ist: Das noch von der Post genutzte Grundstück am Brautweg, direkt an den Parkplätzen vor dem Stadthaus und dem Eventum.
Eigentümer des Grundstücks ist die Stadt Wittlich. Sie hat die 3766 Quadratmeter gekauft. Der Mietvertrag mit der Post endet nach jetzigem Stand in einem Jahr am 30. Juli 2018. Denn der Zustellbetrieb der Post soll ins Industriegebiet Wengerohr-Süd umziehen (der TV berichtete). Damit wäre in interessanter Lage viel Platz für Investorenwünsche, die, glaubt man den aktuellen Gerüchten, mit den Wünschen der Säubrenner zusammenfallen würden: Kommt denn tatsächlich ein Kino mit Bowlingbahn dorthin?
Rainer Stöckicht, Pressesprecher der Stadtverwaltung, sagt auf TV-Nachfrage: "Das Grundstück könnte nach Wegzug der Post als Standort für ein Kino mit Bowlingbahn durchaus in Frage kommen. Hierzu bedarf es jedoch der Klärung offener bauplanungsrechtlicher und bauordnungsrechtlicher Fragen. Diese können erst geklärt werden, wenn der Stadt ein entsprechendes Nutzungskonzept vorliegt."
Und er bestätigt generell, dass es "Investoren, Betreiber, die an der Entwicklung des Geländes Interesse haben" gebe. Und inwieweit hat sich denn die Lokalpolitik mit genau diesem Thema womöglich bereits befasst und wie sieht da die Haltung zu einem solchen Projekt aus? Rainer Stöckicht: "Die städtischen Gremien haben sich noch nicht intensiv mit diesem Thema beschäftigt, da noch kein Kaufangebot oder keine konkrete Planung vorliegt. Das wird sich ändern, sobald dies der Fall ist."
Und er signalisiert eine grundsätzlich aufgeschlossene Haltung: "Dass sich die Stadt Wittlich ein Kino mit Bowlingbahn wünscht kommt im Innenstadtentwicklungskonzept explizit zum Ausdruck." Konkreter festlegen, könne man sich noch nicht: "Bevor wir konkreter in unseren Aussagen werden können, müssen wir erst einmal prüfen, welche Konzepte von potenziellen Investoren für die Nutzung des Areals realistisch wären. Dies wird - wie immer - in enger Abstimmung mit den Gremien erfolgen. Zum jetzigen Zeitpunkt stehen wir jedoch noch ganz am Anfang der Entscheidungsfindung, sodass wir - auch mit Rücksicht auf mögliche Investoren - keine näheren Angaben hierzu machen werden."
Ein Name, der seit Jahren immer wieder mal fällt, ist der von Kurt Römer. Er ist Betreiber des Dauner Kinopalastes und will auch in Bitburg, in der Bit-Galerie künftig mit einem Kino einsteigen. Für den Standort Wittlich hatte er im April auf TV-Nachfrage ein Kino mit fünf Sälen und 700 Plätzen als angebracht genannt, wobei er schätzte, dabei komme "man schnell auf eine Investition von fünf Millionen Euro". Er sagte auch: "Sollte uns ein Investor an geeigneter Stelle ein gutes und geeignetes Objekt zur Verfügung stellen, dann beschäftigen wir uns mit dem Standort." Jetzt hat der TV konkret wegen des Poststandortes noch einmal bei Kurt Römer nachgefragt. Er sagt: "Im Detail haben wir uns damit noch nicht auseinandergesetzt. Aber wir beobachten den Markt genau und wollen nichts ausschließen."

WITTLICHS KINOGESCHICHTE
1913 war das erste Kinojahr in Wittlich. Es begann im Kaisersaal des Hotels Kaiserhof ("Deutsches Haus") mit 600 Sitzplätzen. Als das Hotel 1932 umgebaut wurde, entstand ein neues Lichtspielhaus in der Schlossstraße, das zuletzt das "Kintim" beherbergte. Im Februar 2010 gab Pächter Martin Scheid auf. Weder er noch der Immobilienbesitzer wollten Geld in eine Renovierung stecken. Und die Besucherzahlen sanken: Von einst 60 000 auf 24 000 im letzten Wittlicher Kino-Jahr.
In der Nachbarschaft gibt es folgende "Ersatz"-Kinos für die Wittlicher: Das Mosel-Kino in Bernkastel-Kues mit drei Sälen und 230 Plätzen; der Dauner Kinopalast mit vier Sälen, 480 Plätzen; das Skala-Kino-Center in Bitburg mit drei Sälen, 370 Plätzen, das Trierer Cinemaxx mit sieben Sälen, 1700 Plätzen und Broadway mit fünf Sälen und 660 Plätzen.

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