"Da war einfach nur ein schwarzes Loch"
Auf dem Friedhof in Wittlich-Bombogen werden derzeit die Rasengräber mit einer Randeinfassung gesäumt. Das Problem: Die Besitzer wurden über die Arbeiten nicht informiert. Deshalb war der Schock groß, als die Grabplatten plötzlich weg waren und an deren Stelle ein schwarzes Loch klaffte.
Wittlich-Bombogen. "Ich war richtig geschockt und dachte, dass nicht einmal die Toten ihre Ruhe haben", schildert Margareth Römer ihre Gefühle, als sie Anfang Oktober das Grab ihres Mannes auf dem Friedhof in Wittlich-Bombogen besucht. Bis zu dreimal pro Woche besucht sie das Grab. Warum die Grabplatte entfernt wurde und an ihrer Stelle ein schwarzes Loch klaffte, wusste sie nicht. Denn einen Bescheid über die Bauarbeiten hatte sie nicht erhalten. Auch vor Ort war niemand, den sie fragen konnte.
Als Margareth Römer kurz darauf zum Geburtstag ihres Mannes dessen Grabstätte besuchte, bot sich ihr das gleiche Bild. "Ich habe dann die Blumen an die Stelle gelegt, wo ich das Grab meines Mannes vermutete", sagt die 72-Jährige traurig. Ähnlich erging es auch den anderen Besuchern der Rasengräber. Römer: "Eine Frau hat zu mir gesagt, dass sie bei diesem Anblick fast geweint hätte."
Ungepflegtes Bild der Gräber soll beseitigt werden
Was genau auf dem Friedhof passiert ist, erklärt Ulrich Jacoby, Pressesprecher der Stadt, auf Anfrage des TV. "Zurzeit werden die Rasengräber mit einem Grabband eingefasst, das mit Randsteinen begrenzt und mit Basaltsteinen gefüllt wird." Bisher waren die Grabplatten ebenerdig in die Rasenflächen eingesetzt, um das Übermähen zu ermöglichen. Blumen- und Grabschmuck sollte aus diesem Grund nur außerhalb der Mähzeiten aufgestellt werden.
"Die Erfahrung hat uns aber gezeigt, dass die Gräber ganzjährig geschmückt werden, was einen Mehraufwand bei der Pflege und insgesamt ein ungepflegteres Bild bedeutete", sagt Jacoby. Das soll sich nach den Arbeiten ändern, die bis zum Ende der Woche abgeschlossen sein sollen. Die Grabplatten liegen schon wieder an Ort und Stelle.
Mit der Umrandung soll das Bild der Gräberflächen aufgewertet werden. Und das Aufstellen von Grabschmuck ist jederzeit möglich.
Bleibt nur die Frage nach der fehlenden Bürger-Information. Jacoby dazu: "Der Ortsvorsteher wurde informiert. Wegen der kurzen Dauer der Arbeiten wurden die Nutzungsberechtigten jedoch nicht angeschrieben." Margareth Römer würde sich künftig wünschen, über solche Arbeiten in Kenntnis gesetzt zu werden. Dann könnte sie sich darauf einstellen. "Eine Meldung in der Zeitung würde doch schon ausreichen." Jacoby will die Beschwerde indes weitergeben und verspricht: "Wir werden versuchen, in Zukunft sensibler mit den Angehörigen umzugehen, damit solche Beschwerden nicht mehr vorkommen."
Meinung
Mitgefühl statt Gedankenlosigkeit
Keine Frage. Es bedeutet Mehraufwand, alle Angehörigen der betroffenen Gräber zu informieren. Und Geld kostet ein Anschreiben ebenfalls. Beides wollten sich Stadt und Ortsvorsteher scheinbar sparen. Das ist angesichts der überall gebotenen Sparmaßnahmen durchaus verständlich. Vergessen haben die Behörden darüber bedauerlicherweise den emotionalen Aspekt. Die Bedeutung der Grabstätten für die Angehörigen, denen von ihren geliebten Menschen nur noch eben diese geblieben sind, ist enorm. Wenn die Steine - ohne vorherige Warnung - entfernt werden, kommt das einem Schock gleich. Offensichtlich hat die Stadt dazugelernt und will besser informieren. Womit sich die alte Weisheit bewahrheit. "Besser spät als nie". m.radics@volksfreund.de