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Dachdeckerin Nina Weber aus Erden darf zur Dachdecker-Weltmeisterschaft

Als Frau erfolgreich im Männerberuf : „Ich will sehen, was ich geschafft habe“ – Dachdeckerin Nina Weber aus Erden gehört zu den Besten ihrer Zunft

Nina Weber aus Erden ist Dachdeckerin und hat im Bundes-Leistungswettbewerb den zweiten Platz erzielt. Jetzt darf sie zur Weltmeisterschaft.

Manchmal verläuft der Weg eines Menschen bis er seinen richtigen Beruf gefunden hat, nicht geradlinig, sondern er macht einige Umwege. So auch bei Nina Weber aus Erden. Die 25-jährige junge Frau ist Dachdeckerin – eine besonders erfolgreiche Dachdeckerin. Beim bundesweiten Leistungswettbewerb im Dachdecker-Handwerk hat sie vor einigen Wochen den zweiten Platz erzielt. Damit hat sie sich für die Weltmeisterschaften der Dachdecker im Jahr 2024 qualifiziert.

Auf dem Weg dorthin hat sie in den vergangenen Monaten einige Preise eingeheimst: Siegerin im Wettbewerb der Handwerkskammer Trier und Siegerin im Landesentscheid Rheinland-Pfalz. Interessant: Vor wenigen Wochen machte ein anderer Dachdecker aus der Region von sich reden. Matthias Kremer aus Trier erzielte bei den Weltmeisterschaften 2022 der Dachdecker im schweizerischen St. Gallen den dritten Platz (der TV berichtete).

 Schwindelfrei muss sie sein: Nina Weber arbeitet in ihrem Heimatort Erden auf dem Dach der Pfarrkirche.
Schwindelfrei muss sie sein: Nina Weber arbeitet in ihrem Heimatort Erden auf dem Dach der Pfarrkirche. Foto: Firma Berg dach + Schiefer/Firma Berg Dach + Schiefer

Aber zurück zu Nina Weber und ihrem ungewöhnlichen beruflichen Werdegang. In Traben-Trarbach machte sie an der Fachoberschule Gesundheit und Soziales ihr Fachabitur. Dann begann sie eine Lehre als Versicherungskauffrau. Doch damals schon merkte sie, dass dieser Beruf wohl nicht der richtige für sie ist. Dennoch zog sie die Lehre pflichtbewusst durch und machte den Abschluss. Ihr Ausbildungsbetrieb hätte sie gerne übernommen, doch die Leidenschaft fürs Handwerk war stärker. Es war ein Gespräch auf einer Karnevalsveranstaltung mit der ihr gut bekannten Anne Berg aus Erden, die mit ihrem Mann dort den Dachdeckerbetrieb „Berg Dach + Schiefer“ führt. „Komm doch zu uns“, sagte diese. Nina überlegte nicht lange und begann ihre zweite Lehre in dem Betrieb mit seinen sechs Gesellen (Nina Weber ist inzwischen eine davon), einem Meister und zwei Auszubildenden.

Was Firmenchef Berg über seine erfolgreiche Dachdeckerin Nina Weber denkt

„Ich will sehen, was ich geschafft habe“, sagt die junge Frau. Das kann sie in ihrem „neuen Beruf“. Stolz ist sie, dass sie bei der Eindeckung des Erdener Kirchenschiffs mitgearbeitet hat. „Das ist unsere Kirche, und daher ist es etwa ganz Besonderes, dabei mitzuwirken, dass sie erhalten bleibt“, sagt sie. Eine ihrer ersten Arbeiten als Lehrling war die Eindeckung eines Hauses in Erden. Das Haus befindet sich in der gleichen Straße, in der sie wohnt und sie kann also jeden Tag „das, was sie geschafft hat“, sehen.

Die Erdener Firma arbeitet fast ausschließlich mit Naturschiefer und in „altdeutscher Deckung“. Das erfordert besonders viel Geschick, denn es werden unterschiedlich hohe und breite Decksteine verwendet. Das gibt jedem Dach eine persönliche Note. Firmenchef Markus Berg ist voll des Lobes für seine erfolgreiche Mitarbeiterin. „Sie ist für mich der größte Schatz nach meiner Frau“, sagt er schmunzelnd, aber auch mit Überzeugung. Berg: „Sie ist pünktlich, gewissenhaft, fachlich top, und sie denkt bei der Arbeit immer mit.“

Zurzeit arbeitet sie unter anderem auf einem Gebäudekomplex in Aachen. Auch im saarländischen Mettlach ist sie im Einsatz. Dort wird das Dach eines ehemaligen Klosters, heute Firmensitz von Villeroy und Boch, mit Naturschiefer eingedeckt.