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Dachstuhl der Wallfahrtskirche Klausen wir renoviert

Gebäude : Gebälk mit ungewöhnlichen Ausmaßen

Im mittelalterlichen Dachstuhl der Wallfahrtskirche Klausen laufen Renovierungsarbeiten. Dabei muss auf die Bedürfnisse der Fledermäuse, die dort zurzeit ihren Winterschlaf abhalten, Rücksicht genommen werden.

Einen Dachstuhl hat jeder schon einmal gesehen, aber einen der 1500 Quadratmeter Fläche hat, 17  Meter hoch ist und noch in großen Teilen aus dem Mittelalter stammt, ist schon selten. Die Zimmerleute, die aktuell am Dachstuhl der Wallfahrtskirche in Klausen Hand anlegen, kommen über das Gerüst an der Seite der Piesporter Straße zu ihrem riesengroßen Arbeitsplatz. „Mit der Beleuchtung, welche die Zimmerleute benötigen, damit sie bei ihrer Arbeit etwas sehen, könnte man einen ganzen Fußballplatz beleuchten“, erklärt Pater Albert Seul, damit man sich als Laie die Größe des Dachstuhls besser vorstellen kann.

Eine der Aufgaben der Arbeiter ist zunächst der Bau von Holzstegen, damit sie in alle Bereiche des Dachstuhls kommen. Pater Albert Seul: „Um Schäden, die entstehen, frühzeitig zu erkennen, ist es wichtig, dass man überall hinkommt. Bisher gab es kaum Möglichkeiten den Dachstuhl genauer zu untersuchen, außer man ist über die Dachbalken geklettert. Aber das ist nicht zumutbar.“

Spannend findet der Dominikanerpater, dass man anhand des Gebälks sogar erkennen kann, wann es in den vergangenen 500 Jahren größere Stürme gab. „Ein Experte hat uns das erklärt. Nicht nur die Größe und die Handwerkskunst, die man hier sehen kann, ist beeindruckend, sondern auch die Geschichte, die man anhand des Holzes ablesen kann.“

Über drei Etagen hinweg werden Laufstege gebaut. Das ist wegen der Höhe des Dachstuhls notwendig. Daneben werden auch gleich Schäden am Gebälk ausgebessert. Dabei achten die Zimmerleute darauf, dass die Hölzer, die ersetzt werden müssen, durch die gleichen Baumarten ausgetauscht werden. Pater Albert Seul: „Wo Eiche war, kommt auch wieder Eiche hin, und wo Fichte verarbeitet war, wird mit Fichte getauscht. Es wird also nach denkmalschützerischen Kriterien gearbeitet.“

Bei den aktuellen Begutachtungen sind einige Balken aufgefallen, die in einem schlechten Zustand sind. Bei einem der Dachreiter ist beispielsweise Wasser eingetreten und hat einen Eichenbalken schwer geschädigt. Pater Seul: „Es sind viele kleinere und größere Schäden ans Licht gekommen, die wir beheben müssen.“

Veranschlagt sind für die Arbeiten vorerst mehr als 300 000 Euro. Wahrscheinlich wird die Summe aber höher ausfallen. „Man konnte im Vorfeld, bevor man nicht an den Dachstuhl herankam, die Schäden kaum abschätzen, und deshalb gehen wir von einem höheren Betrag aus“, so der Dominikanerpater. Die Kosten übernimmt zu 60 Prozent das Bistum und zu 40 Prozent die Kirchengemeinde. Bis Ende April müssen die Arbeiten fertiggestellt sein, denn dann werden die rund 100 grauen Langohrfledermäuse, die dort leben (der TV berichtete), wieder aus ihrem Winterschlaf wach.

Sie leben im Mauerwerk des Dachstuhls. „Die momentan niedrigen Temperaturen kommen den Arbeiten zugute, denn je kälter es ist, umso tiefer schlafen die Fledermäuse und werden von den Tätigkeiten nicht gestört“, erklärt der Pater.

Bereits abgeschlossen ist die Prüfung der Statik, die mit einer Laservermessung im vergangenen Jahr durchgeführt wurde. In diesem Bereich kann grünes Licht gegeben werden. „Die Statik der Kirche ist gut. Das ist überprüft, und wir sind froh, dass in diesem Bereich keine Arbeiten nötig sind“, berichtet Seul. Zukünftig soll das Gebälk einmal pro Jahr begutachtet werden.