Damit der Laden im Dorf bleibt

Eier, Brot, Käse, Tageszeitung, in vielen kleinen Gemeinden muss man sich ins Auto setzen und in die nächste Stadt fahren, um Dinge des täglichen Bedarfs zu besorgen. In Minderlittgen gibt es noch einen Dorfladen. Um „Gela’s Lädchen“ zu erhalten und zu verbessern, hat die Gemeinde zusammen mit dem Nachbarort Hupperath eine Fragenbogenaktion gestartet.

Julia Jähnigen kommt mit ihrer Tochter Sophie in das kleine Geschäft in Minderlittgen. Ladeninhaberin Angela (Gela) Simon nimmt das eineinhalbjährige Mädchen auf den Arm. Es wird ein wenig geredet und gelacht. Man kennt sich. "Ich komme so ein oder zwei Mal in der Woche hierher", sagt die junge Frau. Und ist dabei eine von vielen Kunden. Zwischen 80 und 120 Menschen kommen täglich in "Gela's Lädchen".

Es sind Bürger aus Minderlittgen und Hupperath, aber auch aus Großlittgen oder Karl, die auf dem Weg nach Hause oder in die Stadt Wittlich vorbeikommen. Oft kommen auch Kinder, die hier ohne die Eltern etwas einkaufen möchten. Einen Lieferservice bietet Simon auch an.
Die Kunden finden auf den 36 Quadratmetern fast alles, was für den täglichen Bedarf gebraucht wird, wenn natürlich auch in kleinerer Auswahl und zu etwas höheren Preisen als bei den großen Supermärkten in der Stadt. Obwohl der Platz beengt ist, gibt es eine kleine Frischetheke, wo Wurst und Käse abgewogen und verpackt werden. Und die Menschen finden auch Gespräch und Kommunikation. "Ich nehme mir gerne Zeit für die Kunden", sagt Simon. "Manche kommen sogar zweimal am Tag aus diesem Grund", bestätigt Ortsbürgermeister Axel Hecking.

Ihm ist es ein großes Anliegen, den Laden zu erhalten und zu verbessern. Deshalb hat der Gemeinderat von Minderlittgen zusammen mit dem Nachbarort Hupperath eine Fragebogenaktion gestartet. Bis Sonntag können die Antworten abgegeben werden, auch in den Wahllokalen im Ort. Gefragt wird dabei unter anderem, wie zufrieden die Menschen mit der Versorgungssituation sind, wo Mangel herrscht, ob Einkäufe mit anderen Aktivitäten verknüpft werden, welche Bedeutung die rollenden Märkte haben oder wie die Meinung zu Regional- oder Bioprodukten ist.
Für die Aktion haben die Gemeinden professionelle Hilfe gesucht.

Die Unternehmensberatung Bulitter aus Trier ist Projektträger von m-Punkt Rheinland-Pfalz (siehe Extra) und hat bereits Erfahrung mit Dorfladenprojekten. "Ein Teil der Fragen sind Standard", sagt Bulitter-Mitarbeiter Markus Gietzen. Etwa, wenn es darum gehe, den Bedarf zu ermitteln. Bei anderen Fragen wird auf die Besonderheiten im Dorf eingegangen. Dabei ist laut Gietzen die Einwohnerzahl nicht ausschlaggebend, ob sich ein Geschäft lohnt. Wichtig ist dagegen zum Beispiel eine gute Gemeinschaft im Ort. Auch die Frage, ob Durchgangsverkehr durch den Ort fließt, ist von Bedeutung.

Wenn die Fragebögen am Sonntag eingesammelt sind, werden sie von einem Team ausgewertet. Und dann werden laut Gietzen Empfehlungen ausgesprochen. Dabei sind verschiedene Konzepte denkbar. So wie bisher in Minderlittgen, wo Angelika Simon als Unternehmerin den Laden führt. Oder aber wie in Klausen, wo ein Verein das Geschäft betreibt. In die Detailplanung allerdings mische man sich nicht ein, sagt Gietzen. Welches Sortiment letztendlich sinnvoll sei, müsse vor Ort entschieden werden.

In Minderlittgen stehen Simon und Hecking verschiedenen Möglichkeiten aufgeschlossen gegenüber. Auch ein Verein ist für Hecking denkbar. Deshalb hat er sich auch im Vorfeld schon von Alois Meyer, Ortsbürgermeister von Klausen, das dortige Konzept vorstellen lassen. Der Umzug in eine gemeindeeigene Immobilie, die mehr Platz bietet ist denkbar. Angela Simon wünscht sich zudem die Möglichkeit, Kaffee und Kuchen anbieten zu können.
Sie betreibt den Laden jetzt seit fast acht Jahren und möchte das auch weiterhin tun. Das Geschäft trägt sich, davon alleine leben könne man aber nicht, gibt sie zu. Den Laden selbst gibt es schon seit etwa 80 Jahren, sagt Ortsbürgermeister Axel Hecking. Früher haben die Hausbesitzer das Geschäft selbst betrieben, jetzt haben sie den Raum vermietet.Kommentar
Nora John
Mehr als nur Versorgung

Die Nahversorgung auf den Dörfern wird immer schwieriger. In vielen Gemeinden gibt es kein Geschäft mehr. Dabei ist ein solcher Laden mehr als nur ein Versorgungszentrum. Hier trifft man andere Menschen, kann ein Schwätzchen halten und erfährt Neues aus dem Dorf. Und erspart sich so manche Autofahrt für seine Einkäufe. Auch, wenn bei einem kleinen Geschäft die Waren nicht so billig wie in großen Supermärkten angeboten werden können, lohnt sich der Erhalt. Das ist aber nur auf die Dauer möglich, wenn die Ortsbewohner den Laden nicht nur gut finden, sondern wirklich regelmäßig dort einkaufen. In Minderlittgen hat man das offenbar verstanden. Extra Dorfladen Klausen

Der Dorfladen Klausen befindet sich im Dorfzentrum Eberhardsklause, das im Februar 2012 eingeweiht wurde. Das Besondere daran ist, dass der Laden aus der Dorfgemeinschaft heraus im Rahmen eines sogenannten Wirtschaftlichen Vereins organisiert ist. Zum Angebot gehören rund 800 Artikel des täglichen Bedarfs. Backwaren, Gemüse, Wurst, Fleisch, Wein, Eier, Honig und Schnaps werden von regionalen Erzeugern aus einem Umkreis von 20 Kilometern geliefert. Im Laden arbeiten zwölf Personen aus Klausen als Minijobber. Extra M-Punkt RLP

Rheinland-Pfalz bietet seinen Kommunen mit dem Projekt "M-Punkt RLP" Hilfe bei Neugründung und Erhalt von Dorfläden an. Nach der Kontaktaufnahme der Ortsgemeinde mit M-Punkt RLP erfolgt eine Erstberatung. Sind dann die Voraussetzungen gegeben (Personen, Strukturen vor Ort usw.) erfolgt eine Machbarkeitsstudie. Nur wenn die Machbarkeitsstudie positiv ausfällt, tritt das Projekt in die eigentliche Beratungsphase ein, die auch mehrere Jahre in Anspruch nehmen kann. Die Beratung umfasst alle Fragen rund um die Errichtung (Förderung und Finanzierung) und den langfristigen Betrieb (Trägerstruktur, Gestaltung, Betriebs- und Warenkonzepte). Infos im Internet unter www.m-punkt-rlp.de/