Damit Martin Musik machen kann

An der Mosel hat sich ein außergewöhnlicher Verein gegründet. Amme - so der Name - hat das Ziel, geistig beeinträchtigte Menschen musikalisch auszubilden. Das Pilotprojekt will nicht nur regional, sondern bundesweit Schule machen.

Neumagen-Dhron. Martin Möhlig, ein junger Mann mit Down-Syndrom, ist begeisterter Musiker. Jahrelang sang er bei "Donnerwetter und Band", dem Ensemble der Rosenberg-Schule, einer Förderschule in Bernkastel-Kues. Als Frontmann tanzte er in vorderster Linie und steckte alle mit seiner Fröhlichkeit an. Doch mit 23 Jahren ist er raus aus der Schule und aus der Schulband. Heute singen und tanzen jüngere Rosenberg-Schüler in der Band. Martin bedauert das. Denn Alternativen für Menschen mit geistiger Beeinträchtigung, die nach der Schulzeit Musik machen möchten, sind rar. Es mangelt an Angeboten, sich musikalisch auszuleben, und an geschulten Lehrern.
Das will Martins Vater Günther Möhlig, selbst Hobby-Musiker, ändern. Die Freude, die sein Sohn und die anderen Bandmitglieder bei den Auftritten ausstrahlten, bewog ihn, den Verein "Aktion Musiker für Musiker im Einsatz", kurz Amme (siehe Extra) zu gründen. Von sieben Personen aus der Taufe gehoben, versteht sich der gemeinnützige Verein als "Geburts- und Entwicklungshelfer". Er will Musiker mit geistiger Beeinträchtigung, die die Schule bereits verlassen haben, ausbilden und weiterentwickeln. Denn Musizieren, ist sehr viel mehr als Spaß. Möhlig erlebte oft, wie sich junge Leute entwickelten - sprachlich, mental und motorisch.

Durch dem Verein hofft er, das auch Älteren zu ermöglichen. Amme soll professionelle Musiklehrer befähigen, Menschen mit geistiger Beeinträchtigung zu unterrichten. Gleichzeitig will der Verein die Musikindustrie sensibilisieren, das Projekt zu unterstützen und den Musikern eine Konzertplattform zu bieten. Das regionales Pilotprojekt will auch deutschlandweit ak tiv werden und dem Beispiel "Special Olympics" folgend, den Weg für "Special Music" ebnen. Erste Kontakte für ein Netzwerk sind geknüpft. Demnächst trifft sich Möhlig mit Ministerpräsidentin Malu Dreyer, auch bei Bundesarbeitsministerin Andrea Nahles hat er angeklopft.
Nachfragen bei Organisationen wie der Lebenshilfe oder sozialen Stiftungen bestärken ihn. Sie alle bestätigten den Bedarf und bedauern fehlende Angebote. Ein Stiftungssprecher habe ihm auf Anhieb angeboten, einen Förderantrag einzureichen. Laut Möhlig gibt es auch auf Seiten von Musiklehrern grundsätzlich Interesse, sich weiterzubilden. Allerdings kann der Verein damit erst beginnen, wenn Geld in der Kasse ist. Vorerst sind es nur 300 Euro aus einem ersten kleineren Benefizkonzert - weitere sollen folgen. Wie Martin hoffen nun auch andere Menschen mit geistiger Beeinträchtigung, dass eine Amme eine Erfolgsgeschichte wird.Extra

Menschen mit geistiger Beeinträchtigung sollen ein Instrument erlernen können oder auch singen oder tanzen lernen: zunächst im Einzelunterricht, später eventuell in einer Gruppe. Über Schulen, Werkstätten oder Wohnheime will der Verein Interessierte suchen: Menschen mit geistiger Behinderung oder psychischer Störung, die mitmachen wollen. Helfen dabei sollen Castings und Instrumenten-Karussells, die die Instrumentenwahl erleichtern sollen. Eigens ausgebildete Musik- und Sozialpädagogen sollen dann in kooperierenden Häusern Unterricht anbieten. Außerdem sind Konzerte angedacht, bei denen die Schüler ihr Können zeigen können. Ein erster Termin im Rahmen des Weinschifffestes (18. bis 20. Juli) in Neumagen-Dhron steht bereits. urs Mehr Infos zum Projekt gibt es im Internet unter www.amme-musik.de oder per E-Mail an Günther Möhlig unter info@amme-musik.de