Damit Wildtiere wieder ihren Weg finden

GREIMERATH. Der Brief ist raus, eine Antwort steht noch aus: In einem Schreiben an Christa Klaß informieren der Greimerather Ortsbürgermeister Walter Schuh und Jagdpächter Wolfgang Kalla die Europaabgeordnete über die Notwendigkeit einer Wildbrücke über die A 1 bei Greimerath. Sie bitten um finanzielle Hilfe aus Brüssel für den Bau der zwei Millionen Euro teuren Brücke.

Als das Stück A 1 bei Greimerath Ende der 30er-Jahre gebaut wurde, war Naturschutz noch kein Thema. Hitler ließ Zwangsarbeiter die Autobahn als Dammstraße errichten. Heißt: Die Arbeiten mussten hügelige Erhebungen abtragen, um damit wiederum Täler zu verfüllen. Für die Wildtiere wirkt die Dammautobahn wie ein Riegel, was beispielsweise in Zeiten von Schweinepest durchaus positive Auswirkungen hatte. Während bei Autobahnen mit Talbrücken Wildtiere unter den Brücken durchkommen (etwa wie beim so genannten Unterführungswerk "Königsbuche" bei der A 60), zerschneidet eine Dammautobahn Fauna und Flora diesseits und jenseits der Straße endgültig.EU soll Rotwild-Erhalt in Europa unterstützen

Gefährlich ist das für Wildtiere, die zur Arterhaltung auf den genetischen Austausch mit anderen Populationen ihrer Artgenossen angewiesen sind, wie etwa das Rotwild.

"Insbesondere das Rotwild zeichnet sich durch seine ausgeprägten Wanderbewegungen aus und sorgt damit für den natürlichen Gen-Austausch zwischen den einzelnen Teilpopulationen. Ohne diesen Austausch ist eine genetische Degenerierung der Einzelbestände auf lange Zeit absehbar und unumgänglich", schreiben der Greimerather Ortsbürgermeister Walter Schuh und der Greimerather Jagdpächter Wolfgang Kalla an Europaabgeordnete Christa Klaß.

Hintergrund ist, dass das Rotwild-Vorkommen im Kondelwald eben genau dieser Gefahr der genetischen Isolation ausgesetzt ist. Vor dem Bau der A 1 wanderte das Wild etwa auf Höhe von Greimerath vom Kondelwald in den Salmwald und in den Kyllwald und von dort weiter in die Eifel und die Ardennen.

Entsprechend wird im Brief an Christa Klaß auch darauf hingewiesen, dass eine Grünbrücke bei Greimerath deshalb überregionale Bedeutung hat: "Ziel eines Systems von Wildbrücken ist letztendlich die Herstellung eines einheitlichen Lebensraums über die deutschen Grenzen hinaus bis nach Frankreich, Luxemburg und Belgien. Insofern liegt das Projekt im Interesse des Naturschutzes auf gesamteuropäischer Ebene."

Diese Ansicht der beiden Greimerather teilen auch Fachverbände wie etwa der rheinland-pfälzische Landesjagdverband (der TV berichtete mehrfach). Dort wird unter Federführung des Landesamts für Umweltschutz im Arbeitskreis "Wildkorridore" eine Übersicht mit den wichtigsten Wildbrücken-Standorten in Rheinland-Pfalz erstellt.

Fest steht schon jetzt, dass in dieser Liste auf jeden Fall auch Greimerath mit dabei ist. Auch in einer weiteren Liste wird Greimerath als Wildbrücken-Standort in der Rubrik "vordringlicher Bedarf" auftauchen: im Bundeswildwegeplan, den derzeit Professor Mathias Herrmann aus Parlow bei Berlin im Auftrag des Nabu erstellt. Hermann berichtete auch im Gespräch mit dem TV, dass es mit Hilfe von EU-Geld beispielsweise in Österreich auch schon gelungen sei, solche älteren Straßen mit Brücken nachzurüsten. Dabei könnten Übersichten wie der Bundeswildwegeplan eine Argumentationshilfe sein.

Genau das ist das Ziel der Befürworter einer Wildbrücke bei Greimerath. Die etwa zwei Millionen Euro teure Querungshilfe soll mit EU-Mitteln zumindest teilfinanziert werden. Im Schreiben an Christa Klaß heißt es: "Eine Förderung durch die EU würde die Erfolgsaussichten des Projekts erheblich steigern und dadurch einen maßgeblichen Beitrag zur Erhaltung des Rotwilds in Europa leisten."