"Dann sperren wir die Hunsrückhöhenstraße"

"Dann sperren wir die Hunsrückhöhenstraße"

HUNDHEIM. Die Hundheimer Brücke über die Hunsrückhöhenstraße ist nach wie vor ein Torso. Die Einwohner wollen die zusätzliche Gefährdung nicht hinnehmen. Ihre Hoffnung ist ein Provisorium, dass ein gefahrloses Überqueren der Straße ermöglicht.

"Jetzt haben wir zwei Ruinen: die Baldenau und die Brücke". Ein Hundheimer hat mit seinem Galgenhumor die Lacher auf seiner Seite. Doch der Spott kann über die Sorge der rund 40 Menschen, die sich zu einem Lokaltermin an der Hundheimer Brücke eingefunden hatten, nicht hinwegtäuschen. Sie wollen Taten sehen. Und zwar "bevor da jemand angefahren wird", wie Theo Bohr meinte.Der Hundheimer wohnt wie weitere fünf Familien in drei Häusern auf der gegenüberliegenden Seite der Bundesstraße. Der Weg in den Ort war schon immer gefährlich. Mit der Brücke hat sich das verschlimmert. Mindestens 200 Meter seien durch den Pfeiler nicht mehr einsehbar, meint Bohr.Ausflüge des Kindergartens in diese Richtung sind selten. Das sei zu gefährlich, meint Leiterin Monika Petry. Dabei könnten die Kinder dort Wald, Sportplatz und Grillhütte nutzen. Unverständlich für Volker Kölsch. Der Sportvereinsvorsitzende hofft: "Irgendeiner muss doch mal den gesunden Menschverstand einschalten."Der Torso stelle eine größere Gefahr dar als zuvor, so Ortsvorsteher Joachim Gutweiler. Unterm Strich sei das eine "erhebliche Verkehrsbehinderung für Fußgänger und landwirtschaftliche Fahrzeuge", was sich nach Ansicht der Hundheimer mit einer zweiten Anschüttung am jenseitigen Brückenende beheben ließe."Wir werden nicht eher Ruhe geben, bis die Seite angeschüttet ist", versicherte Georg Gröber, der für die CDU zu dem Ortstermin eingeladen hatte. Landtagsabgeordneter Alex Licht versprach ein Gespräch mit dem Trierer Landesbetrieb. Das Problem seien die Finanzen.Die Ausfälle der für den Straßenbau kalkulierten Gelder würden sich samt fehlender Maut-Gebühren allein für Rheinland-Pfalz auf 50 Millionen Euro belaufen. Die Bürger hätten Verständnis für das Strecken des Komplett-Ausbaus. Nicht jedoch für die Gefahr. Er wolle sich dafür einsetzen, dass die Grundfunktion der Brücke hergestellt wird. Ob es damit getan sein wird, ist fraglich. Denn selbst nach der zweiten Anschüttung wird wohl kein Fußgänger, geschweige denn ein Fahrzeug, das Bauwerk passieren. Der Grund: die fehlenden Schutzvorrichten. Und für diese liegen den Firmen bisher ebenso wenig Ausschreibungsunterlagen vor wie für den Straßenbau. Bauunternehmer Siegbert Ott hatte auf jeden Fall nur den Auftrag für das Brückenbauwerk mit einer Anschüttung und nicht für den Straßenbau. "Ich habe meine Leistungen erfüllt - das Brückenbauwerk ist fertig", stellt Ott klar. Zwar sei er zwischenzeitlich mit der zweiten Anschüttung beauftragt. Allerdings gebe es da noch Klärungsbedarf. Die Bürger wollen auf jeden Fall aktiv bleiben. Gutweiler: "Wir werden Initiativen ergreifen." Sogar das Fernsehen wird erwartet. Für den Fall, dass alles nicht fruchtet, weiß ein Bürger Rat: "Dann sperren wir die Hunsrückhöhenstraße!"Sogar das Fernsehen hat sich angesagt

Auch die anderen Morbacher Gemeinderatsfraktionen bleiben nicht untätig. Bereits im Juni hatte die Fraktion der Freien Wähler bei der Gemeindeverwaltung nachgefragt, wann mit der Fertigstellung des Bauwerkes und dem Bau der dritten Fahrspur gerechnet werden könne. Edeltrud Bayer vom Landesbetrieb Straßen und Verkehr habe daraufhin zugesagt, zumindest die Querverbindung fertigzustellen. Und: Der Ausschreibungstext für den Ausbau der dritten Spur werde erstellt, so die Behörden-Chefin. Für den Fraktionsvorsitzenden Achim Zender verrät die Tatsache, dass der Landesbetrieb noch immer in den Ausschreibungsvorbereitungen sei, "wenig Biss in der für unsere Gemeinde wichtigen Angelegenheit".Auch für Karlheinz Schneider (SPD) ist es "völlig unverständlich, dass es an der Brücke nicht weitergeht". Schließlich seien die Probleme mit geringen Mitteln zu beseitigen.