Darauf sind Diebe in Wittlich besonders scharf

Darauf sind Diebe in Wittlich besonders scharf

In der Stadt überraschen Mieter einen Einbrecher, eine Autoscheibe wird eingeschlagen und die Handtasche gestohlen: zwei Fälle von vielen. Im Dienstgebiet der Polizeiinspektion - Stadt Wittlich, Verbandsgemeinde (VG) Wittlich-Land, VG Manderscheid und Teile der VG Kröv - hat die Stadt bei den Delikten eine Sonderstellung.

Wittlich. (sos) Ein hoher Bargeldbetrag verschwindet vorigen Samstag aus einer Wittlicher Metzgerei. Ein Mountainbike mit vierstelligem Wert wird in der Fußgängerzone kurz aus den Augen gelassen und dann gestohlen. Mit einem Phantombild sucht die Polizei einen jungen Mann, der mitten in der Stadt bei einem Wohnungseinbruch überrascht wurde. Die Polizeimeldungen aus Wittlich beunruhigen. Doch von einer Zunahme der Kleinkriminalität könne keine Rede sein, sagt die Polizei.

Beispiel Ladendiebstahl. Rund 120 Fälle listet die Polizei in diesem Jahr in Wittlich in ihrer Statistik auf. "In den letzten Wochen hat das zugenommen. Das ist jahreszeitlich bedingt", sagt Jürgen Riemann von der Polizeiinspektion Wittlich.

Und was ist neben Kleidung ein beliebtes Diebesgut aus dem Geschäft? Rasierklingen! "Bei Ladendiebstählen geht es neben Kosmetika und Zigaretten oft um Rasierklingen. Osteuropäische Banden haben ein Faible dafür", sagt Winfried von Landenberg (Kriminalpolizei Wittlich).

Kosmetik, Zigaretten und Rasierklingen sind beliebt



Die beiden Männer haben den Überblick, was Kleinkriminalität in Wittlich angeht. Ihre Zahlen belegen: Es ist keine Steigerung erkennbar, auch wenn Bürger das anders empfinden.

Beispiel Fahrradklau: Zwölf Anzeigen gibt es seit Januar 2010, im Vergleichzeitraum 2009 waren es 14. Das Gleiche gilt für die Zahlen zu Diebstählen aus Fahrzeugen. Doch wer schlägt am helllichten Tag auf dem Rommelsbachparkplatz die Autoscheibe ein, um eine Tasche zu stehlen?

"Autoeinbrecher haben es in der Regel besonders auf Navigationsgeräte, Radios, Mobiltelefone oder sonstige Wertsachen abgesehen", sagt von Landenberg. Das Entdeckungsrisiko sei relativ gering. "Papiere, Handy, Laptop - so etwas wird dann Hehlern angeboten. Deshalb soll man hellhörig werden, wenn einem etwas besonders preiswert angeboten wird."

Handy plus Bares - darauf sind auch Langfinger in Schwimmbädern aus. Die Saison beginnt gerade: Vier solcher Fälle sind bislang bei der Polizei offiziell gemeldet. Die Dunkelziffer ist hoch. Wenn aber eine Anzeige aus dem Bereich Kleinkriminalität kommt, betrifft sie verhältnismäßig oft die Stadt. Das zeigt die Häufigkeitszahl, die die Einwohnerzahl ins Verhältnis zu den Delikten setzt.

8631 lautet die Häufigkeitszahl für Wittlich nebst Stadtteilen für 2009. Geringer fällt sie mit 5819 für das gesamte Dienstgebiet der PI Wittlich aus. Dazu zählen Stadt Wittlich, VG Wittlich-Land, VG Manderscheid und Teile der VG Kröv.

Harald Licht, Dienststellenleiter der PI, erklärt das Gefälle: "Die Stadt entfaltet für das Umland eine Sogwirkung. Es gibt dort große Arbeitgeber, Behörden, Geschäfte und damit auch wesentlich mehr ,Tatgelegenheiten' als im eher ländlich geprägten Raum."

Zu dieser Aussage passt eine aktuelle auf die Stadt begrenzte Serie von Einbrüchen. Rund 20 Fälle inklusive Einbruchsversuchen gab es in den vergangenen Monaten: nicht in Wohnungen, sondern in Geschäften wie Autohäusern und bei Dienstleistern. Der Sachschaden ist stets groß, die Beute gering: meist kleine Bargeldbeträge. Die Ermittlungen und Überwachungen laufen, mehr verrät die Kripo nicht.

Hinzu kommen die Wohnungseinbrüche. 30 waren es in diesem Jahr bislang, davon 14 tagsüber. Die Täter kommen laut Polizei meist von außerhalb nach dem Motto: "Nachbarn brechen nicht ein".

Unterm Strich ist für Riemann und von Landenberg klar: "Das ist ein provinzielles Kriminalitätsaufkommen. Und bei der Aufklärungsquote sind wir seit Jahren landesweit vorne dabei."

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