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Darf's ein bisschen mehr sein? Diskussion übers Wittlicher Stadtjahrbuch

Darf's ein bisschen mehr sein? Diskussion übers Wittlicher Stadtjahrbuch

Wie die Plakette fürs Revers gehört "Der Säubrenner" zur Kirmes. Er soll umgestaltet werden.

So sieht die Publikation aktuell aus. Das soll sich nach den Wünschen des Schriftleitungs-Duos ändern. Foto: (m_wil )

Der Landkreis hat sein Jahrbuch, die Stadt Wittlich hat "Der Säubrenner". Die Publikation fällt schon optisch auf: aktuell mit einer grafisch reduzierten schwarzen Sau mit typischem Röstmuster. Darüber prangen wie ausgeschnitten weiß hinter rot ein Stadtschlüsselpaar plus ebenfalls rot die Titelschrift und unten drunter der jeweilige Jahrgang. Das Ganze wirkt wie ein Druck und hat die Qualität einer Marke. Mittlerweile ist die Verpackung ein fester Einband, und sowieso hat sich bei aller Tradition viel geändert. Und jetzt darf es noch einmal ein bisschen mehr sein. Die beiden Schriftleiter, Ulrich Jacoby und Albert Klein, wünschen sich eine optische Veränderung des Titels: Ein Foto soll's sein plus naturgemäß die Elemente Titel und Jahrgang. Warum? Das erklärt Albert Klein im Kulturausschuss. Zuvor zeigt er einen Stapel unterschiedlicher "Säubrenner", um zu beweisen: Optischer Wandel gehört seit jeher zur Geschichte dieses Kirmesheftchens, das mittlerweile seit 2006 als Stadtjahrbuch unters Volk gebracht wird.

Es wurde zunächst von der Firma Nels herausgegeben, hatte 1953 bereits einmal ein Foto auf dem Titel, erschien sogar 1955 einmal in Grün und dann seit 1964 mit dem flaggenähnlichen Motiv, das laut Klein Maria Weins-Mehs entworfen hat und das bis heute typisches Merkmal des Titels ist.

"Wir wollen einen festen Rahmen schaffen, der Platz für ein Foto lässt. In diesem Jahr könnte es beispielsweise das Türmchen sein. Ich habe ein paar Entwürfe von Chris Marmann dabei", sagt der Erste Beigeordnete. Er zeigt den Mitgliedern des Kulturausschusses die Favoriten. Oben soll weiterhin "Der Säubrenner" als Titel unter einer Wutz stehen, darunter Platz fürs wechselnde Foto, und statt der Stadtschlüssel hätte man lieber das offizielle Stadtwappen plus naturgemäß die Jahrgangszahl. Einstimmig ist der Kulturausschuss für die gewünschte Änderung.
Ein Hauptanliegen dafür ist laut Albert Klein, eine beabsichtigte bessere Unterscheidbarkeit der Bändchen, die aktuell allein durch die Jahreszahl auf dem Titel gegeben sei: "Jetzt haben wir gedacht, da sagt doch jeder: ,Dat hab' ich ja schon!' Ob da eine 6 oder 7 steht, das ist ja nur eine Ziffer. Auch die Buchhändler sagen, wenn da ein Foto drauf wäre, ließe sich das besser verkaufen."

Das Stadtjahrbuch "Der Säubrenner" ist traditionell im Buchhandel und an den Kirmestagen am Infofenster im Alten Rathaus erhältlich. 2016 hat es 5,50 Euro gekostet.

Die Säubrennerkirmes als größtes Volksfest der Region findet alljährlich am dritten Wochenende im August statt. In diesem Jahr ist das von Freitag, 18. August, bis Montag, 21. August. Bereits erhältlich sind unter anderem im Friseursalon Gerhard Schleidweiler die aktuellen Kirmesplaketten aus Holz. Deren Verkaufserlös wird alljährlich gespendet.KommentarTraditionelle GeschmackssacheDas zur Kirmes erscheinende Büchlein ist ein Unikum. Dass es sich als Publikation gehalten hat, liegt auch am Traditionsbewusstsein der Wittlicher, die sie treu kaufen, verschenken, sammeln. Teilweise war der Inhalt nicht mehr wirklich kaufentscheidend. Der besteht aus dem Grußwort des jeweiligen Bürgermeisters, dem Kirmesprogramm und mittlerweile auch dem Kirmesprotokoll, Beiträgen zu den Fünfzigjährigen, manchmal Auszügen aus dem Wittlicher Wörterbuch, Gedichten, Lokalgeschichten, ein Sammelsurium verschiedener Textqualitäten. Originell ist es besonders, wenn man nach Jahren drin blättert und dem damaligen Zeitgeist, auch in den Werbeanzeigen, wiederbegegnet. Neuerdings gibt es ein Foto auf dem Titel. Das ist auch irgendwie "Zeitgeist". Muss das sein? Geschmacksache! s.suennen@volksfreund.de