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Stadtplanung: Darf’s ein bisschen mehr sein?

Stadtplanung : Darf’s ein bisschen mehr sein?

140.000 Euro soll die geplante Toilettenanlage am Rommelsbach-Parkplatz kosten. Doch ist das überhaupt der volle Preis für Kauf, Lieferung, Aufbau und alle anderen Baumaßnahmen? Und was halten die Wittlicher davon?

Hitzige Debatte in der vergangenen Sitzung des Wittlicher Bauausschusses: Man wurde sich nicht ganz einig über die Anschaffung und den Bau einer Toilettenanlage am Rommelsbach-Parkplatz. Überflüssiger Luxus oder notwendiger Standard? Der Klostein des Anstoßes: der Preis. 140.000 Euro sollen in die Toilettenanlage gespült werden. Hieß es zumindest im Bauausschuss (der TV berichtete). Das sind jedoch lediglich die Anschaffungs- und Baukosten für die Toilettenanlage – das Verlegen von Abwasser- und Stromleitungen nicht eingerechnet, ebenso wenig wie das Ausheben und Pflastern des Bodens. Wird die öffentliche Toilette also noch viel teurer als angenommen?

Rainer Stöckicht von der Stadtverwaltung Wittlich erklärt: „Die Anlieferung und der Aufbau der WC-Anlage ist im Preis inbegriffen.“ Zusätzlich zu den 140.000 Euro Vergabesumme fallen 7000 Euro für die Herstellung der Beton-Bodenplatten an. Alle anderen Baukosten seien bereits durch das Projekt „Stadt am Fluss“ abgedeckt. „Die erforderlichen Leitungen waren vorhanden, beziehungsweise wurden im Zuge des Projekts mitverlegt.“ Denn eine WC-Anlage am neugestalteten Platz an der Lieser sei ohnehin von Anfang an mit eingeplant gewesen. Insbesondere eine behindertengerechte Toilette habe man „mehrfach dem Beirat für behinderte Menschen als Ersatz für die weggefallende Toilette auf dem Schlossplatz zugesagt“. Die neue Toilette soll auf der rechten Lieserseite neben dem Mauerdenkmal und der Schrebergartenanlage stehen.

Und die Pflasterung? „Die Fläche hätte ohnehin nach Abschluss der Maßnahme ‚Stadt am Fluss‘ wieder hergestellt werden müssen“, sagt Stöckicht. „Es ist beabsichtigt, dies mit einer wassergebundenen Decke zu tun.“

Umstritten ist die öffentliche Toilette dennoch. Auch nach einer langen Diskussion stimmte im Bauausschuss zwar eine Mehrheit für die Anschaffung, aber nicht alle  Mitglieder waren einverstanden mit dem Preis. Allerdings war die Auswahl auch nicht groß. Auf die Ausschreibung der Anlage meldete sich lediglich die Firma Hering mit einem Angebot: 140 000 Euro für 18 Quadratmeter, zwei Räume, eine Behindertentoilette, eine reguläre Toilette, ein Urinal, einen Wickeltisch.

Nicht nur im Bauausschuss wurde diskutiert. Auch die Bürger sind nicht alle froh über Preis und Lage der Toilette (siehe Umfrage). Hans Jörg Krames aus Wittlich schreibt in einem Leserbrief: „Es gibt eine Alternative. Sie lautet: Verzicht auf dieses Objekt!“ Er weist darauf hin, dass sich vor einiger Zeit verschiedene Gaststätten ganz in der Nähe an der Aktion „Nette Toilette“ beteiligten und ihre Toiletten auch für Nicht-Kunden kostenlos zur Verfügung stellten. Auch in Facebook-Kommentaren zeigen sich die TV-Leser verständnislos: „Fern jeglicher Realität“, schreibt einer, „völlig unnötig“ ein anderer. Aber es gibt auch Kommentatoren, die der Meinung sind, dass eine öffentliche Toilette in der Stadt „lange überfällig“ sei. Sie machen sich lediglich Sorgen, dass sie Opfer von Vandalismus wird.

Um dem vorzubeugen, sowie um die Anlage hygienisch und in Schuss zu halten, muss noch etwas mehr Geld fließen. Stöckicht erklärt: „Überwachung, Störungsbeseitigung und Wartung sowie die tägliche Reinigung werden bei einer Zweiraumanlage etwa 2000 Euro im Monat kosten.“