Darum heißt der Balkan Balkan

Wer ist Jakob Maria Mierscheid? Warum gibt es in der Mark Thalfang so wenige Kirchen? Viele Dinge sind zwar bekannt, ihr Ursprung ist aber oft ungewiss. Der TV beantwortet Fragen rund um den Hunsrück.

Morbach/Thalfang. In Morbach weiß jeder, dass ein Balkanese aus Hoxel, Morscheid-Riedenburg oder Wolzburg stammt. In Thalfang fahren viele aus den umliegenden Gemeinden nach Thalfang zur Kirche, weil in ihrem Ort nie eine gebaut wurde.
Solche Dinge gehören im Leben der Hunsrücker zum Alltag. Doch was steckt dahinter? Ein paar Antworten:

Warum heißt der Balkan Balkan?
Mit dem Balkan sind die Dörfer Hoxel, Morscheid-Riedenburg und Wolzburg der Einheitsgemeinde Morbach gemeint. Wo der Name herkommt, ist laut Erwin Schrenk, Ortsvorsteher von Morscheid-Riedenburg, nicht komplett geklärt.
Wahrscheinlich stammt er aus dem Zweiten Weltkrieg, als Soldaten von Jugoslawien an die Westfront verlegt wurden und im Winter einige Wochen in diesen Dörfern Station machten. Bei Kälte, Schnee und Eis im Hunsrück sollen diese gesagt haben: "Hier ist es wie auf dem Balkan." Schrenk: "Früher war es ein Schimpfwort, heute gilt es eher als Kosewort."

Wer ist Jakob Maria Mierscheid?
Jakob Maria Mierscheid ist ein fiktiver Morbacher Abgeordneter im Deutschen Bundestag. Das Phantom wurde 1979 von SPD-Abgeordneten erfunden und erinnert als Hinterbänkler des Bundestags die Abgeordneten von Zeit zu Zeit an das wahre Leben. Mierscheid ist demnach 1933 geboren, verheiratet, Vater von vier Kindern und von Beruf Schneider.
Laut Homepage des Bundestags - wo er als Abgeordneter auftaucht - ist er Mitglied im Morbacher Kleintierzüchterverein, Ehrenkommandant der Morbacher Freiwilligen Feuerwehr und Mitglied der Turnfreunde Morbach sowie weiterer Vereine und Verbände.
In einer Selbstbeschreibung auf dem Webserver des Bundestags hieß es: "Ich bin weder eine Erfindung noch ein Patent; ich bin die Lösung." Hervorgetan hat der Politiker sich mit dem Mierscheid-Gesetz. Es stellt eine satirische Verbindung her zwischen dem prozentualen Stimmenanteil der SPD bei Bundestagswahlen und der deutschen Rohstahlproduktion. Witzigerweise ist das Gesetz teilweise recht genau: 2002 betrug die deutsche Rohstahlproduktion 38,6 Millionen Tonnen und der Stimmenanteil der SPD bei der Bundestagswahl 38,5 Prozent.
Franz Müntefering als ehemaliger Fraktionsvorsitzender der SPD mahnte Mierscheid einst ab, nachdem dieser den Namen der ehemaligen Gesundheitsministerin Ulla Schmidt als Unwort des Jahres vorschlug. Mierscheid ist nach wie vor aktiv. Er hat eine eigene Seite bei Facebook und twittert.

Warum befindet sich das Hunsrückhaus am Erbeskopf laut Postadresse in Deuselbach, obwohl es sich ja tatsächlich auf Hilscheider Gebiet befindet?
Dies hat die Post bei der Einteilung der Postzustellbezirke so festgelegt. Da der Erbeskopf näher an Deuselbach als an Hilscheid liegt, erleichtert es die Postzustellung zum Hunsrückhaus.

Warum gibt es in der Mark Thalfang nicht in jedem Dorf eine Kirche?
Um 1200 wurde die katholische St.-Matthäus-Kirche, die heutige evangelische Kirche, als Gotteshaus für die Mark Thalfang gebaut. 1564 hat Rhein- und Wildgraf Otto die Mark, eine der ältesten geschlossenen Rechtseinheiten des Trierer Landes aus zwölf Ortsgemeinden der VG Thalfang, reformiert. Die katholische Kirche wurde als Simultankirche von katholischen und evangelischen Christen gemeinsam genutzt.
Nach mehreren Versuchen wurde im Jahr 1853 die katholische Gemeinde in der Mark neu gegründet und 1900 die jetzige katholische Kirche als Mittelpunktkirche neu gebaut. Lediglich in Deuselbach wurde im vergangenen Jahrhundert Mitte der 50er Jahre eine zusätzliche Kirche gebaut. Allerdings hat jeder Ort in der Mark einen Glockenturm, mit dem Morgen, Mittag und Abend eingeläutet oder Sterbefälle und weitere Ereignisse bekanntgemacht werden konnten.

Was ist ein Dilldapp?
Ein Dilldapp ist ein Fabelwesen, das rund um den Erbeskopf lebt und sehr scheu ist. Der Morbacher Karnevalsverein hat sich nach ihm benannt. Dargestellt wird der Dilldapp als ziegenartiges Tier mit Hörnern und einem dreigeteilten Schweif.

Woher stammt die Endung "rath" bei zahlreichen Hunsrücker Ortsnamen?
Egal, ob Horath, Elzerath, Rorodt oder abgekürzt Gielert oder Etgert: Die Endungen der Ortsnamen weisen auf eine Waldrodung bei der Ortsgründung hin. Ähnliche Bezeichnungen gibt es auch in anderen deutschen Gegenden, beispielsweise "rode" (Beispiel: Osterode) im Harz, "roda" (Zeulenroda) in Thüringen oder "reuth" (Bayreuth) in Bayern.
Fragen auch Sie sich manchmal, warum Dinge so sind, wie sie sind, warum sie so heißen oder warum ein Problem noch nicht gelöst ist?
Mailen Sie uns Ihre Fragen und Ideen mit Adressangabe an hunsrueck@volksfreund.de. Der Trierische Volksfreund wird der Sache nachgehen.