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Das Bernkast’ler Fenster bekommt Zuwachs und es zieht im nächsten Jahr um

Stadtentwicklung : Das Bernkast’ler Fenster bekommt Zuwachs und es zieht im nächsten Jahr um

Das Bernkast’ler Fenster bekommt Zuwachs, und es zieht Anfang 2021 an einen besonderen Ort. Damit verbunden ist auch die Hoffnung auf die Wiederansiedelung einer Buchhandlung.

Die Stadt Bernkastel-Kues ohne Buchhandlung: Für viele Menschen vor Ort und in der Region war dies schlichtweg unvorstellbar. Die Buchhandlung Engel im Herzen der Altstadt stand jahrzehntelang für Vielfalt, Kompetenz und Kundennähe. Die Schließung stand trotzdem schon über längere Zeit im Raum. Im Februar 2020 wurde sie vollzogen. Mit ihr gingen auch Mitarbeiterinnen, die vielen Kunden ans Herz gewachsen waren.

Eine von ihnen, Petra Görtz, hätte den Betrieb, in dem sie 23 Jahre tätig war, gerne weitergeführt. Doch die Träume zerschlugen sich. Seither stehen die beiden Etagen mit mehr als 200 Quadratmetern Fläche leer.

Die gelernte Buchhändlerin übernahm ein Geschäft in Cochem. Die Verbindung nach Bernkastel-Kues aber blieb. Wer Bücher will, kann sie weiter bei Petra Görtz bestellen und in einem Café in der Stadt abholen. Manchen Kunden liefert sie die Bücher auch ins Haus.

In wenigen Tagen, am Samstag, 1. August, wird die Präsenz noch etwas stärker. Eine kleine Auswahl ihrer Bücher, unter anderem Wein- und Heimatliteratur sowie Romane, ist ab dann im Bernkast’ler Fenster, dem nach eigenen Angaben kleinsten Erlebniskaufhaus Deutschlands, zu haben. Es können aber auch Bücher bestellt werden.

Das Bernkast’ler Geschäft gibt es seit 15 Jahren. Es entstand um einen Leerstand am Bärenbrunnen zu kaschieren. Um die zehn bis zwölf Geschäfte (Mode, Haushaltsartikel, Parfüm etc.) stellten dort ein kleines Sortiment ihrer Waren bereit. Anfangs nur zum Anschauen. „Doch immer mehr Leute fragten, warum man dort nicht auch einkaufen könnte“, erinnert sich Viktor Hees, Vorsitzender der Entwicklungsagentur Bernkastel-Kues.

Sie hat es sich zur Aufgabe gemacht, neue Ideen für die Stadt zu entwickeln und bei Leerständen tätig zu werden. Deshalb wurde auch die Idee des Einkaufens umgesetzt.

Die Entwicklungsagentur ist für die Organisation und Abwicklung zuständig. Die im Fenster tätigen Geschäftsleute, sind für das Sortiment verantwortlich, zahlen die Miete und die Angestellten (derzeit vier). „Sie ergänzen sich, und das trägt sich“, sagen Hees und Bianca Waters, die Geschäftsführerin der Entwicklungsagentur. Vor ein paar Jahren zog das Fenster in ein Geschäftshaus am Gestade.

Nach der Schließung der Buchhandlung Engel blieb der Kontakt zwischen Entwicklungsagentur und Petra Görtz. Als beide über eine Zusammenarbeit nachdachten, wurden schnell Nägel mit Köpfen gemacht. Petra Görtz ist ab Samstag das aktuell achte Geschäft im Bernkast’ler Fenster. „Mein Herz hängt immer noch an der Stadt“, benennt sie einen der Gründe.

Und es kommt noch besser. Anfang 2021 zieht das Fenster um: in die ehemalige Buchhandlung Engel. Hintergrund: In dem großen Gebäude am Marktplatz soll der Leerstand kein Dauerzustand werden. Dort sind mehr Menschen unterwegs als in dem Teil des Gestades wo jetzt verkauft wird. Und es gibt es auch mehr Platz.

„Gemeinsam mit dem Besitzer suchen wir nach einer Folgenutzung für den Laden am Gestade“, sagt Bianca Waters. Im Gespräch ist unter anderem ein Geschäft für Braut- und Trachtenmode.

Mit der Buchauswahl kehrt ein Teil von Petra Görtz nach Bernkastel-Kues zurück. Folgt eventuell auch wieder eine ganze Buchhandlung? Ausschließen will sie das nicht. „Es gibt aber noch keine konkreten Pläne“, sagt sie.