Das Café Heimat nimmt Formen an

Auch Morbach bekommt seine Weltpremiere in Sachen Edgar Reitz: Der Dokumentar-Film zur Entstehung von "Die andere Heimat" wird dort erstmals gezeigt. Der Gemeinderat hat Mehrausgaben für einen behindertengerechten Zugang sowie für eine Terrasse für das Café Heimat zugestimmt.

Morbach. Für Andreas Hackethal ist das Café Heimat ein Thema, in dem viel Leidenschaft drinsteckt. Und mit eben solcher verkündete der Bürgermeister die Neuigkeiten rund um dieses Thema: "Die Idee ist, den Film "Die andere Heimat" in Simmern zu zeigen. Doch die Hintergrund-Informationen und die Presseanlaufstelle, die gibt es dann in Morbach."
Doch nicht nur das. Morbach ist laut Hackethal auch Gastgeber für eine Weltpremiere: Der Dokumentarfilm zur Entstehung des neuesten Heimat-Streifens soll im Hunsrückort erstmals gezeigt werden. Das Werk der Filmproduktionsgesellschaft "if... Productions" wirft einen Blick hinter die Kulissen und heißt: "Making of Heimat".
Hackethal sieht eine große Chance darin, dass Morbach Begriffe wie Heimat, Hunsrück und Edgar Reitz weit über die Grenzen des eigenen Gebiets hinaus besetzt. Dies biete gute Möglichkeiten der Identifikation, sagte der Verwaltungschef und präsentierte weitere Neuigkeiten zum geplanten Café Heimat.
Er berichtete, dass die Sparkasse als neuer Partner für das Projekt gewonnen wurde. Reitz, der in das Café sehr viel Herzblut einbringe und bereits einige Male zur Abstimmung vor Ort gewesen sei, habe dem Bankvorstand mit Verve die Ideen vorgetragen. Daraufhin habe sich der Vorstand entschieden, die 35 000 Euro für die Ausstellungsvitrinen im Café zu zahlen und darüber hinaus langfristig die Organisation der Wechselausstellungen zu unterstützen. In diesen Schauen soll das Thema Heimat von verschiedenen Seiten, beispielsweise auch von regionalen Künstlern, aufgegriffen werden.
Drehbücher werden ausgestellt


Grafikdesigner Stephan Zanders erläuterte in der Ratssitzung, was in Reitzens Elternhaus sonst noch geplant ist. So sollen die Original-Drehbücher und die Schreibmaschine, auf denen Edgar Reitz die Bücher geschrieben hat, gezeigt werden. Großformatige Bilder mit Filmszenen zieren die Wände. Filmvorführungen per Beamer sind auf einer Leinwand möglich. Viele kleinere Fotos zeigen die Heimat-Darsteller. Kostüme und andere Requisiten werden im oberen Stockwerk in einem schwarzen Raum in beleuchteten Vitrinen ausgestellt. In einer Lounge mit bequemen Sesseln können Interessierte Bildbände zu Reitz-Filmen durchblättern.
In dem Café im Erdgeschoss finden 20 Besucher Platz. Weitere 25 Gäste können auf einer Terrasse sitzen, die - wenn man vor dem Gebäude steht - links daneben entstehen soll.
Die Terrasse ist erhöht geplant. Sie soll auf 60 Zentimeter hohe Stelzen gesetzt werden. Diese Pläne erläuterten Vertreter des Morbacher Ingenieurbüros Jakobs-Fuchs.
Sie zeigten Entwürfe für eine Rampe und eine neue Treppe, die die bestehende Außentreppe ersetzen könnten. Hintergrund: Der Aufgang muss ohnehin saniert werden und die Verwaltung wünscht einen barrierefreien Zugang. Im Erdgeschoss soll zudem ein Behinderten-WC entstehen.
Morbach muss mehr zahlen


So weit die Planung. Die Zahlen dazu sprechen eine klare Sprache. Rampe und Terrasse verursachen zusammen mit anderen unvorhersehbaren und zusätzlichen Arbeiten Mehrkosten. 190 000 Euro waren ursprünglich im Haushalt für den Umbau des Cafés Heimat eingestellt. Nun steigen die Kosten auf 246 000 Euro. Auf der anderen Seite steigen zwar auch die Fördermittel. Doch unterm Strich muss Morbach trotzdem mehr aufwenden als vorher.
Die Gemeinde hat nun 138 000 Euro zu zahlen, vorher waren es 102 000 Euro. Dies stieß im Rat auf generelle Kritik (siehe unten). Dennoch stimmte eine Mehrheit für die neue Planung samt Finanzierung. Allerdings wurde die Verwaltung beauftragt zu prüfen, ob Barrierefreiheit auch für das obere Geschoss ermöglicht werden kann. Die Entscheidung fiel mit 17 Ja-, zwei Neinstimmen und sechs Enthaltungen.Extra

Das sagen Ratsmitglieder zu den Neuigkeiten in punkto Café Heimat: Achim Zender(FWM) lobte Bürgermeister Andreas Hackethal einerseits überschwenglich. Er engagiere sich enorm und es sei sein Verdienst, dass die Sparkasse als Partner eingestiegen sei. Das Haus werde zum Leben erweckt, das sei eine wunderbare Sache. Andererseits übte Zender grundsätzliche Kritik. "Wir sind immer noch der Meinung, dass die Gemeinde die Trägerschaft für das Café Heimat nie hätte übernehmen dürfen." Er bedauerte, dass die Barrierefreiheit nicht bis zum Obergeschoss ermöglicht werden konnte und wünschte sich eine Vertragsverlängerung mit der Edgar-Reitz-Filmstiftung, die der Gemeinde das Gebäude zwölf Jahre pachtfrei überlassen hat. Auch Hermann-Josef Decker(SPD) lobte den Verwaltungschef und sein großes Engagement. Dennoch äußerte auch er sich generell skeptisch. "Das Haus war von Anfang an ein Rei(t)z- Thema. Wir sind immer noch der Meinung, dass die Gemeinde nicht unternehmerisch hätte tätig werden sollen." Decker monierte vehement die fehlende Barrierefreiheit für die obere Etage und forderte Nachbesserungen. Jürgen Jakobs (CDU) stellte klar, dass die zweite Etage nicht absichtlich barrierefrei geplant sei. Dies habe sich auch daraus ergeben, dass durch weitere Eingriffe am Gebäude der Bestandsschutz verspielt werde. In diesem Fall müssten dann höhere Brandschutzanforderungen erfüllt werden. Jakobs sprach sich dennoch dafür aus, die Sache noch mal zu prüfen. Er erinnerte aber auch daran, dass das Haus mit einer Grundfläche von 7,5 mal elf Metern recht klein sei und ergänzte: "Wir wollen das Elternhaus von Edgar Reitz erhalten, nicht ein neues Haus bauen." mai