Das Christkind in der Manege

Heiligabend zu Hause im Wohnzimmer unterm Weihnachtsbaum - so feiern die meisten Menschen hierzulande das Fest der Freude, des Friedens und der Geschenke. Die Männer, Frauen und Kinder vom Zirkus Althoff, der zurzeit in Wittlich gastiert, müssen über die Festtage viel arbeiten. Zeit für ein paar besinnliche Stunden in einer großen Gemeinschaft bleibt dennoch.

Wittlich. Ramona Fischer sitzt in ihrem kleinen beengten Wohnwagen und muss einen Moment überlegen. Wo waren wir eigentlich im vergangenen Jahr über Weihnachten? Dann fällt es ihr wieder ein: ach ja, in Paderborn und davor in Düsseldorf. Alle zwei, drei Wochen zieht der Tross mit einem Dutzend Wohnwagen, großen Tiertransportern und weiteren schweren Lastwagen weiter in die nächste Stadt.
Das große Zirkuszelt für 1500 Besucher steht jetzt im Vitelliuspark Wittlich. 46 Menschen, acht Tiger, fünf Löwen, 20 Pferde, ein Dutzend Ziegen und andere Tiere gehören zum Zirkus René und Patrizia Althoff, einem Zweig der berühmten Althoff-Familie.
Gestern war die erste Vorstellung, heute Mittag folgt die nächste um 14 Uhr. Und auch über die Weihnachtsfeiertage wird hart gearbeitet: Akrobaten, Dompteure, Zauberer und Clowns zeigen ihr Können. Bleibt da überhaupt noch Zeit für besinnliche Stunden - zumindest an Heiligabend?
Ramona Fischer (24) sagt: "Auch wir feiern, vielleicht ein bisschen anders. Aber es sind immer sehr schöne Stunden in einer großen Gemeinschaft."
Wenn an Heiligabend kurz nach 16 Uhr die Besucher das Festzelt verlassen, wenn die Tiere versorgt, die vielen Utensilien verstaut sind, sich die Artisten umgezogen haben, treffen sich alle im weihnachtlich geschmückten Zelt. Kerzen brennen, der große Christbaum leuchtet, und nach und nach stellen die Frauen Speisen und Getränke auf die Tische. Drei, vier gebratene Puten werden gereicht, ebenso ganz traditionell Würstchen mit Kartoffelsalat.
Jeder packt mit an


Sechs Familien mit neun kleinen Kindern feiern zusammen. Weihnachtslieder erklingen, der ein oder andere liest seinen Kindern die Weihnachtsgeschichte vor. Wenn alle satt sind, kommt der Weihnachtsmann. In einem großen Sack hat er Geschenke für die Kinder dabei, zumeist kleine Sachen, die genauso Freude bereiten wie teure Elektronikgeräte.
Ramonas ältester Bruder Michael, der Löwendompteur, kommt mit seiner neunköpfigen Familie, ebenso der jüngere Bruder Dominik, der kurz zuvor noch die Tiger gebändigt hat. Alle haben eine Funktion im Zirkus. Die erst elfjährige Madeleine hängt während einer Vorstellung in einem Halbmond und zeigt akrobatische Übungen.
Margit Schiessl ist in ihrer Großfamilie für den Haushalt und das Essen zuständig. Die 43-Jährige ist eine der wenigen, die nicht als Zirkuskind aufgewachsen sind. Seit 23 Jahren zieht sie mit den Althoff-Leuten durch Deutschland. Das Nomadenleben ist für sie längst Normalität, dazu gehört auch das etwas andere Weihnachtsfest jedes Jahr an einem anderen Ort. Was ihr besonders gefällt, ist, den Heiligabend in einer großen Gemeinschaft zu erleben. Ihr Wohnzimmer auf Rädern hat sie wie die anderen Zirkusfamilien mit einem Weihnachtsbäumchen geschmückt.
Ausschlafen am ersten und zweiten Weihnachtstag - das gibt es für die meisten nicht. Um 6 Uhr beginnt ein arbeitsreicher Tag mit jeweils einer Vorstellung. In der Frühe müssen die Tiere gefüttert werden, allein die 13 Raubtiere vertilgen vier bis fünf Zentner Fleisch.
Ramona Fischer kann sich kein anderes als das unstete Zirkusleben vorstellen. Sie sagt: "Ein Häuschen mit Garten, nein, das ist nichts für mich."
Vorstellungen: Der Zirkus Althoff gibt in Wittlich Vorstellungen an Heiligabend, 14 Uhr, am ersten und zweiten Weihnachtstag jeweils um 15 Uhr, von Donnerstag, 27. Dezember bis Sonntag, 30. Dezember, jeden Tag um 15 und 18 Uhr, am 31. Dezember eine große Silvestervorstellung um 21 Uhr und am 1. Januar um 15 Uhr.
Die Karten kosten je nach Kategorie für Erwachsene 9 bis 25 Euro, für Kinder 7 bis 20 Euro. Kartenvorbestellungen: Telefon 0177/846323.