Das Dorf ist schöner, aber nur wenige haben angepackt

Das Dorf ist schöner, aber nur wenige haben angepackt

Beate Stoff hat im Gusenburger Gemeinderat die Erfolge ihrer zweijährigen Dorfmoderation präsentiert. Dabei fand die Moderatorin auch kritische Worte zur Beteiligung der Bürger und gab den Ratsmitgliedern Ratschläge, wie sie das Begonnene fortführen könnten. Eine Anregung befolgte das Gremium gleich in der Sitzung.

Gusenburg. "Wir haben richtig viel geschafft", urteilt Beate Stoff nach zwei Jahren Dorfmoderation in Gusenburg. Die Moderatorin stellte im Gemeinderat ihren Abschlussbericht vor. Dabei sparte sie nicht mit Lob für das gemeinsam Erreichte, machte aber auch ein paar kritischen Anmerkungen. Zunächst standen jedoch die Erfolge der zweijährigen Arbeit im Vordergrund. Stoff erinnerte an viele Projekte, die von den Bürgern in drei Arbeitsgemeinschaften entwickelt und umgesetzt wurden. Als Beispiele nannte sie die Erstellung und Aktualisierung eines Leerstände-Katasters, das von Schülern mitgestaltete Dorfbrunnen-Umfeld, das Herrichten der Obstbäume-Allee und die Neugestaltung des Spielplatzes an der Kreuzstraße. Zudem hätten sich Gruppen "in Eigenorganisation" gebildet, die die Pflege alter Wegkreuze übernehmen wollten. Und das angeregte Sonntagscafé starte im November, kündigte Stoff an.Die Beteiligten seien aber auch "an Grenzen gestoßen", etwa beim Aufbau eines nachbarschaftlichen Hilfe-Netzwerks. "Das ist einfach daran gescheitert, dass wir keinen Bedarf ermitteln konnten." Das Potenzial der alten Nagelschmiede sei "weiter ungenutzt" und das Konzept für einen Kulturwanderweg zwar vorhanden, aber von einer Umsetzung weit entfernt. Stoff bemängelte die "verhaltene Beteiligung" der Ratsmitglieder, aber auch der Dorfbewohner. Veranstaltungen seien "wenig besucht" gewesen. "Es waren oft dieselben, die angepackt haben." "Offene Enden" aufgreifen

Der Ortsgemeinde empfahl Stoff, die "noch offenen Enden" aufzugreifen und dafür zum Beispiel einen Beirat zu gründen, der offen für hilfsbereite Bürger sein sollte. Ortsbürgermeister Josef Barthen (FWG) versicherte, dass man diese Idee in den Gremien diskutieren werde. Thomas Köhl (Bürger für Gusenburg, BfG) betonte, die Dorfmoderation sei "eine große Chance". Wie man die Ideen weiterführe, müsse erst geklärt werden: "Hauptsache ist, dass es weitergeht." Ein Zuhörer mahnte, dass man künftig die freiwilligen Helfer mehr unterstützen müsse, beispielsweise bei der Materialbeschaffung für Arbeiten im Ort.Eine Empfehlung Stoffs wurde später in der Sitzung sogleich befolgt. Sie hatte angeregt, die Innenentwicklung im Ort der Schaffung neuer Baugebiete "auf der grünen Wiese" vorzuziehen. Der Rat entschied mit sieben Nein-stimmen (sechs Jastimmen, eine Enthaltung), dass vorerst in Gusenburg kein neues Bauland geschaffen werden soll. Die FWG hatte beantragt, Vorprüfungen für ein Neubaugebiet hinter dem Kindergarten im Bereich Brunnenstraße zu beauftragen. "Es sind mehrere Bauwillige an uns herangetreten, die aber nicht in den Ortskern wollen", begründete Erwin Weber den Vorschlag. "Wenn wir denen nichts anbieten, sind sie weg." Es gehe um ein "überschaubares Gebiet" mit etwa zwölf Bauplätzen, ergänzte Marco Weber. Der Ort würde so "eine Abrundung erfahren", sagte Barthen, die Realisierung dauere drei bis fünf Jahre. "Wir sollten das jetzt abklären." Auch Michael Hülpes, Bürgermeister der Verbandsgemeinde Hermeskeil, plädierte für eine Prüfung, "damit Gusenburg für Familien von außerhalb attraktiv" bleibe. Diese wollten häufig nicht in die alte Ortslage. Die Vermarktung innerorts habe zwar Vorrang, aber man könne auch "das eine tun und das andere gleichzeitig nicht lassen". Die Mehrheit der Ratsmitglieder folgte der Argumentation von BfG und CDU. Es stünden aktuell zwölf Parzellen im Ort zum Verkauf, erklärte Thomas Köhl (BfG). Er sehe daher "keinen zwingenden Handlungsbedarf". Josef Paulus (CDU) sagte, der Schwerpunkt müsse jetzt auf der Ausweisung des Sanierungsgebiets liegen. cwebMeinung

Ein Beirat wäre eine gute IdeeDie Gusenburger haben gemeinsam mit ihrer Dorfmoderatorin Beate Stoff einige gelungene Projekte umgesetzt und viele weitere gute Ideen entwickelt. Es wäre schade, wenn diese Ansätze in den nächsten Jahren nicht mehr weiter verfolgt und irgendwann im Sande verlaufen würden. Die Einrichtung eines Beirats, der die Dorfentwicklung im Blick behält, bei Stagnation neue Impulse setzen kann und über die Einbindung der Dorfbewohner auch neue Mitstreiter gewinnen könnte, ist deshalb eine sehr gute Option. Der Beirat könnte zudem dabei helfen, auch die kritischen Anmerkungen der Moderatorin und einiger Helfer im Auge zu behalten. Durch eine enge Anbindung des Gremiums an die Ortsgemeinde und die Teilnahme des ein oder anderen Ratsmitglieds wäre zu gewährleisten, dass engagierte ehrenamtliche Helfer auch die entsprechende Unterstützung erhalten und ihre Motivation nicht verlieren. c.weber@volksfreund.de

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