Das Ehrenmobil dreht seine Runden

Der Arzt ist erst in der nächsten Stadt erreichbar, ein Auto ist nicht vorhanden. In vielen Dörfern ist das vor allem für ältere Menschen ein Problem. In Reil haben Rafael Koch und Ruth Klink die Initiative ergriffen und vor zweieinhalb Jahren einen ehrenamtlichen Fahrdienst ins Leben gerufen.

Reil. Die Zahl der Ärzte auf dem Land geht zurück. Die Doktoren kommen nicht mehr zu den Patienten. Die Menschen müssen zu den Ärzten meist in die nächstgelegenen Städte fahren. Wer kein Auto hat und sich kein Taxi leisten kann, hat oft ein Problem.
In Reil haben Rafael Koch und Ruth Klink etwas dagegen getan und das Projekt Ehrenmobil gestartet. Das ist ein Fahrdienst von mehreren freiwilligen Helfern, der zentral organisiert wird.Gruppe aus 18 Freiwilligen


"Angefangen hat es mit der Dorfmoderation", erzählen die beiden. Dabei wurde hinterfragt, was gut ist im Dorf und wo etwas getan werden kann. Koch und Klink fanden sich in einer Gruppe wieder, die sich mit den Belangen älterer Menschen beschäftigte.
Von den ursprünglich acht Mitgliedern des Arbeitskreises sind sie die Einzigen, die dabei geblieben sind. Es wurden Fragebögen verteilt, um Bedarf und Möglichkeiten auszuloten. Ein Fahrdienst wurde nur unter dem Punkt "Weitere Ideen" erwähnt. Aber Klink und Koch haben sich mit dem Thema beschäftigt und Menschen angesprochen, die als Fahrer in Frage kommen. Und sie hatten Erfolg. Aus zehn Fahrern zu Beginn des Projekts im April 2012 ist mittlerweile eine Gruppe von 18 Freiwilligen im Alter von 50 bis knapp 80 Jahren geworden, die je nach Bedarf Fahrten zu Ärzten nach Traben-Trarbach, Zell oder Wittlich übernehmen, aber auch in andere Städte fahren.
Vorbild war dabei das bereits seit mehreren Jahren in ähnlicher Form arbeitende Wintricher Netz. Hier fanden sie Hilfe in Form von Tipps und nützlichen Informationen, wie ein solcher Fahrdienst organisiert werden kann. Mittlerweile sind alle Fahrer über die Ortsgemeinde versichert, sagt Koch. 30 Euro pro Fahrzeug und Jahr kostet das die Gemeinde. Wer den Fahrdienst in Anspruch nehmen will, muss eine Handynummer wählen. Klink oder Koch sehen dann in ihrer Liste nach, welcher der Fahrer die Tour übernehmen kann. Dabei achten sie darauf, dass die Belastung für alle möglichst gleich ist. Hat einer eine längere Tour übernommen, wird er zunächst einmal entlastet und andere springen ein. Insgesamt sind im vergangenen Jahr 3000 Kilometer gefahren worden. Der Dienst wird dabei nicht ausschließlich von älteren Menschen in Anspruch genommen. Auch jüngere Leute, bei denen nur ein Auto vorhanden ist, oder Patienten, die aufgrund ihrer Erkrankung vorübergehend fahruntüchtig sind, können profitieren.
Auch bei den Ärzten kommt das Projekt gut an. "Ich rühre dafür auch die Werbetrommel", sagt Arzt Martin Dirnecker aus Traben-Trarbach. Er versucht, die Termine so zu organisieren, dass die freiwilligen Fahrer nicht allzu lange in der Praxis warten müssen.
Dirnecker wünscht sich, dass auch in anderen Orten, ein solches Modell entsteht. "Ich finde, dass das ein Leuchtturmprojekt ist", sagt der Arzt. Auf anderen Gebieten hält er solche Initiativen auch in Kleinem für sinnvoll. Beispielsweise könnten sich alleinstehende Menschen zusammentun und reihum gemeinsam kochen und essen.
Dass das nicht immer einfach ist, weiß Ruth Klink. "Es ist schwierig, die Menschen aus der Isolation zu holen", ist ihre Erfahrung. Deshalb setzen sie und Koch sich auch auf anderen Gebieten für Senioren ein. Zum Beispiel gibt es den "Maije Nachmittag". Einmal im Monat treffen sich ältere Menschen im Reiler Rathaus, um zu reden, zu spielen und gemeinsam Zeit zu verbringen. Derzeit streben die heiden Organisatoren eine Ausbildung zum Seniorentrainer an. Das ist ein Programm vom Land Rheinland-Pfalz, bei dem Menschen ausgebildet werden, um solche Projekte voranzutreiben.Meinung

Gemeinsam geht es besser
Der demografische Wandel stellt die Menschen vor allem in kleineren Ortschaften vor besondere Herausforderungen. Die Zahl der Landärzte geht zurück, der öffentliche Nahverkehr ist häufig nicht ausreichend. Es müssen neue Ideen her. Das Reiler Projekt und auch der Verein Wintricher Netz sind dafür gute Beispiele. Möglichkeiten gibt es viele, aber es müssen Menschen da sein, die nicht nur auf die Politik warten oder darauf, dass irgendjemand anfängt. Jeder kann dazu beitragen und wenn auch nur in kleinen Schritten. Auch die älteren sind gefragt, auf andere zuzugehen, und zu sehen, was man gemeinsam tun kann. Und wenn es nur der Schwatz am Nachmittag oder gemeinsam zubereitete Mahlzeiten sind. Gemeinsam geht es besser, als nur alleine in den eigenen vier Wänden auf Hilfe zu warten. mosel@volksfreund.de