Das Ende einer Sackgasse

Wenn eine Straße in der Vergangenheit für Wallung in der Stadtpolitik gesorgt hat, dann ist es die Neustraße. Derzeit ist sie verkehrsberuhigte Einbahnstraße, die stets über Nacht per Pollersperrung zur Sackgasse wird. Letzteres ist vorbei. Das hat der Stadtrat beschlossen.

Wittlich. Ein neues Kapitel einer gar unendlichen Geschichte hat der Stadtrat mit 19 Ja-, fünf Enthaltungen und einer Neinstimme aufgeschlagen. Titel: "Was man alles mit einer Straße anstellen kann." Denn das hat Wittlich an der innerstädtischen Neustraße durchexerziert: Erst war sie eine ganz normale Straße. Man konnte sie rauf Richtung Post und runter Richtung Marktplatz fahren. Dann kam ab 1993 die Zeit der voll gesperrten Fußgängerzone, und es gab Ärger.
Geschäftsleute machten die Sperrung für den Niedergang der Innenstadt mitverantwortlich. Sie demonstrierten 2005, sie sammelten 2008 1400 Unterschriften.
Der Stadtrat diskutierte hin und her, fühlte sich teils in seiner Entscheidungshoheit angegriffen. Teils glaubte er an den Erfolg des Konzepts Fußgängerzone, teils an ein besonders Einkaufsflair für Menschen, die nicht von Autos gestört werden wollen, teils fürchtete er "Rundfahrten", also eine Art Verkehrsdesaster, wenn man die Vollsperrung rückgängig machen würde. Nach langem Ringen entschloss man sich, einen Versuch zu wagen. 2009 wurde die Neustraße verkehrsberuhigter Bereich als Einbahnstraße Richtung Markt. Kompliziert wurde das Ganze durch die allabendliche Sperrung: Zwischen 20 Uhr und 6 Uhr ging ein Poller hoch. Und in der nächtlichen Sackgassen-Zeit konnte man nur genau andersherum als tagsüber in die Neustraße fahren, nämlich vom Markt aus bergan. Die Regelung hat bis heute nicht jeder begriffen. Harald Fau, FWG-Stadtrat und als Briefträger viel in der Stadt unterwegs, sagte im Stadtrat: "Ich sehe ständig tagsüber PKW von der Marktplatzseite hochfahren." Das sei womöglich auch durch die häufigen Sperrungen wegen der Baustelle für das Passagenprojekt eingerissen, meinte Bürgermeister Joachim Rodenkirch. Er empfahl, sich von der Sackgassen-Lösung zu verabschieden. Zum einen seien durchschnittlich nur 273 Fahrzeuge am Tag in der Neustraße gezählt worden, zum anderen sähen Geschäftsleute die Sackgassenbeschilderung kritisch, weiterhin könne die neue Tiefgarage des Passagen-Neubaus generell von oben einfacher angefahren werden. Und: "Wenn es aber Horrormeldungen gibt, können wir nochmals diskutieren." Die SPD befürchtete, Anwohner könnten sich gestört fühlen.
Jetzt soll zügig neu beschildert werden, damit der Beschluss Realität wird.

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