Das Ende einer Zugfahrt

WITTLICH/BULLAY. Gleisarbeiten in Höhe Ürziger Bahnhof ließen jetzt Bahnreisende im Dunkeln tappen: Als der Zug stoppte, fehlte der versprochende Bus und auch eine Bahn-Info blieb Fehlanzeige. Am Ende hieß es: Einsteigen bitte - ins Taxi.

Die Bahnfahrt am Freitag dem 13. in der vergangenen Woche wird Bert Ehses so schnell nicht vergessen. Gemeinsam mit rund 40 Reisenden war er in Koblenz, 23.18 Uhr, in die Regionalbahn Nr. 12258 gestiegen. Der Zug startete mit leichter Verspätung und die Reisenden wurden informiert, dass der Zug wegen Gleisarbeiten in Höhe des Ürziger Bahnhofs nur bis Bullay fahre. Zur Weiterreise bis Wittlich Hauptbahnhof stehe am Bahnhofsvorplatz ein Bus bereit. Gegen 0.27 Uhr erreichte der Zug Bullay. Der Bahnfahrer auf unfreiwilligen Umwegen erinnert sich:"Die 40 Reisenden, überwiegend aus der Wittlicher und Trierer Region, aber auch Touristen und Geschäftsreisende, die noch weiter nach Saarbrücken wollten, mussten ohne weitere Informationen zum dunkeln und kalten Bahnhofsvorplatz in Bullay stolpern. Dort standen zwei Busse, aber es waren keine Busfahrer zu sehen oder sonstigen Erkennungszeichen, dass sich in absehbarer Zeit etwas ereignen würde."Grünes Licht für Taxi-Fahrten

Doch der moderne Reisende ist mobil, telefontechnisch gesehen. Es folgten Handyanrufe der gestrandeten Zugfahrer bei der DB Information, dem DB Reise Service, sowie erfolglos beim Trierer Bahn Service und dann wieder bei der DB Information. Bert Ehses weiter über den Versuch, einen Anschluss zu bekomen: "Ein zweiter Versuch, die freundlichen, aber scheinbar total überforderten Damen der DB Information und des Reise Service etwas massiver um Hilfe zu bitten, einen Verbindungsbus nach Wittlich zu organisieren, wurde zumindest mit der Zusicherung eines Rückrufs innerhalb der nächsten fünf Minuten auf das Funktelefon des Bahnreisenden und wiederum den besten Wünschen für einen schönen Abend quittiert. Allerdings erfolgte kein Rückruf." Kurz, bei der nächtlichen Suche nach dem Anschlussbus konnten die Telefonate nicht weiterhelfen. Schließlich habe eine Dame des Bahn-Call-Centers empfohlen, auf den Frühzug gegen 5 Uhr zu warten oder beim DB Kunden Dialog, Beschwerdestelle Regionalbereich, anzurufen.Eigentlich nicht zuständig

Um 1.02 Uhr erreichte Bert Ehses dort einen Mitarbeiter, der gab grünes Licht, sich Taxis zu bestellen. Die Kosten bis maximal 80 Euro je Taxi trüge die Bahn. Bert Ehses selbst erreichte auf diesem Weg gegen 2.15 Uhr Wittlich Hauptbahnhof. Warum es zu dem Zwischenfall kam, ließ sich auch tagsüber telefonisch schwer klären. Sechs Mal hat sich die TV -Redaktion auf den gewöhnlichen Bahnkunden-Weg begeben und das Tonband "Herzlich Willkommen beim Kundendialog der Deutschen Bahn" angehört sowie immer vorschriftsmäßig die Taste "Eins" gedrückt, um einen kompetenten Ansprechpartner im Regionalverkehrsbereich zu bekommen. Fünf Mal war dann allerdings jeweils eine Sachbearbeiterin für den Fern- statt Regionalverkehr zu sprechen, die allerdings nicht zuständig war. Zwischenzeitlich gab es als weitere Hilfe andere Telefonnummern, von dort jedoch wurde man entweder an den in diesem Fall hilfslosen Reise Service oder wieder zielstrebig an die DB Kunden Dialog, Beschwerdestelle Regionalbereich zurückverwiesen, wobei man wiederum an den Fernbereich geriet, der ja nicht zuständig ist - eigentlich. Der sechste Anruf bei dieser Stelle landete bei einem freundlichen Herrn: "Zuständig ist eigentlich der regionale Ansprechpartner, den Sie nicht erreicht haben." Weiterverbinden könne auch er nicht, doch er versuche, Licht in die Nacht zum Samstag zu bringen. Er fand heraus, dass die Gleisarbeiten ab dem 14. Februar bis zum 4. April, jeweils Samstag und Sonntag, einen Schienenersatzverkehr nötig machten. Für den 14. Februar fand er erst um 6.56 Uhr früh ab Bullay einen Bus eingetragen und fügte aber an: "Normalerweise müsste aber auch ein Bus um 0.25 Uhr fahren und dann um 1 Uhr in Wittlich sein." Auch er hatte mehrere neue Telefonnummern parat, eine von der Zentrale "Drei S" in Koblenz, was soviel wie Sicherheit, Sauberkeit und Service bedeute. Unter dieser Nummer erfuhr man dann, dass die DB Regio den Bahn-Bus-Verkehr regle und bekam wieder eine Telefonnummer in Koblenz. Die dortige Dame hieß Mann und wusste: "Ich weiß nur, dass der Anschlusszug in Wittlich weg war." In Bullay habe aber ein Bus abfahren sollen, und auch wenn sich der Zug aus Koblenz eventuell verspätet habe, denn die Reisenden hatten ja angegeben, dass der Zug wegen Verspätung in Koblenz erst gegen 0.27 Uhr Bullay erreicht habe. Doch das sollte eigentlich kein Problem sein: "Die Fahrdienstleiter und die Busfahrer haben doch Handy." Ob allerdings eine Kommunikation zwischen diesen beiden in besagter Nacht stattgefunden hat, konnte auch die Pressestelle der Deutschen Bahn noch nicht klären. Cornelia Rauchenberger von der Pressestelle sagte auf TV -Nachfrage: "Laut Auskunft des Busunternehmers hat der Fahrer sieben Minuten auf die Fahrgäste gewartet und ist dann mit dem leeren Bus nach Wittlich gefahren." Die "Taxi-Bahnkunden" sollen laut Auskunft von Caroline Hommer vom Kunden-Dialog der Bahn ihre Fahrkarte sowie die Taxi-Quittung im Original senden an: Regionaler Kunden Dialog Rhein-Mosel, Hohenzollernstraße 64, 56068 Koblenz. Man werde nachrecherchieren und die Angelegenheit prüfen.