Das Ensemble Schall und Rauch gestaltete einen beeindruckenden Abend in der Wallfahrtskirche mit Liedern der 20er bis 40er Jahre des vergangenen Jahrhunderts

Kultur : Keine Reise zum Vergnügen

Das Ensemble Schall und Rauch hat einen beeindruckenden Abend in der Klausener Wallfahrtskirche mit Liedern der 1920er bis 1940er Jahre gestaltet. Geboten wurden leichte Unterhaltung, Nachdenkliches und sehr Emotionales.

Klaus Wahl, ein Mitglied des siebenköpfigen Ensembles Schall und Rauch, gab gleich zu Beginn des Abends in der Wallfahrtskirche Klausen zu bedenken, dass die musikalische Reise in die Zwischenkriegsjahre nicht lockerleicht werde. „Es wird keine Vergnügungs-, Abenteuer- oder Bildungsreise“, erklärte er. Das Programm „Irgendwo auf der Welt“ wurde stattdessen eine Reise mit vielen Emotionen und Zwischentönen, die das Gefühl dieser Zeit herüberbrachte. 290 Besucher hatten  die Möglichkeit, sich einzufühlen  in die Wilden 1920er, die Vorkriegsjahre mit Ahnungen, was da kommen wird, und  das Schicksal der Juden im Nationalsozialismus.

 Den Anfang machten die vier Sänger, Gerd Elsen, Theresia Zils, Didi Könen und Barbara Philipp mit dem Stück „Ein Freund, ein guter Freund“. Sehr schön zu hören, dass die vier, die aus sehr verschiedenen gesanglichen Stilrichtungen kommen, aus dem Jazz, der Klassik und dem Rock-Pop ihre Stärken so einbringen, dass ein harmonisches Ganzes entsteht. Da ist beispielsweise Theresia Zils, die Friedrich Hollaenders „Ich bin von Kopf bis Fuß auf Liebe eingestellt“ sang. Gut strukturiert, mal schulterzuckend lässig, mal verrucht und mal sehr nachdrücklich trug sie das Stück vor. Bei der Bühnenpräsenz ist natürlich Barbara Philipp, die regelmäßig als Schauspielerin in Fernsehproduktionen im öffentlich-rechtlichen Fernsehen zu sehen ist, ganz vorn dabei. Das Stück „Gott schütz` mich vor Verwandten“, nimmt man ihr sofort ab.

Gesanglich ist Gerd Elsen mit seiner Bassstimme unverwechselbar. Bei der „Bar zum Krokodil“  hat er das Publikum gleich auf seiner Seite. Den „Alabama Song“ brachte Didi Könen mit einer Mischung aus Lässigkeit und gleichzeitiger Tiefe auf die Bühne. Das Lebensgefühl der 1920er und 1930er Jahre, das Fröhliche, Ausgelassene und die volle Lebenslust wurden spürbar. Barbara Philipp zeigte im „Lied von der Gleichgültigkeit“ ihre künstlerischen Fähigkeiten. Sie wackelte mit der Tasche, warf dem Publikum kokette Blicke zu, zeigte Intensität bei den marschierenden Standarten.

Einen großen Anteil am Gelingen des Abends hatte die Rhythmusgruppe mit Klaus Behütuns-Steffens am Schlagzeug, Mark Schelzke am Keyboard und Klaus Wahl am Kontrabass. Sie hielten sich im Hintergrund, lieferten den Sängern aber Rahmen, Basis und Struktur, auf denen sie sich ausbreiten konnten. Bei dem von Didi Könen gesungenen Lied „Einen großen Nazi hat sie“, bei dem er anmerkte, dass es vom Text her auch für Beate Zschäpe geschrieben sein könnte, fühlte sich die Rhythmusgruppe sehr gut ein. Stringent lief der Rhythmus durch und unterstützte sowohl das Tänzerische des Stücks, als auch die von Didi Könen nachdrücklicher gesungenen Teile. Den „traurigen Sonntag“ interpretierte Theresia Zils. Mit einem klaren Ton, nachdenklich und melancholisch, brachte sie die Stimmung rüber und gab mit einem Improvisationsteil eine eigene Stilistik. Mit seiner Bassstimme gab Gerd Elsen „Ich wandere durch Theresienstadt“ den Ernst der Situation im Jahr 1943 wieder. Anmutig und kraftvoll sang er es. Barbara Philipp trieb dem ein oder anderen Besucher Tränen in die Augen, als sie das Stück „Donna Donna“ einer Freundin und weiteren Menschen widmete, die momentan Flügel brauchen. Sie sang es dann auch mit einer Intensität, die aus ganzem Herzen kam, und dem sich die Besucher nicht entziehen konnten.

Als Zugabe sangen alle gemeinsam „Irgendwo auf der Welt“ und „In den Trümmern von Berlin.“ Sowohl Wallfahrtsrektor Albert Seul O.P.  als auch Klaus Wahl betonten, dass es wichtig ist, wachsam zu bleiben und die Erinnerung wachzuhalten. Die Wallfahrtskirche bot dazu einen würdigen Raum.

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