Kostenpflichtiger Inhalt: Aus dem Archiv September 2019 : Im Freibad-Streit in Wittlich schlagen die Wellen hoch

500 Wittlicher kamen zur Bürgerversammlung ins Eventum und sorgten für eine hitzige Diskussion zum geplanten Neubau des Vitelliusbades. Die Politik stand Rede und Antwort und die CDU-Fraktion überraschte zu später Stunde.

„Unser Freibad soll so bleiben wie es ist.“ Diesen Slogan trugen am Mittwochabend viele Wittlicher im Eventum, sei es auf bedruckten T-Shirts oder Ansteckern. Aber ist das der Wille aller Wittlicher Bürger oder bloß die Meinung einiger Freibad-Enthusiasten? Auf der Bürgerversammlung am Mittwochabend, zu welcher die Stadtverwaltung Wittlich eingeladen hatte, wurde jedenfalls deutlich, dass viele Bürger der Säubrennerstadt an ihrem Freibad hängen. Mehr als 500 Bürger nutzten die Möglichkeit, mit der Politik über den geplanten Neubau des Vitelliusbades zu diskutieren. Im Rahmen dieses Projektes soll das Freibad draußen flächenmäßig stark reduziert werden (der TV berichtete mehrfach).

Auch Mitglieder der Bürgerinitiative zum Erhalt des Freibades saßen neben den Stadtratsmitgliedern, den beauftragten Planern und Bürgermeister Joachim Rodenkirch mit am Tisch. Nachdem Rodenkirch die Bürger im Eventum begrüßt hatte und die Planer erneut über den Sachstand informiert hatten, entwickelte sich eine hitzige Diskussion:

Viele Bürger nutzten den offenen Diskussionsabend, um den Stadtratsmitgliedern ihre Bedenken und ihren Missmut über die Pläne zum Neubau des Vitelliusbades ins Gesicht zu sagen. Die erste Bürgerin, die das Mikrofon in die Hand bekam, fasste sich kurz: „Das Freibad soll so bleiben wie es ist, basta!“, ließ die Wittlicherin die 500 Gäste im Eventum und die Politik wissen. Damit war ihr Wortbeitrag auch schon beendet.

Die meisten Anmerkungen aus den Reihen der Bürgerschaft zielten auf den geplanten Abriss und Neubau des Freibades. Denn wie die Planer sowie Vertreter der Stadt zugeben mussten, ist das Freibad für sein Alter von nunmehr rund 30 Jahren noch recht gut in Schuss. Allenfalls die Technik müsse da erneuert werden. „Warum also dieses schöne Freibad ohne Not abreißen, wenn es noch 20 oder 30 Jahre halten kann“, brachte Bernhard J. Simon, Unternehmer und begeisterter Schwimmer, die Kritik der Bürgerschaft auf den Punkt.

Bürgermeister Rodenkirch und mehrere Stadtratsmitglieder hielten dagegen: „Das Projekt ist kein Wunschkonzert. Wir haben uns an die Vorgaben des Landes zu halten und die Fördergeber fordern nun mal eine Reduzierung der Wasserfläche.“ Ansonsten werde die Kommunalaufsicht die Kreditaufnahme für das Projekt nicht genehmigen. „Mitnichten sind wir Idioten, als wollten wir aus einer Laune heraus das Freibad verkleinern, so wie es in den sozialen Netzwerken manchmal dargestellt wird“, sagte Rodenkirch.  „Wir sind vielmehr bemüht, mit dem Neubau des Kombibades das Schwimmen in Wittlich dauerhaft möglich zu machen.“

Foto: Christian Moeris. Foto: TV/Christian Moeris

Die Technik der beiden Bäder, die sich derzeit unter dem Hallenbad befinde, zu separieren und für die Technik des Freibades ein neues Gebäude zu bauen, das halte er für keine gute Idee. Die alte Technik des Freibades sei kaum zu ersetzen. Außerdem verliere das Becken Wasser und müsse selbst für eine Sanierung ausgegraben werden, sagte Rodenkirch. „Und auf oder neben einer Baustelle möchte auch niemand schwimmen.“

Der Beigeordnete Michael Wagner stärkte Rodenkirch den Rücken: „Der Stadtrat hat auch eine Ausgleichsfunktion. Wir sollen nicht nur an die Freibadschwimmer denken, sondern auch an die Schulen und Familien mit Kindern sowie die Vereine. Wir müssen alle Interessensgruppen berücksichtigen und können uns nicht auf eine Seite stellen. Eine Eins-zu-eins-Sanierung bekommen wir nicht durch“, sagte Wagner. „Außerdem brauchen wir ein ganzjähriges Angebot für mehr Zielgruppen und müssen im langweiligen Hallenbad, in das keiner reingeht, ein attraktiveres Angebot schaffen.“ Zudem dürfe die Stadt bei dem Projekt nicht auf Fördergeld verzichten, so Wagner weiter.

Bürger (links) und Bürgermeister Joachim Rodenkirch (links im rechten Bild) sowie Stadtratsmitglieder und Planer kamen auf der Bürgerversammlung im Eventum in Wittlich zusammen. Foto: TV/Christian Moeris

Doch all die Versuche, bei den Bürgern für Einsicht in die Zwänge, welchen sich der Rat bei dem Projekt ausgesetzt sieht, zu werben, schien bei den Gästen im Eventum nicht so richtig anzukommen. Mehr und mehr Bürger ergriffen das Mikrofon und Wort, um gegen den Umbau des Freibades zu protestieren – mit den verschiedensten Argumenten. Einigen Bürgern ging es dabei auch um rein ökologische Aspekte.

Im Mittelpunkt der Diskussion stand jedoch mehr als zweieinhalb Stunden das Freibad. Und so fasste Simon, der mit der Bürgerinitiative (BI) für den Erhalt des Freibades mehr als 4000 Unterschriften gesammelt hatte (der TV berichtete), die Forderung der Bürgerschaft zusammen: Es solle doch zumindest mal ein alternativer Vorschlag erarbeitet werden, so Simon, welcher den Erhalt des „schönen Freibades“ in seiner jetzigen Größe in Erwägung ziehe.

Überraschung Das Beste kam zum Schluss der Veranstaltung – zumindest für alle Freibad-Fans. Denn als hätte er genau auf diese Forderung der BI gewartet, ließ Jan Salfer, Fraktionsvorsitzender der CDU im Stadtrat, eine Bombe platzen. Die CDU-Fraktion, sagte er, werde im Wittlicher Stadtrat einen Antrag einbringen, um eine Planung auf den Weg zu bringen, welche den Erhalt des Freibades in Erwägung ziehen solle. Damit sorgte die CDU-Fraktion zu fortgeschrittener Stunde wohl für Überraschung. Denn solch eine alternative Planung würde viele Freibadfreunde neue Hoffnung schöpfen lassen. Ob sich für solch einen Plan B jedoch eine Mehrheit im Stadtrat finden wird und die Kommunalaufsicht und das Land einen solchen billigen würden, das wird sich zeigen.

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