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Das freut die Winzer: Rieslingtrauben sind goldgelb und zuckersüß

Das freut die Winzer: Rieslingtrauben sind goldgelb und zuckersüß

Die Rieslinglese an Saar, Mosel und Ruwer ist in vollem Gange. Die vergangenen Wochen waren für die Reifeentwicklung der Trauben ideal. Die Winzer erwarten einen sehr guten Jahrgang. Die Menge liegt aber unter dem langjährigen Durchschnitt.

Herbert Hüls hält eine Traube in der Hand. "Schauen Sie, goldgelbe Beeren, und sie schmecken hervorragend." Zehn Lesehelfer stehen in den Rebzeilen, in wenigen Stunden haben sie den Weinberg in der Kröver Kirschlay abgeerntet. Sohn Markus führt das Weingut, er ist zu Hause im Keller, um den Most zu verarbeiten. Vater Herbert sagt: "Diese Lese macht richtig Spaß, nur die Menge könnte etwas größer sein."

Am vergangenen Samstag hat im Weingut Hüls die Rieslinglese begonnen. Noch zwei Wochen, schätzt der Seniorchef, werde die Ernte dauern.

Ein paar Kilometer flussaufwärts steht Benedikt Pfeiffer mit seiner kleinen Lesemannschaft in einem Weinberg im Ürziger Würzgarten.
Er ist Nebenerwerbswinzer und bewirtschaftet in dieser Riesling-Spitzenlage eine Fläche von einem Hektar. Ehefrau Elke, Sohn Jakob und die polnischen Helfer Darek, Damian und Arek packen mit an. Die Trauben sind gesund und zuckersüß. "Ich schätze, die haben so um die 85 Grad Oechsle", sagt Pfeiffer.

Die offiziellen Reifemessungen des Dienstleistungszentrums Ländlicher Raum (DLR) Mosel haben Anfang dieser Woche folgende Werte ergeben: Der Riesling an Mosel, Saar und Ruwer liegt im Schnitt bei 85 Grad Oechsle, das sind vier Grad mehr als vor einer Woche.

Bemerkenswert: Die Mostgewichte, das heißt die Fruchtzuckergehalte, sind von Lage zu Lage extrem unterschiedlich. In den schlechten Lagen wurden im Schnitt 68 Grad Oechsle gemessen, in den Spitzenlagen 98 Grad.
Extrem unterschiedlich sind auch die Erntemengen. Achim Rosch, kellerwirtschaftlicher Berater beim DLR, erklärt: "Man sieht Weinberge mit sehr guten Erträgen und direkt daneben Weinberge, wo es weniger als die Hälfte gibt."
Schuld daran ist das nasse Wetter im Mai und Juni. Winzer, die beim Pflanzenschutz, speziell zur Bekämpfung des Peronosporapilzes, ein paar Tage zu spät dran waren, haben teilweise enorme Ernteeinbußen.

Auch an der Saar haben die meisten Winzer mit der Rieslingernte begonnen. "Dank eines phantastischen Septembers haben wir beim Riesling eine sehr gute Reife", sagt Peter Mertes, der in Kanzem ein 11,5-Hektar-Weingut bewirtschaftet. Weil das Wetter zurzeit mitspiele, könne man entspannt die Lese fortsetzen. Mertes: "Wir habe die nötige Geduld. Die Lese wird sich wohl bis in den November hinziehen."

Ähnlich sieht das Markus Junglen aus Kröv. Mit der Ernte in den besten Lagen will er noch warten. Junglen: "Um Top-Weine, also hochwertige Spät- und Auslesen, zu ernten, brauchen wir noch ein paar Tage." Er hat seine Lesehelfer angewiesen, Trauben mit faulen Beeren auszusortieren, um die Qualität noch zu steigern.
Winzer Martin Kerpen aus Bernkastel-Wehlen hat am Montag dieser Woche mit der Rieslinglese begonnen. In den sehr guten Lagen liegen die Mostgewichte bei 90 Grad Oechsle und mehr. Allerdings hat er wie viele andere Winzer aus Wehlen und Graach in diesem Jahr deutliche Mengeneinbußen. Denn Mitte Mai und Ende Juni schädigten dort Hagelunwetter einen großen Teil der Reben.