Das ganze Dorf hilft mit

Weiperath · Mit einer Messe und einem Sektempfang feiert Weiperath am Sonntag den 50. Geburtstag der Kirche St. Erasmus. Bürger erbauten sie einst eigenhändig mit Schippe und Hacke.

Foto: Ursula Schmieder (urs) ("TV-Upload Schmieder"

Weiperath. Dass Bürger mit eigenen Händen eine Kirche bauen, ist heute kaum mehr vorstellbar. Dabei ist es nur 50 Jahre her, dass das am 11. Juli 1965 in Weiperath gefeiert werden konnte. Die alte Kapelle in der Ortsmitte war einfach zu klein geworden, was sich schon in den frühen 1950er Jahren abzuzeichnen begann. Die geburtenstarken Jahrgänge, die 1963 ihren Höchststand erreichten, bestärkten zusätzlich darin, am Ortsrand eine neue Kirche zu bauen. Das ganze Dorf habe mitangepackt, sagt Herbert Nau (84). Er erinnert sich, dass aus jeder Familie Leute halfen. Er war dabei, als am 2. Juni 1963 der Grundstein gelegt wurde. Als bereits der Rohbau stand, war er mit Bernhard Lehnen und den vielen anderen Helfern jeden Samstag auf der Baustelle. Mit Hacke und Schippe schachten die Männer sämtliche Gräben für die manuell verfüllten Fundamente in Handarbeit aus. Viele hatten zudem schon vorher die Ärmel hochgekrempelt für ihre neue Kirche St. Erasmus. Ratsmitglieder der damals noch eigenständigen Gemeinde gingen mehrmals von Haus zu Haus, um Kuverts zu verteilen und diese eine Woche später, gefüllt mit Spenden, wieder einzusammeln.

Die Jugendgruppe spielte zugunsten des Neubaus Theater und auch die Erlöse anderer Feste sowie von Verlosungen flossen in das Vorhaben. Ein wichtiger Treffpunkt damals war die frühere Gaststätte Steffen, wo Versammlungen stattfanden. Für Georg Steffen ist das "Riesenengagement in Sachen Eigenleistung" schon deshalb einzigartig, weil die Leute nicht nur gespendet, sondern sich zusätzlich körperlich eingebracht hätten. Nur so war es möglich, dass der Dachstuhl bereits stand, als die ersten Handwerker beauftragt wurden.

Ortsvorsteher Willi Feilen war damals als 16-Jähriger dabei, was wegen der "Begeisterung, mit der die Leute halfen", richtig Spaß gemacht habe. Bauleiter war Peter Schmitt, der Vater des gleichnamigen Morbacher Architekten.
Die alte Kirche wurde später abgerissen, woran ein Gedenkstein erinnert. Gefeiert wird das Jubiläum am Sonntag, 12. Juli, ab 10.30 Uhr. Nach der von Pfarrer Michael Jakob zelebrierten Messe findet vor der Kirche ein Sektempfang statt. Begleitet wird er vom Musikverein.