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Das Geheimnis der isländischen Asche

Das Geheimnis der isländischen Asche

Ein Potsdamer Forscherteam hat bei Bohrungen im Meerfelder Maar Vulkanasche gefunden. Die Auswertung der Proben liefert neue Erkenntnisse über die Entwicklung der Region.

Manderscheid. "Asche aus Island in Manderscheid gefunden." Das klingt zunächst ziemlich schräg. Aber hinter der Meldung verbirgt sich eine spannende Wissenschaftsgeschichte.Denn unter anderem kann man mit der Vulkanasche aus dem Meerfelder Maar nachweisen, dass das Klima in der Region sich schon vor Jahrtausenden schnell und heftig verändert hat: Die Forscher vermuten, dass die Durchschnittstemperatur sich um bis zu vier Grad verändert hat - und das in einem Zeitraum von nur zwei bis drei Jahren. Derart starke Wetterumschläge dürften auch die ansässigen Siedler betroffen haben: Etwa, wenn bestimmte Getreidearten auf einmal nicht mehr angebaut werden konnten. Wissenschaftlich erwiesen ist bereits, dass Meeresströmungen Klimaumschwünge mitverursachen.Geologische Detektivarbeit

Die Forscher um Professor Brauer, den Leiter der Abteilung Klimadynamik am Geoforschungszentrum in Potsdam, sind seit den achtziger Jahren in der Eifel auf geohistorischer Spurensuche. Und gerade Maare sind hervorragende Archive, an denen die Forscher ablesen können, wie die klimatischen Verhältnisse sich im Lauf der Zeit verändert haben. Wenn man in ein Maar hineinbohrt, stößt man auf sehr dünne Tonschichten, die je nach ihrer Zusammensetzung Aufschluss geben, welche Temperatur und Luftfeuchtigkeit in welchen Jahren geherrscht hat. Bestenfalls sind sogar Rückschlüsse auf den Verlauf der Jahreszeiten möglich: Bestimmte Ablagerungen von Kieselalgen, die nur im Frühjahr, Herbst oder Winter vorkommen, findet man beispielsweise, oder Ablagerungen von Mineralien nur im Winter.Eine überraschende Erkenntnis

In acht Metern Tiefe sind die Forscher auf eine einen Zentimeter dicke Ascheschicht gestoßen. Die Asche aus Island ist vor 12 140 Jahren mit dem Westwind bis nach Meerfeld geweht. Die Forscher wissen außerdem, dass derselbe Vulkan 120 Jahre später noch einmal ausgebrochen ist: Diesmal landete die Asche in einem Gletschersee in Norwegen. Schlussfolgerung: Die Polarfront und der Westwind sind weiter nördlich gewandert. Die Wetterverhältnisse haben sich in 120 Jahren deutlich verändert: Es ist wärmer geworden. Pro Jahr ist die Polarfront um 10 Kilometer nach Norden gewandert.Diese Erkenntnisse haben die Forscher in dem renommierten Wissenschaftsmagazin "Geogical Society of America" veröffentlicht. In ihrem Aufsatz danken sie auch ausdrücklich dem Maarmuseum, dessen Mitarbeiter das Team bei der Organisation und den Arbeiten vor Ort tatkräftig unterstützt haben.Extra

Auswirkungen des Klimawandels kann man auch deutlich hier in der Eifel sehen. Denn beispielsweise das Taubenschwänzchen, ein Schmetterling, der eigentlich wegen der Temperaturen in Italien und Spanien vorkommt, wurde 1994 in Süddeutschland gesehen, 1998 in Rumänien und 2001 in der Eifel. Das belegt, dass es Richtung Norden langsam wärmer wird. Getreidearten, die stark auf Ertrag gezüchtet sind und relativ dünne Halme haben, kommen mit der Zunahme von Regen und Wind nicht mehr zurecht und knicken um. Neben dem Meerfelder Maar ist auch das Holzmaar für die Forscher sehr wichtig. Eine Million Datensätze wurden dort bereits in 20 Jahren gesammelt. Auch in China und Amerika wird an Maaren geforscht. chb