„Das ist ein richtig großer Erfolg“

„Das ist ein richtig großer Erfolg“

Bisher hatten sich nur die Politiker aus der Verbandsgemeinde Kröv-Bausendorf gegen eine Fusion mit Traben-Trarbach ausgesprochen. Am Sonntag haben die Bürger sich dieser Meinung mit überwältigender Mehrheit und hoher Beteiligung angeschlossen. Nun ist das Land am Zug.

Schon die nackten Zahlen sprechen eine deutliche Sprache: Fast 93 der Wähler aus der Verbandsgemeinde (VG) Kröv-Bausendorf haben sich gegen eine vom Land favorisierte Fusion mit den Nachbarn aus der VG Traben-Trarbach ausgesprochen. Die Wahlbeteiligung liegt an diesem verregneten Sonntag bei 57,5 Prozent und damit ähnlich hoch wie bei der letzten Landtagswahl.

93 Prozent: Das ist ein Ergebnis wie zu DDR-Zeiten. Mit einem wichtigen Unterschied. Die Bürger kommen freiwillig in die Wahllokale. Viele junge Leute sind darunter. "Und viele, die schlecht zu Fuß sind, aber unbedingt ihre Stimmen abgeben wollen", betont der Kröver Ortsbürgermeister Günter Müllers.

"Das ist ein richtig großer Erfolg", sagt Otto Maria Bastgen (CDU), Bürgermeister der VG Kröv-Bausendorf, als um 18.40 Uhr das vorläufige Endergebnis vorliegt. "Es zeigt, dass es den Bürgern nicht egal ist, von wo aus sie verwaltet werden." Und es zeige auch, dass es richtig war, nicht mit den Vertretern der VG Traben-Trarbach zu verhandeln. "Das ist Demokratie", betont Bastgen. Er werde mit diesem Ergebnis in der Hand das Gespräch mit den Spitzen der Landesregierung suchen. Bastgen gibt sich selbstbewusst. "Ich kann mir nicht vorstellen, dass Ministerpräsidentin Malu Dreyer bei so einem eindeutigen Votum ein Fusionsgesetz unterschreibt", sagt er.

Diese Aussage trägt Artur Greis, Vorsitzender der SPD-Fraktion im VG-Rat, voll und ganz mit. "Was wir Politiker bisher gesagt haben, tragen die Bürger durch ihr Votum mit. Keine Zwangsfusion und keine Fusion mit Traben-Trarbach", betont er. Wilhelm Müllers (FDP) meint: "Jetzt muss die Ministerpräsidentin zeigen, ob ihr der Bürgerwille wichtig ist." Für Michael Moseler (Gemeinsame Zukunft) zeigen sich bei der Kommunalreform zu viel Schwachstellen. "Das muss aus einem Guss sein", fordert er.

Kevin Kaiser hat noch den Bayern-München-Schal um, als er in Kinheim zur Wahl geht. "Die Verbandsgemeinde Kröv-Bausendorf muss erhalten bleiben", sagt er kurz und bündig. Rüdiger Löwen (Kröv) glaubt, dass viele Bürger Angst vor großen kommunalen Einheiten haben. "Da läuft es nicht so richtig", sagt er.
Zur VG Traben-Trarbach wollen nur 290 der Bürger, die am Sonntag ihre Stimme abgeben. 3809 sind dagegen. Sollte eine Fusion nicht zu verhindern sein, wollen zumindest die Bausendorfer zu Wittlich-Land. Bei einer Umfrage haben sich etwa 98 Prozent der Bürger dafür starkgemacht. In den übrigen neun Orten der VG gibt es dazu noch kein Meinungsbild.Meinung: Das Land ist in der DefensiveEines war schon von in den Wochen vor dem Bürgerentscheid klar: Alleine die Frage nach einer Partnerschaft mit der VG Traben-Trarbach wird die Kröv-Bausendorfer einigen und viele von ihnen an die Urnen treiben. Die Schlammschlacht um den ehemaligen Traben-Trarbacher Tourismuschef kam ihnen da gerade recht. Wer will mit solch einer Kommune fusionieren, hieß es immer wieder. Im Grunde genommen, das hat Bürgermeister Otto Maria Bastgen immer wieder betont, geht es aber nicht um eine Fusion, sondern um den Erhalt der Eigenständigkeit. Der Verwaltungschef wird nicht müde zu betonen, wie effizient und kostengünstig sein Amt arbeitet. Wie geht es nun weiter? Das Angebot des Innenministeriums jetzt einen positiven Beschluss über eine Fusion zu fassen, aber erst 2019 zusammen zu gehen, ist nach der gestrigen Entscheidung hinfällig. Die Kröv-Bausendorfer haben sich positioniert. Das Land gerät weiter in die Defensive. Mit Ausnahme der freiwilligen Fusion zwischen Neumagen-Dhron und Bernkastel-Kues ist aus Sicht des Landes im Kreis Bernkastel-Wittlich bei der Kommunalreform bisher alles schief gelaufen.

c.beckmann@volksfreund.de

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