"Das ist ein riesiges Geschenk für uns"

"Das ist ein riesiges Geschenk für uns"

Land und Träger investieren 16,4 Millionen Euro für den Neubau der Psychiatrie in Bernkastel-Kues. Zur Freude hat sich auch Kritik gesellt. Nicht überall sei die Sicherheit der Patienten gewährleistet, sagt der medizinische Leiter.

Bernkastel-Kues. Was lange währt, wird endlich gut! Der Satz ist eine Floskel und klingt abgedroschen. Aber manchmal hat er seine Berechtigung. Im Falle des Neubaus der Psychiatrie am Cusanus-Krankenhaus in Bernkastel-Kues ist das so. Schon seit etwa acht Jahren wird über den Umzug vom St.-Elisabeth-Krankenhaus in Wittlich an die Mosel geredet und verhandelt. Aus Plänen wird nun Realität. Und der Anfangssatz taucht in fast allen Reden auf.
Ob Gesundheitsministerin Sabine Bätzing-Lichtenthäler (SPD), Dr. Günter Merschbächer, Geschäftsführer des Krankenhausträgers, Landrat Gregor Eibes oder Ulf Hangert, Bürgermeister der Verbandsgemeinde Bernkastel-Kues: Alle lassen den Freudenbecher kreisen. Womit wohl niemand rechnet: Ausgerechnet Dr. Michael Lammertink, Chefarzt der Psychiatrie, gibt ein paar Tropfen bittere Medizin in den Becher. Doch dazu später mehr.

Denn die Freude überwiegt, selbst Lammertink spricht anfangs von einem "riesigen Geschenk für uns". Seit etwa zehn Jahren wird über einen Neubau innerhalb des Verbundkrankenhauses Bernkastel-Wittlich geredet. Er sei schon lange im Geschäft, sagt Günter Merschbächer. Einen solch langen und schwierigen Weg von den ersten Gedanken bis zur Grundsteinlegung sei er aber noch nie mitgegangen. Die Gesundheitsministerin argumentiert ähnlich: "Nach langen, langen Planungen geht es jetzt endlich los", sagt sie.

Der TV vom aktuellen Tag, einige Baupläne, eine unterschriebene Urkunde und ein paar Münzen verschwinden anschließend in einem Zylinder. Symbolisch wird der Grundstein an ein paar Mauersteinen gelegt. Zu einem späteren Zeitpunkt wird er dort eingebuddelt, wo das Foyer des mehrstöckigen Gebäudes entsteht.
Die Gesamtkosten belaufen sich auf etwa 16,4 Millionen Euro. Das Land trägt davon 12,579 Millionen Euro, die Cusanus Trägergesellschaft Trier (ctt) übernimmt 3,8 Millionen Euro. Dort, wo bis vor einigen Jahren das Schwesterwohnheim stand, entsteht bis zum Frühjahr 2018 Raum für 75 Betten im stationären Bereich und 15 in der Tagesklinik. Dazu kommt die psychiatrische Ambulanz. Es wird nur noch Ein- und Zwei-Bett-Zimmer geben. Auch sonst wird viel für Patienten und Personal getan. Geplant ist auch ein Therapiegarten.
Zurück zu Dr. Michael Lammertink. Für ihn gibt es keinen Zweifel, dass die Psychiatrie neue Räume benötigt. Wittlich sei in dieser Hinsicht seit 30 Jahren "ein Provisorium". Er glaube, dass sich die Patienten am neuen Standort "wohl und geborgen fühlen können".

Aber er sei nicht mit allem froh. Die finanziellen Zwänge führten dazu, dass er an manchen Stellen um die Sicherheit der Patienten fürchte - beispielsweise bei den offenen Fluchttreppen und dem meterhohen Abhang am Therapiegarten. Dass es im Raum für Bewegungstherapie zwei tragende Säulen geben solle, sei auch den finanziellen Zwängen geschuldet, aber sicher nicht im Sinne der Patienten.

"Ich habe mir lange darüber Gedanken gemacht, ob ich das Recht für diese düsteren Gedanken habe. Aber es ist meine Pflicht", sagt Lammertink. "Es wäre fatal, wenn erst etwas Schlimmes passieren muss." Sie blicke natürlich auch mit den Augen einer Kauffrau auf das Projekt, sagt Ulrike Schnell, die kaufmännische Direktorin des Verbundkrankenhauses. Dazu gehörten auch Kompromisse. Sonst komme manches Projekt gar nicht zustande. "Wir werden weiter um Lösungen ringen", kündigt sie an, "damit Wünsche wahr werden." Die Sicherheit sei ein hohes Gebot. "Das haben wir im Blick." Ihr besonderer Dank geht an ihren Vorgänger Peter Schon. Er habe bei den Planungen für das Projekt eine wichtige Rolle gespielt.Meinung

Respekt statt Schelte
Es ist ungewöhnlich, dass bei einem Spatenstich, einer Grundsteinlegung oder der späteren Einweihung eines bedeutenden Gebäudes solch kritische Worte fallen, wie am Freitag in Bernkastel-Kues. Es muss wohl lange in Dr. Michael Lammertink gegärt haben. Vielleicht denken andere ja ähnlich, aber das in aller Öffentlichkeit im Beisein des Hauptgeldgebers zu sagen, ist mutig. Nicht jeder, das haben auch die Reaktionen gezeigt, hat Verständnis dafür. Der Mediziner hat aber gezeigt, dass ihm das Wohl und die Sicherheit der Menschen am Herzen liegen - von Menschen, die eines besonderen Schutzes und besonderer Fürsorge bedürfen. Das ist Respekt angebracht und keine Schelte. c.beckmann@volksfreund.de