"Das Jahr 2016 war schrecklich"

Vom niedrigen Milchpreis bis zur Zukunft der Landwirtschaft: Milchbauern und Winzer aus der Region treffen sich am Dreikönigstag in Wittlich. Dabei machen viele Landwirte ihrem Ärger Luft - auch aus Existenzangst.


Wittlich. Traditionell eröffnen die Sternsinger die Dreikönigstagung mit einem Lied und der Segnung des Pfarr- und Jugendheims St. Bernhard in Wittlich. Dort sind die Mitglieder des Bauern- und Winzerverbandes Bernkastel-Wittlich zusammengekommen, um über die Zukunft der Landwirtschaft zu sprechen. Den Segen der Heiligen Drei Könige können die Landwirte derzeit gut gebrauchen. Laut dem Vorsitzenden des Bauern- und Winzerverbandes Bernkastel-Wittlich, Manfred Zelder, hätten sinkende Preise in fast allenHandel senkt Preise ohne Grund


Produktbereichen den Bauern im vergangenen Jahr zugesetzt: "Das Jahr 2016 war schrecklich." Die Discounterketten hätten ohne Not beispielsweise den Milchpreis um zehn Cent gesenkt. "Das war nur eine Machtdemonstration." Immer wieder schießt sich Zelder auf die Einzelhandelsketten ein. "Es gibt kein Problem zwischen Landwirt und Molkerei, aber es gibt eins zwischen Molkerei und Einzelhandel." Das Verhältnis gehöre auf den Prüfstand, fordert der Vorsitzende des Verbandes, der gleichzeitig auch der Vizepräsident des Bauern- und Winzerverbandes Rheinland-Nassau ist.
Zudem fordert Zelder eine Branchenorganisation, in der sich alle Milcherzeuger zusammenschließen. Der Parlamentarische Staatssekretär im Bundeslandwirtschaftsministerium, Peter Bleser, zieht eine ähnliche Bilanz von 2016. Der CDU-Mann stellt aber auch fest, dass zum Jahresende der Preis für einen Liter Milch wieder bei mehr als 30 Cent liege. "Die Drei steht vorne", sagt er ein wenig erleichtert.Mehr Werbung für Landwirtschaft


Die Milchkönigin Carina Hirschen ist überzeugt davon, dass mit Werbung für die Landwirtschaft die Leute auch wieder bereit seien, einen höheren Milchpreis zu zahlen. Außerdem plädiert sie dafür, der Landwirtschaft ein Gesicht zu geben. Als gelungenes Beispiel nennt sie die Teilnahme an dem Umzug zur Einholung der ersten Säue an der Wittlicher Säubrennerkirmes 2016. Die Teilnahme zusammen mit Manfred Zelder sei bei den Leuten gut angekommen. Zudem hätten sie für die Milch aus der Region werben können. Auch in diesem Jahr sei geplant, wieder bei dem Umzug mitzufahren.
Der fallende Preis und die Marktmacht der Discounter sind nicht die einzigen Themen das die Landwirte, die am Dreikönigstag in Wittlich zusammengekommen sind, beschäftigt.
Auch der sogenannte "eAntrag" steht auf der Agenda. Das rheinland-pfälzische Ministerium für Wirtschaft, Verkehr, Landwirtschaft und Weinbau will den elektronischen Antrag zur Agrarförderung bis zum Ende des Jahres einführen. Das sagt der Landrat des Kreises Bernkastel-Wittlich, Gregor Eibes. Dafür kritisiert er die Landesregierung. Zu spät habe das zuständige Ministerium in Mainz bekanntgegeben, dass das Verfahren bereits Ende 2017 umgestellt sein soll. Die Einführung des hierfür notwendigen Programms bei der Verwaltung habe sich verzögert. Das wiederum hätte dazu geführt, dass man erst spät Seminare organisieren hätte können, in denen Mitarbeiter der Verwaltung den Landwirten zeigten, wie diese einen solchen Antrag aus dem Internet ausfüllen können.
Zudem informiert Eibes die Landwirte über die personellen Veränderungen in der Verwaltung. So gebe es seit Anfang des Jahres keinen eigenen Fachbereich mehr für Landwirtschaft und Weinbau, der sei jetzt dem Veterinäramt zugeteilt. Dort sollen aber die Anliegen der Landwirte separat behandelt werden, verspricht Eibes und stellt die zuständigen Mitarbeiter dem Publikum vor. Diese Umstrukturierung sei nach einer Prüfung des Bundesrechnungshofes notwendig geworden.Betriebe werden immer größer


Wie die Landwirtschaft in 2050 aussehen könnte, damit beschäftigt sich Otto Körner, Direktor des Bildungszentrums und der Landwirtschaftlichen Lehranstalt in Triesdorf.
Seiner Meinung nach müssten die Betriebe in Zukunft immer größer werden, um eine Chance auf dem Markt zu haben. Dabei kämen die Betriebe dann wegen ihrer Größe ohne Fremdarbeiter nicht mehr aus. Den traditionellen Familienbetrieb sieht er vor dem Aus. Er sei allerdings auch der Meinung, dass die Bedeutung der Landwirtschaft als Ernährer zunehme, gerade weil immer mehr Menschen den Planeten bewohnten und ernährt werden müssten. Das Publikum ist geteilter Meinung. In der Diskussionsrunde danach wettert ein Landwirt gegen die Entwicklung. Er sieht in der Industrialisierung der Landwirtschaft nicht die Lösung, eher in einem anständig geführten Familienbetrieb. Ein anderer glaubt nicht daran, dass Tradition eine Chance hat. "Die Technik kommt. Da machen wir nix dagegen."