Das Kreuz tragen

Bei der Kommentierung der olympischen Schwimmwettbewerbe trug Franziska von Almsick deutlich sichtbar ein Kreuz um den Hals. Vielleicht ist es nur ein subjektiver Eindruck, aber in letzter Zeit fallen mir immer häufiger Kreuze als Schmuck bei Menschen unterschiedlichster Herkunft und Beschäftigung auf, bei Sportlern, Popstars, Schauspielern usw. Und ich frage mich, ob die Träger damit einen Sinn verbinden und - falls ja - welchen.

Dieser Gedanke wird wiederum zur Anfrage an mich selbst: Was bedeuten dir denn Kreuz und Kreuzzeichen? Für mich ist es mit den Worten verbunden "Im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes", der kürzesten Form des christlichen Glaubensbekenntnisses, das uns bei der Taufe als Lebensgrundlage mitgegeben wird. Und so bringt es aller Christen Hoffnung symbolisch zum Ausdruck: Wir leben in einer Welt, die Sinn und Ziel hat; jeder Mensch ist grenzenlos wertvoll; wir können uns einer Person anvertrauen, die bereit ist, mit uns alles Leid zu teilen und jede Schuld zu vergeben. Das ist nichts Fernes und Vergangenes, sondern kann je-

den Tag geschehen. Wenn Eltern und Großeltern ihren Kindern und Enkeln - falls sie das tun - ein Kreuz auf die Stirn zeichnen, dann wünschen sie ihnen, dass sie in diese Überzeugung und in diese Wirklichkeit hineinfinden und in ihr leben. Am besten geht das, wenn man eine Gemeinschaft hinter sich hat, die einen trägt und die man selbst mitträgt, sei es die große der Kirche oder eine kleine in der Familie, von Freunden oder ähnlich. "Wo zwei oder drei in meinem Namen beisammen sind, da bin ich mitten unter ihnen", sagt Jesus im Evangelium. Vielleicht sollten noch viel mehr Menschen das Kreuz tragen und es ernst meinen damit.

Der Autor ist Vorsitzender der Pfarreien Wittlich. noj