Das Museum ist der falsche Ort

Ebenfalls zur Debatte über das Gedenken an die Opfer des Nationalsozialismus in Traben-Trarbach äußert sich dieser Leser:

Den Streit um die Platzierung einer Gedenktafel für die jüdischen Opfer des Naziregimes in Traben-Trarbach habe ich mitverfolgt. Ich war mir die ganze Zeit nicht sicher, ob sich hier einer zu Wort melden soll, der selbst jahrelang Mitglied des Stadtrates in Traben-Trarbach war. Denn das ist schon eine Weile her. Ich will es jetzt doch tun, weil es mir in der Sache wichtig erscheint. Ich bin der Meinung, die Gedenktafel sollte am Traben-Trarbacher Rathaus angebracht werden. Aber nicht in erster Linie deshalb, weil dort die "Entscheidungen" gegen die jüdischen Mitbürgerinnen und Mitbürger getroffen worden sind. Damals war ja kein Spielraum für eigene Entscheidungen. Die Bediensteten der Stadt hatten Befehle eines totalitären Systems auszuführen. Jeder wusste, welche Folgen es hat, wenn er sich weigert. Und im Übrigen konnten die meisten auch gar nicht wissen, was sie eigentlich taten. Dies gerade war ja auch ein Merkmal des Terrorregimes. Nein, ich bin der Meinung, die Gedenktafel gehört an das Rathaus, dass das wichtigste Gebäude der Stadt ist. Eine so wichtige Sache wie das Gedenken an die Verbrechen in der damaligen Zeit gegenüber unseren jüdischen Mitbürgern muss dort seinen Platz finden. Aber es gibt für mich noch einen anderen Grund. Eine solche Gedenktafel kann nichts mit einem Museum zu tun haben. Dort werden die meist wertvollen Hinterlassenschaften der Vergangenheit gesammelt und zur Schau gestellt. Das Gedenken an die jüdischen Opfer gehört gewiss nicht dazu! Dieses Gedenken soll in der Gegenwart und Zukunft mahnen und unser Handeln bestimmen. Hier fehlt absolut ein musealer Bezug. Ich glaube, die Souveränität des Stadtrates wird dazu führen, den einmal gefassten Beschluss wieder zu ändern. Denn letztlich: Souverän ist dieser Traben-Trarbacher Stadtrat immer gewesen, auch in der Korrektur falscher Beschlüsse. Ich kann mir überhaupt nicht vorstellen, dass das heute anders sein soll als früher. Und zuletzt: Beschämt und selbstkritisch drängt sich mir die Frage auf, warum eine solche Gedenktafel nicht schon längst, vor vielen Jahren, ihren richtigen Platz in Traben-Trarbach gefunden hat. Wolfgang Wittkowsky, Traben-Trarbach gedenken