Das plant Wittlich für das neue Industriegebiet

Neues Industriegebiet in Wittlich : Die Betriebe kommen, wenn die Echse weg ist

Für mehrere Millionen Euro entsteht bald ein neues Industriegebiet in Wittlich. Dafür müssen allerdings ein Haus und eine Reptilienart weichen.

Mit der Stadt Wittlich verhält es sich in diesen Zeiten wie bei Jugendlichen auf einem Musikfestival. Wenn du modern sein willst, dann musst du da hin. Was Gewerbe angeht heißt das: Will ein Betrieb ein neues Werk in der Region bauen, dann scheint die Säubrennerstadt mit die erste Anlaufstelle zu sein. Verkaufte Gewerbeflächen bringen Geld und freuen die Stadt. Doch irgendwann ist ein Gewerbegebiet auch mal voll – ein neues muss her. So wie auch jetzt wieder, denn die Erschließung des Industriegebiets III Nord nimmt Formen an.

Das Industriegebiet Der Erfolg der Veranstaltung sorgt dafür, dass man den Standort des neuen Gewerbegebietes (siehe Grafik) am besten mit den Worten: „Da, wo das Oktoberfest ist“, erklärt. Dort werden nach Angaben der Stadt rund zehn
Hektar neue Gewerbefläche erschlossen. Kosten wird das neue Gebiet rund 5,3 Millionen Euro. In diesem Preis ist die verkehrsmäßige Erschließung enthalten. Laut Stadt gibt es bereits Interessenten für die Flächen. Doch warum ist es notwendig, ein neues Gewerbegebiet zu erschließen? Der Grund ist einfach, wie der Pressesprecher der Stadt, Rainer Stöckicht, erklärt: „Die vorhandenen Gewerbe- und Industrieflächen der Stadt Wittlich sind derzeit alle vermarktet.“ Bevor das Gewerbegebiet III erschlossen wird, kommt in Kürze noch die Brüsselstraße im Industriegebiet Wengerohr-Süd dazu. Dort werden neun Grundstücke mit Flächen zwischen 2000 und 3000 Quadratmetern erschlossen, erklärt Stöckicht. „Diese Flächen werden vermutlich innerhalb kürzester Zeit vermarktet sein“, so der Stadtsprecher. Um auch die Anfragen nach großflächigeren Ansiedlungen bedienen zu können, sei das Industriegebiet III Nord dringend notwendig für den Wirtschaftsstandort Wittlich. Mit den Arbeiten soll nach der Wirtschaftswoche, also im Juli diesen Jahres, begonnen werden. Die Arbeiten sollen voraussichtlich Ende 2020 abgeschlossen sein.

Die Zufahrt Um auch verkehrstechnisch gewährleisten zu können, dass sich Betriebe im Gebiet ansiedeln, muss eine Zufahrt gebaut werden. Diese verläuft, wie auf der Grafik zu erkennen, von der Gottlieb-Daimler-Straße in das Industriegebiet. Sie führt dann parallel zu besagter Straße, über die Autobahn A 1 und trennt sich im Gebiet in zwei Straßen, die die Flächen erreichbar machen.

Im Süden schließt die Straße dann an die Röntgenstraße an, die am Oktoberfestzelt vorbeiführt.  Die Anbindung wird im Jahr 2020, mit der Erschließung der Flächen erfolgen. Die Anbindung wird 1,2 Millionen Euro kosten. Dieses Geld ist im oben genannten Preis für die gesamte Erschließung mitinbegriffen.

Sie kostet die Stadt 74 000 Euro: Bevor die Erschließung des neuen Gewerbegebietes starten kann, muss die Mauereidechse umgesiedelt werden. Foto: Boris Roessler

Die Eidechse Was hat denn eine Eidechse mit einem Industriegebiet zu tun? In diesem Fall eine ganze Menge. Damit die Zufahrt gebaut werden kann, muss das alte THW-Gebäude (in der Grafik eingezeichnet) in der Justus-von-Liebig-Straße abgerissen werden. Dieses wird seit 2013 aus bautechnischen Gründen nicht mehr genutzt. Fast, denn dort sind Eidechsen heimisch. Das europäische Recht schreibt vor, dass diese zunächst umgesiedelt werden müssen, bevor mit der Erschließung begonnen werden kann. „Mit der Maßnahme soll Ende Februar begonnen werden“, sagt Rainer Stöckicht. Die Eidechsen werden von ihrem jetzigen Wohnort in die noch zu schaffenden Ausgleichsflächen östlich des Industriegebietes umgesiedelt. Und das wird nicht günstig: Im Bau- und Verkehrsausschuss wurde der Auftrag vergeben. Insgesamt wird die Umsiedlung 73 924,01 Euro kosten. Doch von wie vielen Eidechsen sprechen wir, und wie viel kostet die Umsiedlung pro Eidechsen-Kopf? Das kann man nicht sagen, denn an dieser Stelle wird es kurios. Es ist, wie im Bau- und Verkehrsausschuss erklärt wurde, nicht einmal klar, ob die Mauereidechse überhaupt in diesem Gebiet heimisch ist. Diese Vermutung wurde aufgestellt, weil an der Stelle eine gewisse Anzahl anderer Eidechsen gefunden wurde. Wenn die da sind, muss auch die Mauereidechse da sein, beschlossen die untersuchenden Gutachter. Das sei nicht ungewöhnlich, weil man bei einer Zählung nur zehn bis 15 Prozent der Eidechsen finde.

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