Das schwere "Kreisel-Einmaleins"

WITTLICH. (sos) An allen Ecken soll es rund gehen: Friedrichstraße/Koblenzer/Kalkturmstraße, in der Rudolf-Diesel-Straße gleich zwei Mal, neuerdings auch an der L 141 plus dem trotz zarten Alters schon legendären Doppel-Kreisel vor Lüxem. Wie gesagt, es soll rund gehen. Doch für viele Verkehrsteilnehmer scheint das "wie" immer noch ein Rätsel.

"Knotenpunkt mit Ampel" - da sieht manch ein Verkehrsexperte nur noch: rot. Nicht, weil er an einer speziellen Farbenblindheit leidet, sondern, weil er überzeugt ist: Weg mit den Ampeln, her mit den lichterlosen Kreisverkehren! Und Studien bestätigen: die Unfallgefahren sinken. Auch der "Verkehrsfluss" soll seinem Namen dank Kreisel alle Ehre machen und dank herausgenommener Geschwindigkeiten bedächtig "fließen". Doch warum stockt es manchmal trotz der positiven Studien? Ein Beispiel: Feierabendverkehr in der Wittlicher Friedrichstraße - stadtauswärts. Warum heißt es plötzlich "stop-and-go"? Dort warten doch gleich zwei gekoppelte Kreisverkehre? Oder ist die Ampelanlage wieder in Betrieb? Was blinkt denn da in der Dämmerung? Ganz einfach: Es sind die Wagen, die nach rechts in den ersten Kreisverkehr wollen. Eine andere Möglichkeit gibt es gar nicht, und das Blinken rechts ist eigentlich reine Energieverschwendung und streng genommen verboten. Aber vielleicht wollen die Fahrer auch dem Verkehrsteilnehmer im Kreisel einen Wink geben: "Bitte, bitte blinken Sie, wenn Ihrerseits die Absicht besteht, den Kreisel zu verlassen." Doch viele, die sich mit ihren Gefährten noch im Kreisverkehr befinden scheinen so aufs Lenken im Rund konzentriert, dass ihnen das Blinker-Setzen als Hinweis an all die, die sich ins Rund einfädeln wollen, schlicht unmöglich scheint. Manchen ist das wegen der gekoppelten zwei Kreisverkehre auf kurzer Strecke zu unhandlich. Autofahrer haben ja auch nur zwei Hände. "Das ist ein Unding. Nur jeder zweite blinkt, wenn er den Kreisverkehr velässt. Dadurch muss man für nichts und wieder nichts halten, wenn man hinein fahren will. Deshalb staut es sich hier, statt dass es flüssig läuft", schimpft ein Bausendorfer. Er fährt die Strecke täglich. Täglich ärgert er sich, dass mancher im Rund spontan zu vergessen scheint, dass es Verkehrsregeln gibt, die Sinn machen. Aber nicht nur die, die das Blinken beim Verlassen des Kreisverkehrs "sparen" beeinträchtigen die Leistungsfähigkeit des Systems. Umgekehrt sehen Fahrer, die in den Kreisel hineinmöchten, offensichtlich manchmal "Stopp-Schilder", wo gar keine sind. Sie halten erstmal andächtig am Übergang Gerade/Rundung und bringen so ihre Nachfolger zur Verzweiflung. Vorausgesetzt allerdings, dass diese in der Theorie "kreiselsicher" sind und aufgrund ihres "Besser-Wissens" einen Grund haben, sich aufzuregen. Dass man nämlich überhaupt nicht weiß, wie man sich zu verhalten hat, das kann insbesonders bei der nicht mehr blutjungen Fahr-Generation durchaus vorkommen. Immerhin kennt die Straßenverkehrsordnung erst seit dem 1. Februar 2001 explizit den "Kreisverkehr" und damit eindeutige Vorschriften. Die Unkenntnis an sich hat übrigens auch ihre guten Seiten: Vorsicht ist ja bekanntlich ein großer Unfallverhüter.