Das sind die Top-Themen für den Landkreis Bernkastel-Wittlich 2020

Kostenpflichtiger Inhalt: Landrat im Interview : Das sind die Top-Themen für den Landkreis Landkreis Bernkastel-Wittlich 2020

Welche Chancen bietet die Eröffnung des Hochmoselübergangs und wann geht es mit dem Breitbandausbau weiter? Der Landrat antwortet.

Welchen Herausforderungen steht der Landkreis Bernkastel-Wittlich 2020 gegenüber und welche Themen müssen dringend in Angriff genommen werden? Im TV-Interview mit Redakteur  Christian Moeris steht Landrat Gregor Eibes (CDU) zu den Top-Themen für 2020 Rede und Antwort und erklärt, was für das aktuelle Jahr und darüber hinaus wichtig wird.

Sehr geehrter Herr Eibes, im TV-Interview vor der Kommunalwahl nannten Sie gleich mehrere große Herausforderungen, denen sich der Landkreis stellen muss: Ärztliche Versorgung, Mobilität und Breitbandversorgung. Was hat sich seither getan?

Gregor Eibes: „Die ärztliche Versorgung ist ein komplexes Thema. Mit der Bildung eines Weiterbildungsverbundes ist uns ein erster Schritt gelungen, die Ärzteausbildung im Landkreis zu vereinfachen und damit vielleicht auch den ein oder anderen angehenden Mediziner in der Region zu halten. In Morbach führt derzeit die Medi-Südwest mit Ärzten Gespräche, um Möglichkeiten der Zusammenarbeit auszuloten. Die Ergebnisse könnten möglicherweise später auf den ganzen Landkreis übertragen werden. Auch brauchen wir uns meines Erachtens, anders als es aktuell in anderen Kreisen der Fall ist, nicht um unsere Krankenhausstandorte zu sorgen. Unser Verbundkrankenhaus sehe ich auf einem guten Weg.“

Wie sieht es mit der Zukunft der Mobilität im Landkreis aus? Ist das neue Linienbündel mit höherer Taktung die Lösung, obwohl viele Fahrten ausfallen, weil Busfahrer fehlen, und der Kreis wahrscheinlich weit mehr Geld draufzahlen muss als geplant?

Eibes: „Ich bin der Meinung, dass die Mobilität im ländlichen Raum nicht mehr mit den herkömmlichen ÖPNV-Strukturen wie mit Busfahrplänen lösbar ist. Für den ÖPNV der Zukunft braucht es neue Ideen wie Bürgerbusse, Mobilität on Demand (auf Abruf) wie z. B. der Wittlich-Shuttle und Car-Sharing-Angebote.“

Wie geht es mit dem Breitbandausbau vorwärts?

Eibes: „Die erste Stufe des Breitbandausbaus, also den FTTC-Ausbau, schließen wir in diesem ersten Quartal ab. Dann steht jedem Haushalt im Ausbaugebiet eine Übertragungsrate von mindestens 50 MBit/s zur Verfügung. Aber da wir bereits über eine Gigabit-Gesellschaft sprechen, wird das nicht das Ende der Fahnenstange sein. Wir möchten bei Vorliegen der entsprechenden Förderprogramme bereits schon in diesem Jahr die nächste Stufe des Breitbandausbaus in Angriff nehmen und uns zudem auch verstärkt dem Thema Mobilfunk widmen.“

Der Hochmoselübergang ist eröffnet und damit hat sich die Infrastruktur des Kreises und seine Qualität als Wirtschaftsstandort mit guter Verkehrsanbindung sprungartig weiter  verbessert. Wäre es jetzt nicht an der Zeit, die Ansiedelung noch größerer und qualitativ noch hochwertigerer Unternehmen im Landkreis anzuvisieren? Oder ist das Maximum erreicht?

Eibes: „Zunächst mal ist zu sagen, dass der Hochmoselübergang positiv zu werten ist und die positive Entwicklung die Landschaftsbildveränderung überwiegt. Die Wirtschaftskraft des Kreises wird sich dadurch weiter verbessern, ebenso wie die Erreichbarkeit des Moseltals für den Tourismus. Fachkräfte können schneller ihre Arbeitsstellen erreichen. Menschen, die hier wohnen, können trotz auswärtigen Arbeitsplatzes besser im Landkreis gehalten werden, weil die Verkehrsanbindung besser geworden ist.“

Derzeit sind im Landkreis so ziemlich alle Industrie- und Gewerbegebiete wie in Wittlich-Wengerohr Süd ausverkauft. Hier und dort befinden sich vereinzelt zwar noch kleinere Areale in der Entwicklung. Aber fehlt da nicht das Angebot an Gewerbestandorten, das man sich angesichts der gerade erfolgten Eröffnung des Hochmoselübergangs wünschen dürfte?

Eibes: „Die Kommunen werden auch weiterhin wie z. B. derzeit in Gonzerath Gewerbegebiete entwickeln. Aber die Endlichkeit der Flächen führt eher zu interkommunalen Gewerbegebieten wie derzeit in Maring-Noviand und Osann-Monzel. In dieser interkommunalen Zusammenarbeit sehe ich noch Potenzial. Darüber hinaus werden auch Hunsrück und Eifel von der B 50 neu und dem sich abzeichnenden Flächenmangel in der Wittlicher-Senke profitieren.“

Wie ist es um Fachkräfte und Arbeitsplätze im Landkreis bestellt? Manche Experten beklagen seit Jahrzehnten die Abwanderung qualifizierter Fachkräfte. Lässt sich das stoppen?

Eibes: „Nach dem, was ich aus dem Pflegebereich, dem Hotel- und Gaststättengewerbe sowie dem Handwerk höre, ist der Höhepunkt des Fachkräftemangels noch gar nicht erreicht. Wir müssen weiter die Duale-Ausbildung fördern. An unserem Schulsystem stört mich, dass es vorrangig auf das Abitur ausgerichtet ist. Darin sehe ich eine Fehlentwicklung. Im Übrigen werden wir ohne Arbeitskräfte aus dem Ausland den Fachkräftemangel nicht meistern können.“

Viele Arbeitsplätze und Existenzen im Landkreis sind vom Tourismus abhängig: Wie steht es Ihrer Meinung nach um die Qualität und Quantität dieser Branche im Landkreis und lässt sich da nicht noch etwas verbessern?

Eibes: „Das touristische Angebot an der Mosel hat sich innerhalb der letzten Jahre qualitativ sehr gut nach vorne entwickelt. Die Mosel kann ein gutes Angebot vorhalten und wir brauchen uns hinter keiner Region zu verstecken. Darüber hinaus wollen wir die Mosel mit der Regionalinitiative „Faszination Mosel“ als führende Genussregion etablieren.“

Das statistische Landesamt prognostiziert dem Landkreis eine Abnahme der Bevölkerung sowie eine Überalterung: Welche Konzepte gibt es dagegen?

Eibes: „Den Bevölkerungsrückgang halte ich nicht für so weitreichend. Beim demografischen Wandel müssen wir nicht nur darauf schauen, was wir den älteren Menschen bieten können, sondern auch darauf, dass wir die jungen Menschen hierbehalten. Die Landflucht wird sich relativieren, weil sich viele Menschen das Wohnen in der Stadt nicht mehr leisten können. Der ländliche Raum und die Dörfer profitieren davon.“

Als Landrat haben Sie während und seit der Flüchtlingskrise im Jahr 2015 in der Finanzierung derselben die Auseinandersetzung mit dem Land gesucht? Wie sieht es nun aus? Zahlen Bund und Land dem Kreis mittlerweile das Geld, das er zur Unterbringung und Versorgung der Migranten benötigt, oder zahlen die Kommunen immer noch drauf?

20.08.2018, Niedersachsen, Klein Lobke: Leerrohre für Glasfaserleitungen für schnelles Internet werden in dem Dorf Klein Lobke bei Sehnde in der Region Hannover verlegt. Niedersachsens Wirtschaftsminister Althusmann (CDU) stellt am 21. August den Fahrplan für die Digitalisierung des Landes vor. Für den in 20 Themenbereiche aufgeteilten Fahrplan, in dem neben dem schnellen Internet der Mobilfunkausbau Priorität hat, werden insgesamt eine Milliarde Euro zur Verfügung stehen. Foto: Julian Stratenschulte/dpa +++ dpa-Bildfunk +++. Foto: dpa/Julian Stratenschulte
ARCHIV - 18.09.2013, Baden-Württemberg, Stuttgart: Ein Hausarzt misst in seiner Praxis einer Patientin den Blutdruck. (zu dpa "Verbraucherschützer begrüßen Bemühen für schnellere Arzttermine" vom 26.09.2018) Foto: Bernd Weissbrod/dpa +++ dpa-Bildfunk +++. Foto: dpa/Bernd Weissbrod
Bushaltestelle Wasserbilligerbrueck Bus, NahverkehrTV-Foto: Busse Linienbusse öpnv - Friedemann Vetter. Foto: TV/Friedemann Vetter
Landrat Gregor Eibes. Foto: Helmut Thewalt

Eibes: „Die Finanzierung hat sich für die Kommunen weiter zum Negativen entwickelt. Seit 2015 verbucht der Kreis für die Finanzierung bereits ein Defizit von rund zehn Millionen Euro. Allein für 2020 haben wir in diesem Bereich einen Fehlbetrag von 2,5 Millionen Euro eingeplant, obwohl wir dieses Defizit beim Land angemahnt und auch die Zahlen dazu geliefert haben. Das Land rühmt sich jetzt einer einmaligen zusätzlichen Zahlung in Höhe von 30 Millionen Euro an die Kommunen für die abgelehnten aber geduldeten Asylbewerber. Das mag auf den ersten Blick großzügig erscheinen, jedoch entfällt auf den Landkreis Bernkastel-Wittlich gerade einmal ein Betrag von rund 800 000 Euro.
Im Verhältnis zu den aufgelaufenen und weiterhin zu erwartenden Defiziten nur ein Tropfen auf den heißen Stein. Ich betone nochmals das, was ich in meiner Haushaltsrede sagte: Ich stelle weder die Leistungen als solche, noch deren Höhe in Frage. Allerdings sage ich auch klar, dass die Auswirkungen der Flüchtlingskrise nicht aus kommunalen Haushalten zu stemmen sind.“