"Das Singen ist mein Leben"

WEHLEN. 40 Jahre lang stand Walter Geller dem Männergesangverein "Lyra" Wehlen 1906 als Vorsitzender vor. Kürzlich hat er sein Amt niedergelegt. In Anerkennung seiner Verdienste wurde er zum Ehrenvorsitzenden ernannt.

Dass auch die Jüngsten im Verein ihm dazu extra ein Lied gesungen haben, das hat Geller besonders gefreut. War es doch immer sein Traum, einen Kinderchor zu gründen. Mit Chorleiter Lothar Scheid setzte er die Idee 1999 in die Tat um. Mit elf jungen Sängern fing es an, mittlerweile singen 35 Mitglieder zwischen fünf und 15 Jahren im Kinder- und Jugendchor des MGV. "Singen muss gelernt werden, das ist wie jede Sportart, wo Training und Üben ganz obenan stehen, erklärt Geller. Und: "Singen ist mein Leben", gibt der 63-jährige gebürtige Wehlener im TV-Gespräch gerne zu. Er war 15 Jahre, als er am Fetten Donnerstag 1957 als Sänger in den Männerchor, der 1906 gegründet wurde, eintrat. Wegen seiner tiefen Stimmlage sang Geller von Anfang an im Bass. Acht Jahre später wurde der engagierte und passionierte Sänger für das Amt des neuen Vorsitzenden vorgeschlagen. Da war der 23-Jährige doch etwas skeptisch. "Was wollt ihr denn mit mir, ich bin doch noch viel zu jung, auf mich hört doch keiner", gab er damals zu bedenken. Doch bei der Wahl erhielt der junge Mann die meisten Stimmen. Von Anfang an sehr am Herzen lag ihm der Kontakt zwischen jung und alt in der Sängergemeinschaft. Und gegen das Vorurteil "ein Verein ist ein Haufen unzufriedener Menschen" habe er immer versucht, positiv anzukämpfen, sagt Geller. Dass im MGV neben der Kameradschaft auch die Qualität des Singens einen hohen Stellenwert einnimmt, davon zeugen die jährlichen Liederabende und Weihnachtskonzerte. Gern blickt der Ehrenvorsitzende auch auf die zahlreichen Jubiläumsveranstaltungen zurück. Als Superabschluss seiner Tätigkeit als Vorsitzender des MGV nennt Geller den Titel "Meisterchor des Sängerbunds Rheinland-Pfalz", den der Männerchor 2004 erhielt. "Das Amt des Vorsitzenden ist mit sehr viel Arbeit verbunden, der ich mich gerne gestellt habe", sagt Geller. Immer wieder habe er in persönlichen Gesprächen versucht, Sänger für den Verein zu gewinnen - egal welchen Alters. Und stolz könne der Chor sein auf sein Durchschnittsalter von unter 50 Jahren. Ehrenurkunden an den Wänden und jede Menge prall gefüllter Ordner mit Dokumenten rund um das Chorgeschehen zeugen vom jahrzehntelangen Einsatz des Vorsitzenden. Das A und O in einem Verein ist die Zuverlässigkeit aller Mitglieder, lobt Geller die Chorgemeinschaft. So hielt er es, wie seine Sangesbrüder, immer mit dem Spruch des ehemaligen Chorleiters Heinrich Scheid: "Ist man von der Arbeit müde, hat man immer noch Kraft zu einem Liede". Stütze war ihm in all den Jahren auch seine Ehefrau. Dass Geller, der seit 1979 zudem im Kirchenchor seine Stimme erhebt und sich in zahlreichen anderen Vereinen ehrenamtlich engagierte, den Vorsitz nach 40 Jahren niederlegte, hat einen ganz einfachen Grund: "Auch Jüngere sollen die Gelegenheit zu dieser verantwortungsvollen Aufgabe bekommen." Singen ist gesund - in diesem Sinne wird der Bassist auch weiterhin dem Männergesangverein treu bleiben - und auf Wunsch gerne mit Rat und Tat zur Seite stehen.