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Geschichte: Das Smartphone als archäologisches Fenster

Geschichte : Das Smartphone als archäologisches Fenster

Das grenzübergreifende Projekt „ARmob“ simuliert historische Bauten auf dem Smartphone.

Die Römer haben in unserer Region zahlreiche Spuren hinterlassen: Kelteranlagen, Grabstätten, Wohnhäuser und andere Bauten. Für Archäologen ist die Region eine wahre Fundgrube. Auch in Kinheim siedelten bereits die Römer.

Bei Flurbereinigungsarbeiten im Ortsteil Kindel wurden 1976 Mauerreste von zwei römischen Gebäuden entdeckt, von denen im Rahmen einer Notgrabung das größere der beiden Gebäude untersucht wurde. Dabei stellte man fest, dass es sich um ein Herrenhaus eines römischen Landgutes handelte, das dem Grundriss nach im Stil des einfachen gallischen Villentyps („villa rustica“) in der Mitte des zweiten Jahrhunderts erbaut wurde. Etwa in der ersten Hälfte des dritten Jahrhunderts wurde dieses Gebäude abgebrochen und durch einen größeren Neubau ersetzt, der über 22 Räume verfügte.

Größter Raum dieser Villa, die schon mittels einer Fußbodenheizung beheizt werden konnte, war die Mittelhalle, die wohl als Küche und Arbeitsdiele genutzt wurde. Insgesamt acht Räume gehörten zum großen Badetrakt. Die im Zuge der Grabung freigelegten Mauerreste wurden anschließend wieder zugeschüttet, um sie so zu konservieren. Lediglich ein Teil des Heizraums der Mittelhalle wurde freigelegt, um dem Besucher wenigstens einen kleinen Eindruck dieses Landguts zu bieten.

Archäologen haben rekonstruiert, wie diese prächtige römische Villa einmal ausgesehen hat. Und bald können Touristen und an der römischen Geschichte interessierte Menschen sich vor Ort selbst ein Bild machen. Moderne Technik hilft, diesen und viele andere verborgene antike Schätze ins rechte Licht zu rücken. Das Projekt nennt sich „ARmob“ und ist ein transnationales Leader-Projekt. Trägerin ist die Universität Trier.

 Durch ARmob sollen dem Besucher mit Hilfe von Augmented Reality (AR) 105 Objekte in Luxemburg und Rheinland-Pfalz präsentiert werden – vom Grabhügel, über Villen und Tempel bis hin zu Burgen – wie zum Beispiel die spätrömische Kelteranlagen Erden, die römische Villa Wittlich oder die römische Villa mit nahegelegenem Tempel und Grabhügel in Lösnich.

Weitere Objekte in der VG Traben-Trarbach sind neben der römischen Villa in Kinheim das römische Mühlrad am Kluckertsbach, die Starkenburg, die Grevenburg, die Keltensiedlung bei Kautenbach und das spätkeltische Wagengrab bei Enkirch. Daneben werden historische Stätten virtuell rekonstruiert in Bitburg (römische Stadtmauer), Fließem (römische Villa Otrang), Bollendorf (römische Villa), Dhronecken (Burg), Hermeskeil (römisches Militärlager), Waldrach (Ruwer-Wasserleitung), Kastellaun (Burg), Longuich (römische Villa), Newel (römische Villa), Schleidweiler (römische Villa), Stadtbredimus (römische Brücke). Herzstück von ARmob ist eine App für Smartphones oder Tablets. Vor Ort genügt eine Infotafel mit einem QR-Code zum Download der App. Die Rekonstruktionen werden an ihren originalen Orten mit Hilfe der App als 3D-Modelle größen- und lagegetreu auf dem Bildschirmen von Tablets und Smartphones der Benutzer gezeigt und in Echtzeit in die reale Landschaft eingeblendet. Der Besucher kann sich dem Objekt nähern oder es umschreiten und erhält so ein sehr realistisches Bild. Die Modellierungen sind Teil eines Informations- und Führungssystems: Informationen werden in fünf Sprachen angeboten, ein Routenplaner ermöglicht die Planung und das Auffinden der Standorte. Professor Torsten Mattern vom Fachbereich Klassische Archäologie an der Uni Trier erklärt: „Derzeit ist ein touristisches Konzept in Vorbereitung, das mit den regionalen Touristikorganisationen abgestimmt werden wird. Erst dann wird festgelegt werden, wann das System für die Öffentlichkeit nutzbar ist.“

Insgesamt investieren Rheinland-Pfalz, Luxemburg und die EU in das Projekt ARmob 1,42 Millionen Euro. Die Gemeinden müssen für jedes Objekt einmalig zwischen 2000 und 4000 Euro zahlen. Ab dem Jahr 2025 kommen Server-Kosten von jährlich rund 200 Euro dazu.