Das süße Leben des Hans Imhoff

Er gehört zur Gründergeneration des Wirtschaftswunders: Hans Imhoff. In Bullay begann der steile Aufstieg des Schokoladenkönigs, der im Alter von 85 Jahren in Köln verstorben ist.

Bullay/Köln. (pie) Die Leidenschaft für Schokolade hat sein Leben geprägt: Hans Imhoff sehnte sich schon als Kind nach ihr, schwärmte als Erwachsener von dem Geheimnisvollen und Mystischen dieser süßen Liaison. Für die hatte er auch ein unternehmerisches Händchen. Er sanierte Stollwerck, kaufte später Sprengel und Sarotti. Doch die Karriere begann nicht in seiner Heimatstadt Köln, sondern an der Mosel. In Alf gründete er sein erstes Unternehmen.Im Mai 1945 bietet der junge Imhoff den englischen Militärbehörden an, bei der Nahrungsmittelverteilung zu helfen. Weil er kein NSDAP-Mitglied gewesen ist, erhält er eine Lizenz. Clever, wie er ist, entdeckt der 23-Jährige schnell ein weitaus besseres Geschäft: den Kompensationshandel. Kurz gefasst lässt er sich auf die Formel bringen: Tausche Scheren aus Solingen gegen Spätlese von der Mosel. Inzwischen kennt er Land und Leute an der Mosel. Er beantragt bei Landrat Ewald Theodor Drathen im Oktober 1945, einen Lebensmittelgroßhandel einrichten zu dürfen. Er steigt innerhalb weniger Monate zum größten Lebensmittelversorger der Region auf.Schon bald braucht er eine größere Lagerhalle und kauft die stillgelegte Ziegelei in Bullay. Als erstes baut er eine Feldküche, tauscht mit Eifelbauern Mangelware gegen Schweinefleisch. Jeder Arbeiter darf mittags soviel Eintopf essen, wie er Hunger hat. Die Währungsreform 1948 ist die Geburtsstunde seiner Schokoladenfabrik. Von Stollwerck in Köln engagiert er den Produktionschef, seine Mitarbeiter schickt er los, um Waren gegen Care-Pakete einzutauschen. Denn sie enthalten, was sein Herz begehrt: Schokolade.In Bullay wird sie in Blechtöpfen über Spirituskochern eingeschmolzen, Arbeiterinnen verteilen den braunen Guss auf weiße, zuckrige Fondantstücke. Die Schokoladenproduktion rollt erst richtig an, als im Mai 1949 wieder Kakaobohnen nach Deutschland geliefert werden. 1952 beschäftigt Imhoff 450 Menschen. Während der Hauptsaison von September bis März arbeiten sie in drei Schichten. Pro Schicht verlassen 35 000 Tafeln Schokolade, 10 000 Packungen Pralinen, 1000 Kilo Cognacbohnen und 2500 Kilo Bonbons das Bullayer Werk. Imhoff ist es auch, der im September 1964 das erste Bullayer Herbstfest mitinitiiert. Gleichzeitig präsentiert er die weltweit größte Produktionsstraße für Schokolade. Während das Geschäft läuft, schaltet er sich in die Kommunalpolitik ein. Acht Jahre dauert sein politisches Engagement, dann ist seine ganze Kraft als Stollwerck-Sanierer gefordert. Stollwerck wird schließlich zum Zentrum seines Imperiums, Bullay gerät ins Abseits. 1982 schließt er die Fabrik, in der sein Aufstieg begonnen hat, und lässt alles einebnen. Das Kapitel Imhoff ist an der Mosel damit dem Boden gleich gemacht . . . wären da nicht die vielen Erinnerungen, die heute mit einer wehmütigen Süße dahinschmelzen.