Das verschwundene Dorf im Liesertal

Das verschwundene Dorf im Liesertal

Auf dem Gebiet Unkenstein bei Plein gab es ein mehrere Hektar großes Dorf, das im 17. Jahrhundert ausgestorben ist. Vieles erinnert in Plein noch daran, beispielsweise die Unkensteinhalle, die Kapelle oder Gemarkungsnamen.

Plein. Wer heute zwischen Wittlich und Plein unterwegs ist, sieht auf der linken Seite das Schild Unkenstein, einige Meter weiter ein Heiligenhäuschen, in dem heute der heilige Antonius seinen Platz hat, und das im Volksmund Unkenkapelle heißt. Hier an der Lieser, wo jetzt Wiesen und Wald sind, stand einmal ein Dorf mit Namen Ankes.
Erstmals erwähnt ist es urkundlich 1346. Warum es im 17. Jahrhundert ausgestorben ist, kann nicht genau festgestellt werden. Es könnte einer Pest-Epidemie zum Opfer gefallen sein, eine andere Theorie besagt, dass dort so viele Schlangen gewesen seien, dass die Bewohner das Dorf hätten verlassen müssen. Ein Teil der Einwohner ist wohl den Berg hinauf nach Plein gezogen. Gregor Koller, ehemaliger Bürgermeister von Plein: "Das Wort Unkenstein kommt ja von Unkes, und das ist eine Schlangenart. Als ich noch klein war, in den 1940er Jahren, habe ich da auch Kreuzottern gesehen. Ob das Dorf Ankes aber deshalb untergegangen ist, kann ich nicht sagen. Wahrscheinlicher ist laut verschiedenen Forschern, dass es die Pest war, die dem Dorf zum Verhängnis geworden ist."
Wie das Dorf ausgesehen hat und wie groß es war, ist heute nicht mehr genau nachzuvollziehen. "Aber es werden mehrere Hektar gewesen sein, es wurde dort beispielsweise Wein angebaut, das ist urkundlich belegt", so Koller weiter. Ankes war dort, wo heute die Gemarkung Unkenstein ist. Der Name Unkenstein taucht aber erst 1715 auf. Zum Gebiet Unkenstein gehören die Flure Kelterwiese, Wingert, Im Winkel, Scheiderwiese, Otterbach, die Kapelle "Ankester Jakob" - heute Antoniuskapelle (siehe Extra) und das Jagdschlösschen Im Flürchen. Es gibt auch ein Flurstück Ankes. 1929 sind Pleiner bei Rodungsarbeiten im Flurstück Im Winkel auf Gemäuer gestoßen und haben zwei Tontöpfe gefunden.
Im Dorf Ankes gab es auch eine Kirche, die mit Glocke, Kelch und Altar ausgestattet und dem heiligen Jakobus geweiht war. 1715 war sie in einem erbärmlichen Zustand und wurde renoviert. In der Zeit der Säkularisierung wurde die Kirche zerstört. Die Glocke kam nach Plein, wo sie heute noch ist.
Anstelle der Kirche steht heute, unterhalb des Hauses Anton, die Antoniuskapelle. Es wird vermutet, dass das Portal des Häuschens das Tor der früheren Kirche ist. In Plein erinnern die Unkensteinhalle, die Kapelle und die Schlange im Wappen der Gemeinde an das untergegangene Dorf.Extra

Dort, wo früher Ochsengespanne die Lieser durchquerten, im Gebiet Unkenstein, war bis Ende des 17. Jahrhunderts der Ort Ankes. Die Kapelle (Foto oben rechts) war zunächst dem heiligen Jakobus geweiht, heute hat dort der heilige Antonius seinen Platz. An der Stelle, an der das Kapellchen steht, war früher die Kirche des Ortes Ankes (Foto rechts). TV-Fotos: CHristina Bents (2)/privat (2).

Jakobus und Antonius: Die Kirche von Ankes war dem heiligen Jakobus geweiht. Für die Kapelle, die nach der Säkularisierung auf deren Platz gebaut wurde, wurde der Patron übernommen. Dann aber wurde eine Frau, aus der näheren Umgebung des Kapellchens, schwer krank. Sie machte eine Wallfahrt zum heiligen Antonuis von Padua und wurde wieder gesund. Zum Dank hat sie eine Statue des heiligen Anton schnitzen lassen und im Kapellchen aufgestellt. Der heilige Jakobus ist in die Pleiner Kirche gekommen. So wurde aus dem Ankester Jakob- Kapellchen die Antoniuskapelle. chb Unter Landmarken versteht man außergewöhnliche Formationen im Gelände, die zum Beispiel Wanderern zur Orientierung dienen. In der neuen Serie "Landmarken der Region" werden solche Objekte im Landkreis Bernkastel-Wittlich vorgestellt. Dabei kann es sich um natürliche, aber auch um vom Menschen geschaffene Wahrzeichen handeln, deren Geschichte und Eigenschaften erläutert werden. red

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