Das Wandern ein wenig neu erfinden

Brauchtum : Hunsrückverein will sich neu aufstellen

Die Mitgliederzahl des Hunsrückvereins sinkt, die Zahl der Ortsgruppen ebenso. Geschäftsführer Frank-Dieter Rentmeister hat frische Ideen, um dem entgegenzuwirken.

Wer den Geschäftsführer des Hunsrückvereins, Frank-Dieter Rentmeister, besucht, lernt schon auf dem Hinweg den Hunsrück und seine wilde Romantik kennen. Über das Dorf Gehlweiler, das als Kulisse für das Hunsrückdorf Schabbach im Edgar-Reiz-Film „Heimat“ diente“ über die Ortschaft „Abendstern“ geht es von Rhaunen kommend nach Königsau, einem Ort mit knapp 60 Einwohnern, der sich an einen Hang im Simmerbachtal schmiegt.

Bis dorthin gibt es Fachwerkhäuser, weite Felder, Schieferfelsen und dichte Wälder zu sehen - diese beeindruckende Landschaft mag ein wichtiger Grund sein, warum der 74-jährige ehemalige Druckereibesitzer sich mit viel Energie dafür einsetzt, den Hunsrückverein nach vorne zu bringen.

„Ich war schon immer ein Vereinsmensch, durch und durch, und mir macht es Freude, ehrenamtlich zu arbeiten,“ sagt Rentmeister, der seit zehn Jahren in Pension ist und sich so einen Ausgleich sucht. Seit Dezember 2016 ist er Geschäftsführer des Vereins und hat noch viele Pläne. „Das ist ein Halbtagsjob, denn ich mache die Pressearbeit und gebe auch das Jahrbuch des Vereins heraus,“ erklärt Rentmeister. Sein Ziel: „Wir müssen den Hunsrückverein wieder ins Gespräch bringen!“ Dazu hat er gute Gründe, denn die MItgliederzahl des Traditionsvereins sinkt. 1890 wurde er als „Verein für Mosel, Hochwald und Hunsrück“ gegründet. Er unterhält Wanderwege und Wanderheime und pflegt Forschungen zur Natur- und Heimatgeschichte. Waren es aber 1995 noch 25 Ortsgruppen mit 3000 Mitgliedern, so sind es 2018 nur noch 15 Ortsgruppen mit 2000 Mitgliedern, wie Rentmeister erläutert.

Zwar gebe es viele Wanderwege, darunter auch die gut ausgebauten Traumschleifen, aber das Gruppenwandern sei nicht mehr so nachgefragt. Junge Menschen würden lieber individuell wandern, meint Rentmeister. „Wir haben Mitgliederschwund, heute kommt keiner mehr von sich aus zu uns. Deshalb müssen wir was anbieten,“ sagt er.

Ein Beispiel dafür sei die 30-Kilometer-Wanderung in Kirn im vergangenen Jahr gewesen. So lange Wanderungen, für die auch noch eine Gebühr verlangt werde,  seien normalerweise im Verein nicht üblich, aber die hohe Beteiligung habe gezeigt, dass solche Events ankommen. Sogar Wanderer aus Mannheim und Alzey seien gekommen. „Für das Startgeld gab es auch Tee, Müsli und Obst. Wir wollen junge Leute erreichen und  müssen die Kosten aber  auch decken,“ sagt Rentmeister, der bei dem Marathon 31 Gastwanderer zählte.

 Wander-Events wie der Marathon und auch eine stärkere Präsenz in den sozialen Medien sind Maßnahmen, die Rentmeister vorschlägt. „Wir müssen Wander-Events schaffen, Schulen anschreiben und besuchen. Dann können wir den Dialog mit den jungen Menschen führen, um sie für einen Wanderverein zu begeistern,“ schlägt er weiter vor.

Schließlich sei Wandern eine Trendsportart und mit entsprechenden Angeboten könne man weitere Personengruppen erreichen. So plant Rentmeister für 2019 ein „Gesundheitswandern“ mit zertifizierten Gesundheitswanderführern.

Ein großes Ziel sei ein Hunsrückverein-Wanderweg. „Man könnte vorhandene Wege nutzen, um eine große Etappenwanderung zusammenzustellen. Wer diese am Stück oder innerhalb von mehreren Monaten abwandert, erhält eine Urkunde,“ sagt Rentmeister.

Ein weiteres Standbein sei auch das Jahrbuch des Hunsrück-Vereins (der TV berichtete), dessen Absatzmarkt Rentmeister vergrößern will. „Da steckt viel Arbeit drin und das sollten wir besser vermarkten,“ findet er. Der Termin für die nächste Präsentation steht schon fest: „Das wird am 9. November 2019 in Enkirch sein. Das wird ein Event.“

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