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"Das war alles beschlossene Sache"

"Das war alles beschlossene Sache"

WITTLICH-NEUERBURG. So hatten sich die Eltern die Versammlung in der Kindertagesstätte (Kita) Neuerburg nicht vorgestellt: Enttäuscht mussten sie feststellen, dass die Streichung des Kita-Busses für die Kinder aus Dorf längst beschlossene Sache ist. Nun prüft der Elternausschuss, ob er mit einer verwaltungsrechtlichen Klage gegen die Entscheidung der Kreisverwaltung vorgeht.

"Wo ist die Logik?" Die Eltern aus dem Wittlicher Stadtteil Dorf, deren Kinder in die Kita des Nachbarstadtteils Neuerburg gehen, verstehen die Welt nicht mehr. Weil zwischen den beiden Stadtteilen Neuerburg und Dorf kaum noch eine Bebauungslücke ist, handelt es sich auch nicht mehr um zwei selbstständige Stadtteile. Deshalb, so die Argumentation der Kreisverwaltung, sei es auch nicht mehr angemessen, dass die Kinder aus Dorf auf Kosten der Kreisverwaltung mit dem Kita-Bus nach Neuerburg gefahren werden (der TV berichtete). Die Eltern verstehen daran hauptsächlich zweierlei nicht. Zum einen: Da der Bus auf der gegenüberliegenden Seite der viel befahrenen Ahornstraße, an der die Kita liegt, nicht halten darf, muss er im Neuerburger Industriegebiet wenden und fährt dann durch Dorf wieder zur Kita. "Wo ist dann der Mehraufwand, wenn dort auch die Haltestelle angefahren wird", fragen die Eltern. Und zum anderen: Obwohl das ebenfalls im Drei-Stadtteile-Eck gelegene Bombogen einen eigenen Kindergarten hat, werden die Bombogener Kinder anstandslos weiter mit dem Kita-Bus nach Neuerburg transportiert - Dorfer Kinder aber nicht. "Und das, obwohl man von Dorf aus je nach Wohnort eine weitere Strecke zur Kita zurücklegen muss als manch einer aus Bombogen", sagte Vater Stefan Kaspari bei der Elternversammlung, die wegen des Aufruhrs um die neuen Buspläne einberufen wurde. Bei der Versammlung hofften die Eltern, die Kreisverwaltung umstimmen zu können. Doch der zuständige Sachbearbeiter, Günter Zimmer, teilte mit, dass Ende Mai - zeitgleich mit dem Informationsschreiben an die Kita - auch die Verträge mit den Busunternehmen für die Beförderung der Kinder aus Dorf gekündigt wurden. Das machte die Eltern fassungslos. Zumal die Streichung des Busses nur knapp drei Monate vor dem neuen Kindergartenjahr beschlossen wurde. "Wie soll ich das jetzt so schnell umorganisieren? Ich habe keine Ahnung, wie ich das schaffen soll", sagte eine Mutter. Wie ihr geht es vielen. In vielen Familien gibt es nur ein Auto, oder beide Elternteile arbeiten. "Da ist ein Kita-Bus ein wichtiges Qualitätsmerkmal, das ausschlaggebend für die Wahl einer Kita sein kann", sagt Kita-Leiterin Erni Schaaf-Peitz. Sie berichtet von Eltern, die sich bei den Vorstellungsgesprächen für das kommende Kindergartenjahr extra nach dem Bus erkundigt hätten. "Dann wäre es für mich ja viel leichter, mein Kind am Arbeitsort zur Kita zu bringen statt am Wohnort", sagte eine Mutter. Nur sei nun die Anmeldefrist abgelaufen.Letzter Ausweg: Klage

Die Gleichbehandlungs-Argumente der Kreisverwaltung (siehe Hintergrund) leuchteten Eltern nicht ein. "Wenn, dann sollte man offen damit umgehen und einfach sagen: Wir wollen eben Kosten sparen", sagte Ruth Thiesen, Vorsitzende des Elternausschusses. Was sie zusätzlich enttäuscht: Auf ein Schreiben an Landrätin Beate Läsch-Weber, das sie am 23. Juni zusammen mit Stefan Scholtes im Namen des Elternausschusses verfasste, steht eine Antwort noch aus. Im Kreisausschuss wurden die Eltern nicht angehört. Der Kritikpunkt, dass die Entscheidung recht kurzfristig sei, ließ dann aber auch Zimmer nicht kalt. Er versprach zu prüfen, ob für die ersten drei Monate des neuen Kindergartenjahres eine Übergangsregelung möglich ist. Zudem will er herausfinden, ob für die Eltern die Möglichkeit einer verwaltungsrechtlichen Klage gegen die Entscheidung besteht. Das könnte jedoch ein langwieriges Verfahren werden, weshalb die Eltern davon zunächst nicht unbedingt Gebrauch machen wollen. Im Gespräch ist auch, dass die Eltern in Eigenregie Verträge mit den zuständigen Busunternehmen machen - und dann natürlich auch für die Kosten aufkommen. Für die Eltern steht jedenfalls fest: "Das wollen wir so nicht hinnehmen."