Das Weinschiff ist ein Renner

Die "Stella Noviomagi" sorgt bundesweit für Aufmerksamkeit. Selbst das rheinland-pfälzische Kabinett hat auf dem 2007 in Dienst gestellten Nachbau des Römischen Weinschiffs schon Politik gemacht.

Neumagen-Dhron. Willi Herres und Karl-Josef Hoffmann halten mit ihrer Begeisterung nicht hinter dem Berg: "Unsere Erwartungen sind übertroffen worden", sagen die beiden und ziehen damit eine erste Weinschiff-Bilanz. Vor einem Jahr wurde die "Stella Noviomagi", der Nachbau des Römischen Weinschiffs, in Dienst gestellt (der TV berichtete).

Heimathafen ist Neumagen-Dhron. Dort kümmern sich Leute wie Ortsbürgermeister Willi Herres und Karl-Josef Hoffmann darum, dass das Schiff möglichst oft seinen Heimathafen verlässt und zu meist zweistündigen Touren aufbricht. Hoffmann, der sich im Vorruhestand befindet, verrichtet die Organisations-Arbeit sogar im Auftrag der Gemeinde.

"Wirkung ist mit Geld nicht zu bezahlen"

 Prominentester Gast war bisher Ministerpräsident Kurt Beck, der mit seinem Kabinett auf dem Schiff tagte. TV-Foto: Archiv/ Willi Speicher
Prominentester Gast war bisher Ministerpräsident Kurt Beck, der mit seinem Kabinett auf dem Schiff tagte. TV-Foto: Archiv/ Willi Speicher



"Das ist ein Vollzeit-Job. Jeder Buchung gehen zehn bis 15 Kontakte voraus", erzählt er. Zudem ist Hoffmann oft als "Schiffsjunge" bei Fahrten mit an Bord. Schließlich muss das Schiff immer mit zwei Mann, Kapitän und Schiffsjunge, besetzt sein. Und davon gibt es derzeit nur jeweils vier.

Etwa 300 Fahrten wird das Schiff hinter sich gebracht haben, wenn es Ende Oktober ins Winterquartier im Yachthafen umzieht. Die Saison begann Anfang April. Das bedeutet, dass durchschnittlich mehr als eine Fahrt pro Tag stattfand.

Natürlich läuft der Betrieb während der Woche nicht auf Hochtouren. An Wochenenden sind aber fünf bis sechs Fahrten pro Tag keine Seltenheit.

Etwa 10 000 Passagiere dürfte das Schiff in seiner ersten vollen Saison transportiert haben. Dazu muss man wissen, dass das Schiff nicht im Linienverkehr eingesetzt wird. Es kann nur für 380 Euro gechartert werden: zum Beispiel von Personen, Firmen und Vereinen. Außerdem bietet die Volkshochschule Neumagen-Dhron regelmäßig samstags und sonntags Fahrten an.

"Viele Gruppen und Firmen haben das Schiff gechartert", berichten Herres und Hoffmann. Auch Hotels und Weingüter bieten ihren Gästen und Kunden Fahrten an. Auch einige Orte an der Mosel haben das Schiff schon ausgeliehen.

Etwa 80 Prozent der Passagiere kommen von außerhalb der Region. Prominentester Gast war bisher Ministerpräsident Kurt Beck, der mit seinem Kabinett auf dem Schiff tagte. Ein Auftritt von Stargeiger Andre Rieu, der für eine Fernsehsendung aufgezeichnet werden sollte, wurde kurz vorher abgesagt.

Berichte über das Weinschiff seien republikweit zu lesen, zu hören und zu sehen gewesen, berichten Herres und Hoffmann. Auch im Ausland habe es Resonanz gegeben. Dies gelte es fortzusetzen. Man denke derzeit über mögliche Vermarktungs-Strategien nach. Anfangs habe es innerhalb des Ortes manche Widerstände und Fragen nach dem Sinn des Schiffes gegeben. Diese Stimmen seien verstummt.

Überall seien der Name des Ortes, der Verbandsgemeinde und der Region aufgetaucht. "Das ist eine enorme Wirkung, die mit Geld gar nicht zu bezahlen ist", sagt Herres.

Meinung

Traumstart

Es gibt wenige Projekte im touristischen Bereich, die nach so kurzer Zeit zu einem solchen messbaren Erfolg führen wie der Nachbau des Neumagener Weinschiffs. 10 000 Gäste schon im ersten Jahr bei rund 400 000 Euro Investition, das kann sich mehr als nur sehen lassen. Denn damit schrumpft die Subvention pro Fahrgast schon im ersten Jahr auf einen Wert, von dem Großprojekte wie der Nürburgring und vermutlich zurzeit auch der Flughafen Hahn - so man die tatsächlichen Kosten und echte Gästezahlen rechnet - vermutlich nur träumen können. Diese Relation wird sich in den kommenden Jahren noch verbessern - und dabei sind die nicht messbaren Image-Effekte gar nicht eingerechnet. Wichtig ist nun, dass der Erfolg durch eine nachhaltige Vermarktung zumindest konserviert wird, bevor das publizistische Interesse sich legt. l.ross@volksfreund.de