Das Wittlicher Wander-Debakel

WITTLICH. Vorschlag zur Güte: Der Wirtschaftsausschuss der Stadt hat nun beschlossen, sich dafür einzusetzen, dass Wittlich mit einer Nebenstrecke an den "Eifelsteig" angeschlossen wird. Der "Eifelsteig" wird als einer der zehn Top-Routen Deutschlands beworben – und zum großen Entsetzen liegt Wittlich samt Lieserpfad nicht an der Hauptstrecke.

Sanfter Tourismus boomt: Bundesweit zählt das Deutsche Wander-Institut 35 Millionen Menschen, die regelmäßig auf Schusters Rappen die Welt erkunden. Und von dieser Wanderbewegung wollen natürlich auch Wittlich und das Umland profitieren. Da kommt der "Eifelsteig" wie gerufen. Für Wanderer hat Wittlich einiges zu bieten: Lieserpfad, Lage am 50. Breitengrad mit Aussichtspunkt am Weinberg, die römische Villa und einst verlief ein Pilgerweg von Aachen über Wittlich und Trier nach Rom, der in einer Pilgerkarte aus dem 16. Jahrhundert eingetragen ist, die als älteste Straßenkarte Europas gilt (der TV berichtete). Selbst Prüm und Bitburg liegen nicht am Eifelsteig

Doch beim "Eifelsteig" hatte Wittlich Pech. 50 vom Deutschen Wanderverband geschulte Wegepaten haben im Auftrag der Eifeltourismus GmbH (ET) die Route Mitte 2006 festgelegt: Auf 300 Kilometern geht's von Aachen über Monschau und Blankenheim nach Daun, Manderscheid, Landscheid, Arenrath, Bruch, Gladbach, Niersbach, Heidweiler, Zemmer und Trier. Der nordrhein-westfälische Streckenabschnitt soll diesen Herbst eröffnet werden, der Rest 2008. Kompromissvorschlag für die Wittlicher, die trotz ihrer Naturschönheiten und historischen Sehenswürdigkeiten nicht an der Hauptstrecke liegen, ist nun ein so genannter Submarkenweg, eine Art Nebenstrecke des "Eifelsteigs". Dagegen wehrte sich die Wittlicher Ortsgruppe des Eifelvereins und die CDU-Stadtratsfraktion. Grund: "Die Kosten für den Submarkenweg sind genauso hoch wie für die Hauptstrecke, ohne dass wir den gleichen Wander-Zulauf und damit die gleiche Wertschöpfung erwarten dürfen." Deshalb stellte die CDU-Fraktion einen Antrag, der Stadtrat möge beschließen, die ET aufzufordern, die "Eifelsteig"-Route zu ändern. Über diesen Antrag beriet der Wirtschaftsausschuss. Der Kritik, die Stadt habe sich nicht genug dafür eingesetzt, an die Hauptstrecke zu kommen, entgegnete Wittlichs Bürgermeister Ralf Bußmer: "Wir haben mehrfach mit Eifelverein und der ET gesprochen und alles getan, damit der Weg hier durchgeht. Aber man muss erkennen, wann man Chancen hat und wann nicht." Vor dem Hintergrund dieser intensiven Bemühungen sei ja der Kompromiss mit dem Submarkenweg entstanden, der von Manderscheid/Karl über Minderlittgen, Plein und Wittlich nach Altrich, Dreis, Dodenburg, Heckenmünster und Dierscheid führt und in Zemmer wieder an den Hauptweg anschließt. Bußmer: "Auch wenn uns diese Vari-ante weniger gefällt, wir haben keine andere Chance." Gegen den Vorwurf, die ET habe Wittlich nicht berücksichtigt, weil Wittlich nicht Mitglied in der ET, sondern in der Moselland Touristik ist, entgegnete Bußmer: "Bitburg und selbst Prüm als ET-Geschäftsstellensitz liegen nicht am Hauptweg. Wir haben wenigstens die Möglichkeit, die Nebenstrecke zu bekommen." Um aber den Submarkenweg, der genauso beworben, ausgeschildert und ausgebaut wird wie die Hauptstrecke, beantragen zu können, müssen die Orte entlang der geplanten Nebenstrecke zustimmen, die Kosten von 990 Euro pro Kilomter zu übernehmen, die der Weg durch ihre Gemarkung läuft. Das Land übernimmt 65 Prozent der Kosten. So dass etwa Landscheid für knapp zwölf Kilometer zur Herstellung des Wegs einmal 1500 Euro zahlt und dann jährlich 1200 Euro Unterhaltungskosten einkalkuliert. Geplant wird die Nebenstrecke aber nur, wenn alle Orte zustimmen. Dabei setzt die Verbandsgemeinde Wittlich-Land natürlich auf die Stadt, damit diese Tourismus-Chance am Ende nicht ungenutzt verstreicht. Der Wirtschaftsausschuss votierte mit acht Stimmen (bei vier Enthaltungen) für den Submarkenweg. Über diesen Beschlussvorschlag wird am Donnerstag der Stadtrat entscheiden.