Das Zimmer voller Geigen

KRÖV. Im Haus von Winzer Hartmut Beth hängt der Himmel voller Geigen. Vor mehr als 20 Jahren kaufte er das erste Instrument, mittlerweile ist seine Sammlung auf mehr als 30 Violinen angewachsen.

Mit sanfter Hand streicht Hartmut Beth über den Geigenboden, fast liebevoll berührt er die Saiten einer Violine, die er 1984 auf einem Flohmarkt in Zell käuflich erworben hat. Fürs Pressefoto hat der passionierte Geigensammler einige seiner Instrumente auf Tisch und Sofa ausgebreitet, denn normalerweise bewahrt er die Geigen verschlossen im Schrank auf. Hier und da sind auch noch alte, hölzerne Geigenkästen vorhanden. All seine Sammelstücke hat Beth auf Flohmärkten der Region gefunden. "Besonders nach der Wende kamen plötzlich sehr viele Instrumente rüber", berichtet Beth. So war er jahrelang von Koblenz bis Luxemburg auf der Suche nach den wohlgeformten Schönheiten - immer auch mit dem Wunschgedanken, vielleicht einmal ein kostbares Instrument berühmter Geigenbauer zu erstehen. Auslöser für Beths Leidenschaft war ein schönes Instrument, das er einst auf dem Trierer Flohmarkt entdeckte - und das möglicherweise ein Instrument des Pariser Geigenbauers Vuilleaume ist, dessen hervorragende Stradivarius-Kopien sehr geschätzt sind. Zu lange hatte Beth überlegt, ob er die Geige kaufen sollte. Denn als er zurückkam, war sie nicht mehr da. "Da hab' ich mir gedacht, das passiert dir nicht nochmal", gibt Beth zu. Von da an konnte nichts mehr seine Sammelleidenschaft aufhalten. Die Liebe zu den geschwungenen Formen

Für den Kröver Winzer, der den Instrumenten ihren Klangzauber mit eigener Hand nicht entlocken kann, ist eine Violine ein sehr "ästhetisches Musikgerät". Er liebt die geschwungenen Formen, die edlen Hölzer, die schönen Maserungen und staunt über die hervorragende handwerkliche Arbeit und den guten Lackzustand der alten Instrumente. Seine Informationen über die Violine, die ihren Ursprung in Norditalien hat, holt er aus dem dicken Wälzer "Die Kunst des Geigenbaus", den er ebenfalls auf einem Flohmarkt entdeckte. Stundenlang kann er sich dort hinein vergraben und die Abbildungen mit seinen eigenen Geigen vergleichen. Auf der Innenseite der Geigenböden ist mehrfach die berühmte Geigenbauerschule in Cremona eingraviert, sind Daten von 1500 bis 1700 zu lesen und so bekannte Namen alter italienischer Geigenbauer wie Amati, Stradivari, Guarneri oder dem Franzosen Vuilleaume, einem Stradivari-Schüler, zu entziffern. Doch leider bezeugen diese Eingravierungen nicht die Echtheit des Instruments. Für Expertisen scheut der Sammler die Kosten. "Auch wenn ich gerne wüsste, ob sich nicht doch ein kostbares Exemplar in meiner Sammlung verbirgt", sagt Beth. Eine seiner Geigen hat er einer jungen Orchestermusikerin zum Spielen verliehen. Aber nicht alle Instrumente sind in spielbarem Zustand. Da bedürfte es kleiner und auch größerer Restaurierungen. Aber für den Geigenliebhaber Hartmut Beth ist es immer wieder schön, sich die Instrumente zu betrachten, sie in die Hand zu nehmen und sich in die Geigenbauer-Geschichte zu vertiefen. DIE SAMMLER ZU UNS: Haben auch Sie ein seltenes Hobby? Mailen Sie uns doch an eifel@volksfreund.de in Kürze, welche Leidenschaft Sie nicht los lässt. Wir wählen die ungewöhnlichsten Themen aus und berichten über das, was Sie fesselt.