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Daumen hoch für das Engagement im Dorf

Daumen hoch für das Engagement im Dorf

Die häufig beklagte Politikverdrossenheit junger Leute ist in der Ortsgemeinde Neunkirchen nicht angesagt. Eine gewählte Jugendvertretung will nicht nur Projekte wie Bolzplatz- oder Jugendraumsanierung anpacken, sondern auch in punkto Energiewende und Kommunalreform aktiv werden.

Neunkirchen. Die Renovierung ihres Jugendraums hat zwar auch ihren Platz auf der Agenda des Neunkirchener Nachwuchses. Doch das Projekt steht nicht oben auf der Liste der neuen Jugendvertretung (siehe Extra), sondern steht genauso auf der Liste wie die Themen erneuerbare Energien und Tschernobyl-Hilfe. Wichtig ist den jungen Leuten auch, an einer positiven Internetpräsenz des 160-Einwohner-Ortes mitzuwirken und sich für einen Anschluss ans schnelle weltweite Datennetz (DSL) einzusetzen. Dass sie sich auch für den Gemeindewald interessieren, zeigt, wie gut sich die Jugendlichen über ihr Dorf informiert haben, das sich vor knapp drei Jahren für ein eigenes Forstrevier entschieden hatte.
"Wir wollen uns im Dorf integrieren und engagieren",sagt Benedikt Back (17), Vorsitzender der Jugendvertretung. Dazu zählt für ihn tatkräftiges Helfen ebenso wie sich in die Dorfpolitik einzubringen. Schließlich seien sie hier verwurzelt und die Jugend bekomme vieles mit, zum Beispiel die Kommunalreform. Daher hätten sie sich schon länger gewünscht, zu erfahren, "worum es geht". Windkraft und Solar liegen ihnen am Herzen, "weil es uns später am meisten trifft", verweist Back auf die heutige 70-prozentige Eigenversorgung mit Strom in Neunkirchen. Darüber hinaus wollen sie der örtlichen Tschernobyl-Hilfe Erbeskopf mit einem selbst organisierten Fest helfen, den Jugendraum renovieren und den Bolzplatz in Ordnung bringen. Bei einem Infoabend mit Vertretern aus Morbach und Hermeskeil wollen sie mehr über die Einheitsgemeinde oder den geplanten Hermeskeiler Energiesolidarpakt erfahren.
Bei Ortsbürgermeister Richard Pestemer stoßen die jungen Leute mit ihren fundierten Ideen auf offene Ohren. Er zeigte ihnen die Möglichkeit auf, eine Jugendvertretung einzurichten. Jens Jung (14) legt allerdings Wert darauf, dass die Initiative nicht von den Erwachsenen ausging, sondern von den Jugendlichen selbst: "Wir machen das aus Interesse an unserem Dorf und an Politik." Die damit verbundene Arbeit schreckt sie nicht. "Es ist ja auch unsere Zukunft - da bringe ich gern ein, zwei Stunden die Woche für auf", sagt Philip Auler (20), stellvertretender Vorsitzender. Und langweilig sei das auch nicht, betont Oliver Gorges (19). Es sei interessant, immer auf dem Laufenden zu sein.
Gemeindechef Pestemer ist stolz auf die motivierten Jugendlichen, die nicht dem Rat zuarbeiteten, sondern eigenständig handeln könnten. Engagierte junge Leute seien die Zukunft eines Dorfes. Besonders freut ihn, dass zur Jugendversammlung elf - und damit so gut wie alle - Jugendlichen kamen. urs
Extra

Die Ende 2011 gewählte Jugendvertretung vertritt die Interessen minderjähriger Neunkirchener. Sie führt an demokratische Entscheidungsprozesse heran und regt Angebote für Kinder und Jugendliche an. Dabei sollen auch die Interessen behinderter, ausländischer und arbeitloser Jugendlicher berücksichtigt werden. Die für zwei Jahre gewählten Vertreter - ein Vorsitzender und ein Stellvertreter - können in Sitzungen des Gemeinderates Anträge vorbringen. Wahlberechtigt ist, wer das zwölfte, aber noch nicht das 24. Lebensjahr vollendet hat. Die Jugendvertretung, die Arbeitsgruppen bilden oder Fachleute hinzuziehen kann, tagt mindestens viermal jährlich. Sie verfügt über ein Jahresbudget von 500 Euro und trägt die Verantwortung für die ordnungsgemäße Rechnungsführung. urs