1. Region
  2. Mosel, Wittlich & Hunsrück

Deftig, derb und ein richtiger Renner

Deftig, derb und ein richtiger Renner

Drei Tage hintereinander brachte die Theatergruppe Hetzerath vor ausverkauftem Haus das Publikum zum Lachen. Im musikalischen Kleinkunst- und Satire-Programm "Kurz aber Weilig" ging es unter anderem um Bahnhofsunterführung, Vorgärten und dem Durchfahrverbot für LKW.

Hetzerath. Davon träumen Künstler: Innerhalb einer Woche waren alle 330 Eintrittskarten für die drei Vorstellungen der Hetzerather Theatergruppe verkauft. Und die Truppe um Regisseur Ottmar Hauprich enttäuschte die Fangemeinde zum 25-jährigen Jubiläum nicht. Von Freitag bis Sonntag stand die Theatergruppe im Gasthaus Palzer mit ihrem Kleinkunst- und Satireprogramm "Kurz aber Weilig" mitsamt ihrer Band auf der Bühne.

Dabei zeigten die Laiendarsteller Mut zu Derbheit und Zoten, wie Arbeiter Kurt (Daniel Schmitz), der von einer Call-Center-Tonband-Tussie provoziert, der virtuellen Telekom-Mitarbeiterin ohne eine Reaktion befürchten zu müssen, das Aussehen von Fäkalien schildert.

Peter Maffay immer dabei



Im Kontrast dazu schwenkt das Programm mit dem Text von Jutta Klaes-Berg über die Hetzerather Bahnhofsunterführung in die gestelzte Intellektuellen-Sprache einer Kunstkritikerin, die die schmucklos-schmutzige Unterführung mit schwülstigen Sprachverrenkungen ironisch in die Höhen großer Kunst katapultiert.

Einen Höhepunkt des Programms liefern die Musiker Werner Knopp (Piano), Jochen Schmitt (Drums) und Daniel Knopp (Bass) mit ihrem Sauna-Blues. Die Saiten des Kontrabasses zupfend singt Knopp den Text des Kabarettisten Eddy Winkelmann über die Hitzequalen in der Schweißzelle so trocken und cool, dass sich mancher Zuschauer spätestens ab diesem Punkt fragt, warum "Kurz aber Weilig" nicht auf Tour geht. An der Qualität liegt es nicht.

Von Daniela Minnebecks sprachraffiniertem Solo-Auftakt mit einem Gemüsekrimi, bis hin zu Daniel Schmitz' aufklärenden Gedanken darüber, dass Frauen zuhause "rödeln", wogegen Männer einfach nur "wohnen".

Die Nummern verbindet ein Running Gag: Peter Maffay und seine Nachtgedanken. Daniel Zimmer liest in typischer Maffay-Manier Reime mit dem Tiefgang einer Luftmatratze zu Themen wie Motorradbraut, Furunkel und Steak. Nach dem ersten Auftritt ist das Publikum vorbereitet und findet's zum Schreien komisch. "Und dass das Feuer in euch weiter brennt", wünscht Maffay und es brennt - drei Stunden lang ist das Publikum aus dem Häuschen. Als weibliches Pendant verkörpert Yvonne Willwert Linda de Mol als Reporterin, die in Krisengebieten dem Käse auf der Spur ist. Als solchen entlarvt sie die "Feng-Shui-Vorgärten" im Neubaugebiet als auch das Durchfahrverbot für Lkw.

Zusätzlich zur Kleinkunst auf der Palzer-Bühne plant Regisseur Ottmar Hauprich künftig wieder mit Theaterstücken aufzutreten. Das neue Bürgerhaus macht es möglich. Das Publikum freut sich auf mehr. sys