Dellwos Dienstreise

Hans-Dieter Dellwo kehrte am Montag von einer China-Reise zurück. Zwar stand auch der Besuch der Verbotenen Stadt in Peking und der Chinesischen Mauer auf dem Programm, aber sein Hauptinteresse galt wirtschaftlichen Aspekten.

Thalfang. Hans-Dieter Dellwo steht noch ganz unter dem Eindruck seines einwöchigen Besuchsprogramms. Stolz zeigt der Thalfanger Verbandsgemeinde-Bürgermeister eine Mappe mit Visitenkarten seiner chinesischen Gesprächspartner. "Ich habe angekündigt, mich verstärkt selbst um die Wirtschaftsförderung zu kümmern." Die Reise sei eine Konsequenz daraus. Er sehe das Herstellen von Kontakten mit Investoren in den "Quellgebieten" als eine wichtige Aufgabe an. Kontakt durch einen Wittlicher Arzt

Das Interesse deutscher Firmen am chinesischen Markt sei groß und deutsches Know-How im Reich der Mitte sehr gefragt. Dellwo, der mit der "Think East Trade und Travel GmbH" aus Köln unterwegs war, habe dort auch an einer internationalen Konferenz teilgenommen. Zu Stande gekommen sei die Dienstreise durch den Kontakt mit dem Wittlicher Arzt Bo Sun, der in der Kreisstadt in einem Gesundheitszentrum für Traditionelle Chinesische Medizin und Naturheilkunde tätig ist. Der gebürtige Chinese, der in der Zwischenzeit die deutsche Staatsangehörigkeit angenommen hat, denke darüber nach, ein Gesundheitszentrum am Erbeskopf einzurichten. Die Reise sollte auch dazu dienen, für das Vorhaben Investoren zu finden. Ob das geklappt hat? In der Frage hielt Dellwo sich bedeckt. Gespräche seien allerdings geführt worden. Dellwo unterzeichnet Vereinbarung mit Dachang

Dennoch kam der VG-Bürgermeister nicht mit leeren Händen zurück. Neben zahlreichen Reiseandenken bringt er auch eine "Vereinbarung über freundliche Wirtschaftsbeziehungen zwischen dem autonomen Landkreis der Hui-Nationalität Dachang und der Verbandsgemeinde Thalfang mit. Der Kreis Dachang liegt in der Provinz Hebei in Nordchina. Beide Kommunen verpflichten sich darin, den "Austausch zwischen Dachang und Thalfang zu entwickeln". Man wolle die Zusammenarbeit unter anderem in den Bereichen "Wirtschaft und Handel, Wissenschaft und Technik, Kultur und Bildung, Sport und Gesundheitswesen, Verkehrs- und Transportwesen, Tourismus und Umweltschutz schrittweise ausbauen. Die Vertragspartner wollen Unternehmen und Institute ermutigen, Kooperationen einzugehen. Auch Treffen werden angestrebt. Diese Vereinbarung trägt bereits die Unterschrift des Kreisvorstehers des autonomen Landkreises Dachang und von Bürgermeister Dellwo. Sie tritt allerdings erst in Kraft, wenn der Rat der Verbandsgemeinde zugestimmt hat. Zunächst will er im Wirtschaftsausschuss über seine Reise berichten. Im Vorhinein hatte er sich nach eigenen Angaben mit seinen Beigeordneten abgesprochen. Meinung Ungewöhnlicher Alleingang Die Dienstreise von Hans-Dieter Dellwo nach China überrascht und verblüfft. Dass Bürgermeister auf eigene Faust in Asien auf Investorensuche gehen, ist zumindest ungewöhnlich. Sicher, auch Trier hat zarte Bande mit der Millionenstadt Xiamen geknüpft. Derartige Kontakte sind durchaus viel versprechend. Aber in der Regel werden sie nicht im Alleingang angegangen, mit Ministerien, Kammern oder anderen Institutionen vorbereitet und in den entsprechenden Gremien andiskutiert. Stattdessen werden die Kommunalpolitiker rund um Thalfang in den nächsten Tagen erst einmal eine Landkarte zu Rate ziehen und schauen, wo die Provinz Herbei und der Landkreis Dachung liegen. Eine Dienstreise nach Fernost muss angesichts der leeren VG-Kassen gut überlegt sein. Doch wie Altbundeskanzler Kohl zu sagen pflegt: Entscheidend ist, was hinten rauskommt. Wie sinnvoll die Exkursion gewesen sein mag, wird vom Erfolg beabhängen. Entsteht tatsächlich eines Tages am Erbeskopf ein Gesundheitszentrum auf der Grundlage chinesischer Medizin, waren die Reisekosten gut investiert. i.rosenschild@volksfreund.de