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Dem Eifeltierheim fehlen tausende Euro am Jahresende

Soziales : Altricher Tierheim in Not - Spenden können helfen

Es steht schlecht um die Finanzen des Eifeltierheims Altrich. Auf dem Konto fehlen am Ende des Jahres rund 10 000 Euro. Die Gründe dafür sind vielfältig: mehr Tiere, mehr Personal, mehr Arztkosten. Nur Spenden können der Einrichtung noch helfen.

Felix kauert auf der Gäste-Toilette seines Herrchens. Die Tür ist zu. Sein Besitzer lässt ihn drei Tage lang nicht heraus. Das bedeutet für den Kater: drei Tage ohne Futter, Wasser und Heizung. Das Tier winselt, scharrt an der Tür. Bis ihm die Kraft fehlt. Denn Felix ist verletzt. Sein Halter hat ihn getreten - so hart, dass sein Kiefer brach. Lange hätte der rote Kater das nicht überlebt. Doch dann klingelt es. Eine Bekannte des Besitzers kommt zu Besuch. Dass der sein Tier so zugerichtet hat, erfährt sie erst, als sie den Kater auf der Toilette findet. Sie schafft ihn aus dem Haus und bringt ihn ins Eifeltierheim Altrich bei Wittlich.

„Es gibt Geschichten, die sind so schrecklich“, sagt Rainer Kordel: „die kannst du dir nicht ausdenken.“ Als Leiter des Tierheims habe er vieles gesehen, was kaum zu ertragen sei, sagt er. Seit zehn Jahren macht er diesen Job. Ebenso lange gibt es die Einrichtung - beinahe auf den Tag genau. Am 18. Dezember 2007 haben die Altricher die erste Katze vermittelt. Grund für eine Jubiläumsfeier gibt es allerdings nicht. Denn kurz vor Weihnachten fehlen dem Tierheim rund 10 000 Euro. Gewinn habe die Einrichtung zwar nie erwirtschaftet, sagt Kordel. Aber zumindest habe man stets schwarze Zahlen geschrieben.

Dabei sieht die Bilanz gut aus. 325 Katzen wurden 2017 vermittelt. Das sind mehr als jemals zuvor. Und noch einen Rekord haben die Altricher aufgestellt: Nie hat das Tierheim so viel eingenommen. Die Unterkunft finanziert ihren jährlichen Haushalt von rund 130 000 Euro zu 90 Prozent aus Spenden. Lediglich 10 Prozent kommen von der Verbandsgemeinde Wittlich-Land, der Stadt Wittlich und aus Zuschüssen vom Land. „Das Fördergeld reicht nicht mal für die Arztkosten“, sagt Kordel. Und da sind wir schon bei den Gründen für die Schieflage.

 Denn gerade die Kosten für den Tierarzt seien 2017 gestiegen. 28 000 Euro haben Kordel und sein Team für Medikamente und Untersuchungen ausgegeben. Denn glaubt man dem Leiter, können oder wollen sich Besitzer zunehmend nicht um ihre kranken Tiere kümmern. Futter und Arztbesuche würden ihnen zu teuer. Also gäben die Halter ihre Schützlinge ab oder setzten sie aus. Rund die Hälfte der Katzen, die das Tierheim aufnimmt, sind Fundtiere. Sie stammen aus allen Ecken der Region - von Prüm bis Bernkastel-Kues, von Daun bis Luxemburg. Rund 350 Tiere landeten 2017 insgesamt in Altrich. Das sind 50 mehr als in den Jahren zuvor. Die Gründe dafür liegen auch in Trier. Im einzigen anderen Tierheim der Umgebung, hatte eine Krankheit zu einem sechswöchigen Aufnahmestopp für Katzen geführt. Viele Vierbeiner, die gefunden oder abgegeben wurden, kamen nach Altrich. Bei einer derart hohen Belegung sei das Futter das geringste Problem, sagt Kordel. Teurer seien Desinfektionsmittel und Katzenstreu. Diese Ausgaben belasteten das Konto mit tausenden zusätzlichen Euro. Und dann wurde noch einer der zwei Auszubildenden krank. Kordel musste eine Teilzeitkraft einstellen. Das führte zu steigenden Personalkosten. Die versucht der Leiter ohnehin so gering wie möglich zu halten. Es gibt neben ihm zwei Angestellte. 35 Ehrenamtliche nehmen ihm Arbeit ab. Sie mähen den Rasen, wechseln Glühbirnen, versorgen die Katzen und säubern die Zimmer. „Ohne sie würden wir es nicht schaffen“, sagt der Mann, der selbst rund 50 Stunden die Woche im Tierheim verbringt. Die meiste Zeit davon sei er damit beschäftigt, Geld aufzutreiben. Und so werde es 2018 weitergehen. Die Zahl der Tiere wird steigen, da ist sich Kordel sicher. Denn im Trierer Tierheim stehen Umbauten an. Ein Teil der Katzen würde sicherlich nach Altrich gebracht. Doch woher das Geld für ihre Versorgung nehmen, wenn man mit so hohen Schulden startet? Einen Teil könne das Tierheim kompensieren, meint der Leiter. Die Vergrößerungen der Igelstation und des Wintergartens, die seit langem geplant sind, können dann allerdings nicht gestemmt werden. Das Minus abwenden kann Kordel nur, wenn er auf die Schnelle hunderte Spender findet. Einige hätten sich zwar gemeldet. Bis zum Stichtag am 30. Dezember fehlten aber noch tausende Euro, sagt Kordel. Tausende Euro, die helfen würden, für Tiere wie Kater Felix ein Zuhause zu finden. Der sei inzwischen vermittelt, sagt Kordel. Es gebe eben auch schöne Geschichten zu erzählen - „manche sogar zu schön, um sie zu erfinden.“

Eine weitere hat der Tierheimleiter auf Lager: Seit Mai sucht ein Landscheider seinen Kater. Monate vergehen. Er sieht sich Fundtiere an. Seiner ist nicht dabei. Im Winter schaut er sich nach einem neuen Haustier um. Aber er ist noch nicht so weit. Dann kommt der Anruf aus dem Eifeltierheim. Im 15 Kilometer entfernten Eifelort Bruch wurde ein Streuner gefunden. Eine Tätowierung am Ohr des Tieres beweist: Es ist der Kater des Landscheiders. 15 Minuten später treffen sich Tier und Herrchen wieder.  Der Kater, der sich im Tierheim so scheu verhalten hat, läuft auf den Mann zu und stupst ihn mit der Nase.

Wer spenden will, kann unter Iban: DE72587609540008005973 überweisen.